Filme des Grauens

«Batman & Robin»

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Arnold Schwarzenegger bekam 25 Millionen Dollar, George Clooney durfte Batman spielen und Warner Bros. wollte vor allem Spielzeug verkaufen.

Es gibt schlechte Superheldenfilme und dann gibt es Filme, die so schlecht aufgenommen werden, dass anschließend gleich die ganze Reihe verschwinden muss. «Batman & Robin» gehört zur zweiten Kategorie. Als Joel Schumachers Film im Juni 1997 in die Kinos kam, war Batman eigentlich eine der sichersten Marken Hollywoods. Tim Burtons «Batman» hatte 1989 einen regelrechten Hype ausgelöst, «Batman Returns» folgte 1992 und selbst der wesentlich buntere «Batman Forever» wurde 1995 ein großer kommerzieller Erfolg. Warner Bros. wollte deshalb möglichst schnell Nachschub. Das Ergebnis wurde jedoch zu einem der berüchtigtsten Superheldenfilme überhaupt. Die Reaktionen fielen so schlecht aus, dass die bereits geplante Fortsetzung verschwand und Batman erst 2005 mit «Batman Begins» ins Kino zurückkehrte.

Dabei fährt «Batman & Robin» bereits in den ersten Minuten alles auf, was später zum Problem des Films werden sollte. Batman und Robin ziehen ihre Anzüge an, wobei die Kamera genüsslich über Gummihintern, Brustpanzer und die berüchtigten Brustwarzen auf den Kostümen fährt. Anschließend geht es gegen Mr. Freeze, der Diamanten benötigt, um seinen Körper auf der notwendigen Minustemperatur zu halten. Hinter dem Bösewicht steckt Dr. Victor Fries, der nach einem Laborunfall nur noch in einem gewaltigen Kühlanzug überleben kann. Gleichzeitig versucht er verzweifelt, seine todkranke Frau Nora zu retten.

Eigentlich steckt darin sogar eine tragische Figur. «Batman: The Animated Series» hatte mit der berühmten Episode „Heart of Ice“ vorgemacht, wie emotional Mr. Freeze funktionieren kann. Teile dieser Hintergrundgeschichte wurden für den Kinofilm übernommen. Nur scheint «Batman & Robin» ständig Angst davor zu haben, seine Figuren länger als wenige Sekunden ernst zu nehmen. Arnold Schwarzenegger muss deshalb einen Eis-Kalauer nach dem anderen aufsagen. Kaum eine Szene vergeht ohne Sprüche über Kälte, Frost oder Eis. Seine Männer spielen auf Schlittschuhen Hockey mit einem Diamanten, Batman und Robin holen plötzlich Eislaufschuhe aus ihren Kostümen und irgendwann wirkt Gotham wie eine gigantische Neon-Eisshow.

Parallel verwandelt sich die Botanikerin Pamela Isley in Poison Ivy. Ihr Chef Dr. Jason Woodrue missbraucht ihre Forschung, um das Mittel Venom zu entwickeln und den Kriminellen Antonio Diego in Bane zu verwandeln. Als Isley droht, Woodrue auffliegen zu lassen, versucht er sie umzubringen. Stattdessen verwandeln die Chemikalien sie in Poison Ivy. Sie kann Männer mit Pheromonen verführen und Menschen durch einen Kuss töten. Gemeinsam mit dem auf einen tumben Muskelprotz reduzierten Bane zieht sie nach Gotham.

Dort sorgt Poison Ivy dafür, dass Batman und Robin zunehmend gegeneinander arbeiten. Gleichzeitig taucht Alfreds Nichte Barbara Wilson auf. Alfred leidet ausgerechnet an derselben Krankheit, gegen die Mr. Freeze ein Heilmittel entwickelt hat. Barbara entdeckt schließlich die Bat-Höhle, bekommt von einer künstlichen Version Alfreds einen fertigen Kampfanzug präsentiert und wird kurzerhand zu Batgirl. Am Ende müssen Batman, Robin und Batgirl verhindern, dass Mr. Freeze ganz Gotham einfriert. Poison Ivy wird ausgeschaltet, Bane verliert seine Kräfte und Batman überzeugt Freeze davon, ihm das Medikament für Alfred zu überlassen. Nora hat überlebt, Alfred wird geheilt und Batgirl gehört fortan zum Team.

