Interview

Kerstin Schmidbauer: ‚Selbst nach dem zehnten Film ist das kein Selbstläufer‘

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Produzentin Schmidbauer spricht über 15 Jahre Eberhofer, den Konflikt mit Autorin Rita Falk, die außergewöhnliche Treue von Ensemble und Publikum und erklärt, warum trotz des anhaltenden Erfolgs jeder weitere Film neu entschieden wird.

Frau Schmidbauer, mit «Steckerlfischfiasko» kommt bereits der zehnte Eberhofer-Film ins Kino. Hätten Sie beim Start von «Dampfnudelblues» jemals gedacht, dass daraus einmal die langlebigste deutsche Kinokomödienreihe mit nahezu unverändertem Ensemble werden würde?
Das habe ich so absolut nicht erwartet. Als ich 2011 die ersten Bände der Buchreihe von Rita Falk optionieren konnte, war auch der Erfolg in diesem Ausmaß noch nicht abzusehen. Mit dem Bayerischen Rundfunk und der ARD Degeto war ich gerade im Austausch, sie suchten eine neue Bayerische Reihe für die ARD, Eberhofer passte da genau rein. Mit (der leider mittlerweile verstorbenen) Stephanie Heckner vom BR und Katja Kirchen (ARD Degeto) hatten wir dann Partner*innen an unserer Seite, die die gleiche Vision hatten und uns viel inhaltliche Freiheit gelassen haben. Das waren gute Voraussetzungen. «Dampfnudelblues» wurde so lustig, dass nach der Premiere auf dem Filmfest München der Film durch die Initiative von Kinobetreiber*innen, und mit Unterstützung von Christine Strobl, kurz vor der TV-Ausstrahlung in die Bayerischen Kinos kam. Als wir dann auch noch einen Überraschungshit damit landen konnten, haben wir mit «Winterkartoffelknödel» als Kinofilm weiter gemacht. So ging es von Film zu Film weiter und die Filme wurden auch über Bayern hinaus immer populärer. Mit dem fünften Film «Sauerkrautkoma» haben wir erstmals mehr als eine Million Zuschauer*innen gehabt.

Die Eberhofer-Filme gehören seit Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Kinoproduktionen und erreichen später auch im Ersten regelmäßig Millionenpublikum. Was macht die Reihe aus Ihrer Sicht generationenübergreifend so erfolgreich?
Ja, das ist wirklich etwas Besonderes. Wir haben Fans zwischen 10 und 100 Jahren, und die Geschlechterverteilung ist nahezu ausgeglichen. Ich glaube, das liegt zum einen daran, dass es kein vergleichbares Format gibt, das zugleich schräg und unangepasst ist, aber auch einen sehr liebevollen Blick auf die Figuren hat. Auch das Figurenensemble ist sehr breit angelegt. Regisseur Ed Herzog und Drehbuchautor Stefan Betz haben einen sehr unkonventionellen Humor, der wiederum auch den Jüngeren besonders gut gefällt. Die Figuren machen in ihrer Überzeichnung viel Spaß und offensichtlich können sich viele Menschen damit identifizieren. Viele gehen jenseits von Eberhofer sonst nicht ins Kino. Es ist vergleichbar mit Family Entertainment. In die Eberhofer-Filme kann man auch als Familie zusammen reingehen. Und zum Glück haben wir eine große Schnittmenge von Romanleser*innen, die die Bücher von Rita Falk lieben und auch den nächsten Eberhofer-Film im Kino sehen wollen.

Nach dem letzten Film gab es öffentlich Irritationen um Autorin Rita Falk, die zeitweise erklärte, keine weiteren Verfilmungen ihrer Romane zu wollen. Wie wichtig war es, wieder Vertrauen aufzubauen und gemeinsam einen Weg für «Steckerlfischfiasko» zu finden?
Natürlich war das eine schwierige Situation für uns, dass Rita Falk mit der Adaption von «Rehragout-Rendezvous» nicht zufrieden war und wir nehmen ihre Meinung als Autorin sehr ernst. Ein wichtiger Schritt war, dass alle bereit waren, sich wieder an einen Tisch zu setzen und zu sprechen, ob und wie wir zusammen weitermachen wollen.


