Das ZDF blickt am Samstag, 3. Oktober 2026, um 17.45 Uhr auf einen der entscheidenden Schritte auf dem Weg zur deutschen Wiedervereinigung zurück. Die Dokumentation «Meine D-Mark – Als die DDR das Westgeld bekam» von Melanie Haack und Daniela Sonntag beschäftigt sich mit der Einführung der D-Mark in der DDR im Sommer 1990. Bereits ab Mittwoch, 30. September, steht der Film im Streamingangebot des Senders bereit.Am 1. Juli 1990 trat die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion in Kraft. Für Millionen Menschen in der DDR erfüllte sich damit ein lange gehegter Wunsch. Anfang des Jahres war auf Demonstrationen noch der Satz "Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr" zu hören gewesen. Gleichzeitig bedeutete die neue Währung einen wirtschaftlichen Umbruch, dessen Folgen weit über den Alltag an der Ladenkasse hinausgingen.
«Meine D-Mark» verzichtet auf einen klassischen Reportertext. Stattdessen kommen ausschließlich Menschen zu Wort, die die damaligen Ereignisse selbst erlebt haben. Ihre Erinnerungen erzählen von einer plötzlich verfügbaren Warenwelt, ersten Reisen mit der neuen Währung und der Hoffnung auf einen höheren Lebensstandard. Gleichzeitig geht es um steigende Preise, Zukunftsängste und den Verlust zahlreicher Arbeitsplätze.
Zu den Zeitzeuginnen gehört Angela Elsner von der Sparkasse Grimma. Während der Währungsumstellung eröffnete sie ununterbrochen Konten und tauschte Geld für die Kundschaft um. Die damalige Sparkassendirektorin Heidrun Naumann erinnert sich ebenfalls an nicht enden wollende Schlangen. Millionenbeträge wurden damals teilweise in einem Wartburg der Sparkasse transportiert – ohne Polizeischutz. Naumann schildert zudem die Begegnung mit einem Vertreter des westdeutschen Sparkassenverbandes, dessen Blick auf ihre Korkpantoletten ihr deutlich gemacht habe, dass nun eine völlig neue Zeit beginne.
Doch auf die anfängliche Euphorie folgte vielerorts Ernüchterung. Manfred Windus, damals Direktor für Materialwirtschaft beim VEB Fahrzeugwerk Waltershausen, hatte bereits im Frühjahr 1990 vor den wirtschaftlichen Konsequenzen gewarnt. Mit der D-Mark mussten sich die ostdeutschen Betriebe praktisch über Nacht einer neuen Konkurrenz stellen. Zahlreiche Produkte aus der DDR fanden keine Käufer mehr, Absatzmärkte in den früheren sozialistischen Partnerstaaten brachen weg und Betriebe mussten schließen.
Auch westdeutsche Unternehmer und Berater zog es während dieser Zeit in den Osten. Hermann von Schrötter aus Düsseldorf machte sich im Frühjahr 1990 mit einem amerikanischen Wohnmobil auf den Weg und wollte nach eigener Darstellung den Wandel mitgestalten. Er erinnert sich zugleich an Geschäftemacher, die versuchten, aus der unübersichtlichen Situation Kapital zu schlagen.
Die von Melanie Haack und Daniela Sonntag realisierte Dokumentation verbindet diese persönlichen Erinnerungen mit historischen Originalaufnahmen. Damit soll der Umbruch nicht aus heutiger Perspektive erklärt, sondern aus Sicht derjenigen rekonstruiert werden, die ihn unmittelbar erlebt haben. Die Bilanz fällt entsprechend ambivalent aus: Für die Zeitzeugen war die Einführung der D-Mark grundsätzlich richtig. Sie erfüllte viele Wünsche und Hoffnungen – ließ zugleich aber auch zahlreiche Träume platzen.






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