Konventionelles Konzept, konventioneller Film: Peter Segals Actioncomedy «Der Spion von nebenan» spielt einmal mehr mit Gegensätzen und einem Team wider Willen. Selbst das gut aufgelegte Hauptdarsteller-Duo reißt da nur noch wenig raus.
Zumindest der Anfang von «Der Spion von nebenan» gerät amüsant, einfach weil Peter Segal den Auftakt seiner knapp 100 Minuten langen Komödie wie einen straighten Actionreißer inszeniert. Hauptfigur JJ bekommt es während eines Auftrags mit brutalen Gangstern zu tun. Und kurze Zeit später kommt es dann auch bereits zu Schießereien, Verfolgungsjagden und Explosionen. Sonderlich brutal wird es im Film zwar nie, doch dadurch, dass Segal derartige Szenen vom Schlag eines gängigen Hochglanz-Actioners inszeniert, legt er der Vermarktung seiner Arbeit sogleich Steine in den Weg: «Der Spion von nebenan» ist hierzulande ab 12 Jahren freigegeben. Und auch, wenn es Kindern ab sechs Jahren dank der sogenannten „Harry-Potter“-Regelung seit einigen Jahren erlaubt ist, in Begleitung eines Erziehungsberechtigten in einen Film ab zwölf zu gehen, so ist es doch arg fraglich, für wen «Der Spion von nebenan» eigentlich gemacht ist.
In seinem Genre als Actionkomödie ist «Der Spion von nebenan» also weder Fisch noch Fleisch. Das liegt nicht zuletzt auch an dem einfallslosen Drehbuch des Autorenduos Erich und Jon Hoeber. Von den beiden stammen solch überraschungs- und spannungsarme Skripte wie jene zu «Meg» oder «Battleship»; ein Muster, dass sich bei «Der Spion von nebenan» wiederholt. Das Publikum erlebt JJ in Aktion, der hart durchgreifende Hüne wird für eine Abhöraktion abkommandiert, trifft hier auf die toughe Sophie, die gegen seinen Willen mit JJ zarte Bande knüpft. Dass dieser im weiteren Verlauf natürlich dann doch irgendwann seine familienfreundliche Ader entdeckt, versteht sich von selbst. Erst kürzlich schrieben wir in unserer Kritik zur Familiencomedy «Chaos auf der Feuerwache» Folgendes: „Denn dass raubeinige Erwachsene plötzlich wider Willen in eine Vater- respektive Mutterrolle gedrängt werden, nur um am Ende festzustellen, dass sie sich genau diese Rolle eigentlich im tiefsten Herzen schon immer gewünscht haben, hat man schließlich längst in Filmen wie «Drei Männer und ein Baby», «Old Dogs» oder «Kokowääh» gesehen.“. 
Dave Bautista (JJ), Chloe Coleman (Sophie)
Hauptdarsteller Dave Bautista kämpft fast im Alleingang gegen die vorhersehbare Geschichte an. Die Chemie zwischen dem «Guardians of the Galaxy»-Darsteller und Newcomerin Chloe Coleman («Puppy Star Christmas») ist gut, wenngleich Bautista als grantelnder Einzelgänger deutlich mehr in seinem Element scheint als später vom (Familien-)Leben geläuterter Ersatzpapi. In den Actionmomenten kann Bautista ebenfalls nur bedingt brillieren, was allerdings weniger an einem hochmotivierten Darsteller denn an den insgesamt recht austauschbar inszenierten Szenen selbst liegt. Mit Ausnahme einiger überdeutlicher Referenzen an bekannte Actionklassiker – und an «Notting Hill». Der Film ist regelrecht zugeballert mit Querverweisen auf andere Filme, die einen beim Schauen aber auch nur daran erinnern, dass «Der Spion von nebenan» mit all diesen Beiträgen nicht mithalten kann. 

• Manhattan Queen • Zwei vom alten Schlag • Get Smart • Der Spion von nebenan • Stuber – 5 Sterne Undercover • Meg • Battleship • Chaos auf der Feuerwache • Drei Männer und ein Baby • Old Dogs • Kokowääh • Guardians of the Galaxy • Puppy Star Christmas • Notting Hill • Community
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