Die Filme nehmen sich gegenüber den Romanen immer wieder Freiheiten. Wo ziehen Sie die Grenze zwischen einer werkgetreuen Adaption und den Anforderungen eines eigenständigen Kinofilms?
Rita Falk hat mit ihren unverwechselbaren Figuren und Geschichten eine originelle Welt erschaffen, die uns schon seit zehn Filmen immer wieder aufs Neue begeistert Ihre Romane sind immer die Grundlage für die Adaption. Ed Herzog und Stefan Betz sind zwei Kreative, die wiederum ihre eigene Handschrift in die Filme einbringen.

Das Stammpersonal ist seit vielen Jahren nahezu unverändert dabei. Wie gelingt es, Schauspielerinnen und Schauspieler über einen so langen Zeitraum für dieselben Rollen zu begeistern?
Ich glaube zum einen sind es die Figuren, die den Schauspieler*innen von Anfang an viel Freude bereiten und die sie mitgeprägt haben. Vor allem aber muss die Qualität der Drehbücher und der Filme überzeugen. Da spielt mit rein, dass sie die Arbeit von Ed Herzog und Stefan Betz sehr schätzen, genauso wie die hohe Kreativität, die in unserem ganzen Team herrscht - von der Maske und dem Kostüm über die Kamera, dem Szenenbild bis hin zur Musik und dem Schnitt. Wir haben eine sehr familiäre Arbeitsatmosphäre am Set, fast alle Head of Departments und viele Teammitglieder sind der Reihe von Anfang an treu geblieben. Das trägt sicher auch dazu bei. Alle neuen Ensemble- und Teammitglieder werden bei uns wiederum sehr herzlich willkommen geheißen und bringen neue Impulse mit ein. So transportiert sich das.

Trotz des vertrauten Personals muss jeder Film neue Impulse setzen. Wie schwierig ist es inzwischen, die richtige Balance zwischen Wiedererkennungswert und frischen Ideen zu finden?
Jeder neue Roman liefert bereits viele frische Ideen. Mit jedem neuen Fall kommen neue Figuren und Settings hinzu. Diese sind oft auch filmisch sehr inspirierend, wie beispielsweise die Volksfest-Clans jetzt in «Steckerlfischfiasko». Sensationell! Sowas kenne ich aus keinem deutschen Film, auch wie es Ed mit dem Team dann umgesetzt hat. Auch macht es viel Spaß, wenn einige der großartigen Nebenfiguren, wie Thin Lizzy oder Buengo zurückkehren oder neue Figuren hinzukommen wie der Golf-Marshall, für den wir Milan Peschel in einer Gastrolle besetzen konnten. Bislang hatte jeder Film eine eigene Tonalität und ist immer einzigartig.

Die Eberhofer-Reihe hat inzwischen Kultstatus erreicht. Spüren Sie dadurch auch einen größeren Druck, die hohen Erwartungen des Publikums immer wieder erfüllen zu müssen?
Ich verfolge tatsächlich regelmäßig die Kommentare auf Social Media. Manchmal wird man auch direkt angeschrieben. Ich finde es schon wichtig zu wissen, was da ausgetauscht wird und manches ist auch aufschlussreich für die Arbeit, aber viele Kommentare sind auch sehr individuell. Deshalb versuche ich mich dann auch wieder ein Stück weit von all den verschiedenen Meinungen zu lösen. Nur so kann man die Spielfreude und seinen eigenen Kompass beibehalten.

Während viele deutsche Kinofilme heute um Aufmerksamkeit kämpfen, bleiben die Eberhofer-Filme ein verlässlicher Publikumsmagnet. Was macht die Reihe widerstandsfähiger als viele andere Produktionen?
Man darf dabei nicht übersehen, wie viel Arbeit und Pflege der Marke gerade auch von unserem Constantin Verleih -und Marketingteam dahintersteckt. Wir beschäftigen uns nicht nur vor dem Kinostart, sondern das ganze Jahr über mit Eberhofer. Das Verleihteam hat den Anspruch, jedes Mal noch eine Schippe draufzulegen. Bei der Constantin Film sind wir alle unglaublich stolz darauf, was wir gemeinsam mit allen Partner*innen, auch den Kinobetreiber*innen, auf die Beine gestellt haben. Wir machen intensive Kinotouren, wofür wir den Schauspieler*innen sehr dankbar sind, denn die sind wirklich sehr anstrengend, aber für die Fans von allergrößter Bedeutung. Dazu kommt, dass die Filme, glaube ich, die Erwartungen immer wieder erfüllen konnten. Nur so ist die Vorfreude auf den nächsten Eberhofer-Film, die wir wieder deutlich spüren, gewährleistet.

