Ein Dutzend junge Leute, die auf Sofas sitzen, im Social-Media-Stil miteinander kommunizieren und sich dabei nicht sehen. Daraus ist dank Netflix das Reality-Phänomen des Jahres geworden. Doch unser Autor ist skeptisch, ob die Sendung auch in anderen Märkten funktionieren wird.
Vielleicht braucht man gar keinen Zynismus, um sich eine Show wie «The Circle» auszudenken. Möglicherweise reicht es schon, wenn man unsere heutigen gesellschaftlichen Kommunikationsformen – und besonders die aus ihnen herrührenden sozialen Konsequenzen – vollends verstanden hat. Denn dann wirkt dieses Format nicht wie ein Spiel, als das es sich gerne bezeichnet, und nicht einmal wie ein Reality-gerecht verklausuliertes soziales Experiment, in dessen Rahmen sonst Ratten durchs Labyrinth gejagt oder Dani Büchner und Elena Miras in Ostaustralien ausgesetzt werden, sondern wie der irgendwie traurige und erschreckend perverse destillierte Ist-Zustand. 
Binnen weniger Minuten entpuppt sich das einfache Konzept als genial – denn die Sogwirkung setzt entlang der Vorstellungsdramaturgie der Teilnehmer und erster Eisbrecher-Spielchen schier unbemerkt, aber höchst effektiv ein. «The Circle» hat vieles verstanden: Während wir den Kandidaten bei ihrem abgeschotteten They-can’t-see-me-Alltag zwischen Schall, Rauch und Authentizität zusehen, zeigt uns das Format ganz subtil, aber nachdrücklich die Social-Media-bestimmten Kommunikationsschrullen unserer heutigen Lebenswelt auf und schubst uns angenehm unaufdringlich ins Reflektieren. Konflikte muss die Sendung dabei gar nicht schüren: Sie entstehen – trotz beständiger Isolation der Protagonisten, die nur nach der Abwahl eines Mitspielers aufgebrochen wird – wie von selbst. Von der Bedienung niederer Instinkte oder einem Aufgeilen am sozialen Abwärtsvergleich will das Format ohnehin nichts wissen. Stattdessen nähert es sich seinen Teilnehmern mit ehrlichem Interesse und aufrichtiger Sympathie. • The Circle • The-Mole • Great British Bake Off
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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
16.02.2020 11:27 Uhr 1
Und ja Ranking gibts auch. Definitiv das bessere Big Brother, wenn man auf eine oberflächliche Trash-Reality-Welt steht
Übigends ein Fehler im Artikel. Alter Ende 30 stimmt nicht unbedingt