Die Handlung ist nicht einmal das größte Problem. Das eigentliche Desaster steckt in der Frage, was für einen Film Warner Bros. überhaupt herstellen wollte. Nach dem Erfolg von «Batman Forever» wurde die Fortsetzung beschleunigt. Regisseur Joel Schumacher und Drehbuchautor Akiva Goldsman kehrten zurück, doch diesmal sollte der Film ausdrücklich noch stärker auf Merchandising zugeschnitten werden. Schumacher berichtete später, das Studio habe einen „toyetic“ Film gewollt. Spielzeugunternehmen saßen demnach bereits während der Vorproduktion mit am Tisch; selbst Mr. Freezes Waffe wurde mit Blick auf spätere Spielzeuge gestaltet.

Chris O'Donnell brachte das Problem Jahre später perfekt auf den Punkt: Bei «Batman Forever» habe er das Gefühl gehabt, einen Film zu drehen. Bei «Batman & Robin» habe es sich angefühlt, als drehe er einen Spielzeugwerbespot. Schauspieler John Glover erinnerte sich wiederum daran, dass Schumacher vor Einstellungen mit einem Megafon daran erinnert habe: „Remember, everyone, this is a cartoon.“ Und genau so sieht der fertige Film aus. Gotham besteht aus Neonfarben, gigantischen Statuen und vollkommen überladenen Kulissen. Fahrzeuge, Kostüme und Waffen sehen häufig aus, als seien sie bereits für das entsprechende Regal im Spielwarenladen entworfen worden. Das allein wäre noch kein Todesurteil. Schließlich war auch die Batman-Serie mit Adam West bewusst grell und albern. Doch «Batman & Robin» verbindet diese Camp-Ästhetik mit dem Budget und Bombast eines modernen Blockbusters, ohne sich entscheiden zu können, wie ernst die emotionalen Passagen eigentlich gemeint sind.

Das zeigt sich besonders bei Mr. Freeze. In einem Moment trauert er ernsthaft um seine todkranke Frau, kurz darauf feuert Schwarzenegger den nächsten Kalauer ab. Poison Ivy funktioniert innerhalb dieses Konzepts deutlich besser, weil Uma Thurman gar nicht erst versucht, ihre Figur realistisch anzulegen. Sie spielt die Schurkin wie eine Mischung aus Femme fatale, Comicfigur und Mae West. Tatsächlich gehörte Thurman zu den wenigen Darstellern, die damals auch positive Worte von Kritikern erhielten.

Bei George Clooney sah das anders aus. Der spätere Oscar-Preisträger war damals vor allem durch «ER» zum Star geworden und ersetzte Val Kilmer, der nach «Batman Forever» nicht zurückkehrte. Schumacher hielt Clooney für zugänglicher und humorvoller als seine Vorgänger. Doch der Film gibt seinem Bruce Wayne kaum etwas Interessantes zu tun. Clooney selbst hat sich über «Batman & Robin» später immer wieder lustig gemacht. Schumacher entschuldigte sich 2017 sogar ausdrücklich bei den enttäuschten Fans und übernahm die Verantwortung für den Film. George Clooney hatte rückblickend ebenfalls erklärt, es sei ein schwieriger Film gewesen, in dem man gut sein konnte.

Die zeitgenössischen Kritiken waren entsprechend brutal. Roger Ebert fand den Film zwar visuell beeindruckend, bemängelte aber, dass ihm etwas Authentisches im Kern fehle. Sein Rat war bemerkenswert einfach: weniger Millionen Dollar in jeder Minute zeigen und stattdessen mehr Zeit in die Figuren investieren. Gene Siskel bezeichnete den Film als anstrengende und überproduzierte Extravaganz. Kenneth Turan von der „Los Angeles Times“ ging noch weiter und sah darin den Film, der die Batman-Reihe „getötet“ habe. Beim „San Francisco Chronicle“ wurde Clooney sogar als „big zero“ bezeichnet und mit George Lazenby verglichen, der ebenfalls nur einmal James Bond gespielt hatte. Rotten Tomatoes weist heute lediglich elf Prozent positive Kritiken aus, der Metascore liegt bei 29 Punkten.