Auch die Fernsehausstrahlungen im Ersten erzielen regelmäßig außergewöhnlich starke Quoten. Wie wichtig ist diese zweite Verwertung inzwischen für die Marke Eberhofer?
Eberhofer war von Anfang an ein großer Erfolg - auch für die ARD und den Bayerischen Rundfunk. Die Filme erreichen im ARD-Sommerkino, in der Mediathek und im Bayerischen Fernsehen immer sehr gute Quoten und Marktanteile, auch in den jüngeren Zielgruppen. Es ist auch ein Phänomen, dass Eberhofer-Fans offensichtlich sehr häufig die Filme ansehen, selbst die regelmäßigen Wiederholungen laufen erfolgreich. Wir haben das Gefühl, dass Kino und TV-Auswertung sehr gut für sich stehen und sich auch ergänzen. Das Kino ist und bleibt die Lokomotive. Es ist aber auch besonders, dass die Reihe den Fans im Programm der ARD über das ganze Jahr hinweg so präsent ist. Es gibt viele Fangruppen, die auch die TV-Ausstrahlungen als Event feiern. Und natürlich gibt es auch viele Fans, die Eberhofer von Anfang an nur aus dem Fernsehen kennen.

Streaming verändert das Sehverhalten zunehmend. Beobachten Sie, dass sich dadurch auch die Erwartungen an eine Kinoreihe wie Eberhofer verändern?
Das kann ich in diesem Fall nicht beobachten. Was sicherlich ein Punkt ist, dass TV und Streaming hinsichtlich des Filmanfangs anders funktionieren als Kinofilme. Da wird sehr schnell entschieden, ob man dranbleibt oder nicht. Eberhofer-Filme laufen aber auch im Streamingbereich sehr erfolgreich. Ich glaube, Eberhofer ist eine Marke, die für sich steht und unabhängig von Strömungen ist.

Im Presseheft ist mehrfach vom Zusammenspiel aus Anarchie, Herz und Menschlichkeit die Rede. Ist genau diese Mischung das eigentliche Erfolgsrezept der Reihe?
Ich würde noch ergänzen, wie neulich in einem Artikel stand: „Irrwitzige Situationskomik“. Ich glaube diese Art von Humor, mit der man vielleicht manchmal auch aneckt und die versucht, frei von Schranken zu sein, gibt es vorwiegend oder sehr konzentriert in den Eberhofer-Filmen. Ich finde es toll, dass Ed Herzog immer wieder versucht, möglichst unangepasst an die Filme heranzugehen.

Mit dem zehnten Film hat die Reihe einen außergewöhnlichen Meilenstein erreicht. Denken Sie bereits über einen elften oder zwölften Eberhofer nach, oder wird inzwischen von Film zu Film entschieden?
Wir haben von Anfang an von Film zu Film entschieden. Legendär ist, dass Torsten Koch bei jeder Kinotour das Publikum fragt, ob sie sich einen neuen Eberhofer wünschen. Natürlich müssen auch die Beteiligten bei jedem weiteren Film wieder überzeugt sein. Selbst nach dem zehnten Film ist das kein Selbstläufer.

Wenn Sie heute auf die vergangenen 15 Jahre mit Franz Eberhofer zurückblicken: Welcher Moment erfüllt Sie als Produzentin mit dem größten Stolz – der Kinoerfolg, die treue Fangemeinde oder die Tatsache, dass die Reihe inzwischen selbst ein Stück deutscher Filmgeschichte geworden ist?
Da gibt es viele Aspekte, die alle zusammenkommen. Schon allein der Prozess des Filmemachens selbst ist für mich in diesem Fall immer wieder ein großes Glückserlebnis. Es ist ein Geschenk, mit diesen großartigen Künstlern und Kreativen sowie dem fantastischen Team über einen so langen Zeitraum so vertraut zusammenzuarbeiten. Sie alle bedeuten mir auch menschlich wirklich sehr viel und überraschen mich immer wieder aufs Neue mit ihrem Einfallsreichtum. Wenn sich diese Spielfreude auf das Publikum überträgt, ist das jedes Mal eine überwältigende Erfahrung. Ich bin auf jeden einzelnen Film sehr stolz, weil wirklich jeder besonders geworden ist. Daher unbedingt jetzt ab dem 13. August «Steckerlfischfiasko» im Kino ansehen!

Unbedingt! Danke für Ihre Zeit!

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