Besonders berüchtigt wurden natürlich die Bat-Nippel. Jahrzehnte später musste Schumacher noch erklären, warum Batman und Robin anatomisch auffällige Brustpanzer trugen. Für ihn war das ursprünglich eine ästhetische Entscheidung: Die immer besseren Möglichkeiten bei der Herstellung der Gummikostüme hätten eine stärker anatomische Gestaltung erlaubt. Er habe sich an griechischen Statuen und medizinischen Zeichnungen orientiert und die Brustwarzen schlicht „cool“ gefunden. Dass ausgerechnet dieses Detail zum Symbol seines Films werden würde, hatte er nicht erwartet.

Auch finanziell entwickelte sich «Batman & Robin» zur Enttäuschung – allerdings sollte man ihn nicht mit einem Totalflop wie «The Oogieloves» verwechseln. Der Start war zunächst sogar stark: 42,9 Millionen Dollar kamen am ersten Wochenende in den USA und Kanada zusammen. Danach brachen die Einnahmen allerdings um 63 Prozent ein. Weltweit wurden rund 238 Millionen Dollar umgesetzt. Bei Produktionskosten zwischen 125 und 160 Millionen Dollar war das für einen Film dieser Größenordnung viel zu wenig, zumal «Batman Forever» deutlich erfolgreicher gewesen war. Schätzungen zufolge erreichte der Film zumindest ungefähr die Gewinnschwelle.

Noch absurder wird die Rechnung beim Marketing. Laut den vorliegenden Angaben investierte Warner Bros. zusätzlich rund 125 Millionen Dollar in Werbung und Promotion. Taco Bell allein startete eine 20-Millionen-Dollar-Kampagne. Six Flags bekam Batman- und Mr.-Freeze-Achterbahnen, es gab Sammelkarten, Figuren und natürlich jede Menge Spielzeug. Der Film war weniger das Zentrum eines Kinoprojekts als der teuerste Werbespot innerhalb einer gigantischen Merchandising-Maschine.

Interessanterweise funktionierte ausgerechnet dieser Teil. Schumacher erzählte später, dass Spielzeug, Schlafanzüge und andere Lizenzprodukte enorme Umsätze generiert hätten. Warner Bros. wollte zunächst sogar noch einen weiteren Film von ihm. Schumacher hatte Ideen für «Batman Unchained» und traf Nicolas Cage wegen der Rolle des Scarecrow. Doch nach der weltweiten Pressetour hatte er genug und zog sich zurück.

Der eigentliche Absturz betraf deshalb weniger die beteiligten Stars als die Filmreihe selbst. George Clooney wurde wenige Jahre später zu einem der größten Hollywoodstars seiner Generation. «Ocean's Eleven», «Syriana», «Michael Clayton», «Up in the Air» und «The Descendants» machten die Fledermausbrustwarzen zur Fußnote seiner Karriere. Arnold Schwarzenegger blieb zunächst Actionstar und wurde später Gouverneur von Kalifornien. Uma Thurman erlebte mit Quentin Tarantinos «Kill Bill»-Filmen einen neuen Karrierehöhepunkt. Chris O'Donnell fand mit «NCIS: Los Angeles» schließlich eine langlebige Fernsehheimat. Alicia Silverstone konnte den gigantischen Erfolg von «Clueless» zwar nicht wiederholen, arbeitet aber weiterhin regelmäßig als Schauspielerin.

Auch Drehbuchautor Akiva Goldsman wurde durch den Film keineswegs aus Hollywood vertrieben. Nur vier Jahre später gewann er für «A Beautiful Mind» sogar den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch. Joel Schumacher inszenierte anschließend unter anderem «8mm», «Tigerland» und den bemerkenswert reduzierten Thriller «Phone Booth». Er starb 2020 im Alter von 80 Jahren.

Geplante Fortsetzungen wurden verworfen, und erst Christopher Nolan durfte 2005 mit «Batman Begins» praktisch bei null anfangen. Die Ironie könnte kaum größer sein: Ausgerechnet das grelle, auf Spielzeug und Merchandising optimierte «Batman & Robin» bereitete indirekt den Boden für eine Neuinterpretation, die nahezu alles anders machte. Nolan setzte auf einen vergleichsweise realistischen Bruce Wayne, psychologische Motivation und eine Welt, die ihre eigene Mythologie ernst nahm.

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