Basierend auf einer tragischen wahren Geschichte erzählt Tim Trachte in seinem romantischen Drama «Dem Horizont so nah» von einer Liebe, die nicht sein darf und die sich entgegen aller Widerstände trotzdem zu etwas Wunderschönen entwickelt.
Man mag es kaum glauben und doch ist es die bittere Wahrheit: Die tragische Geschichte der beiden Hauptfiguren Jessica und Danny hat sich so im wahren Leben ereignet. Die Autorin Jessica Koch schrieb ihre Erfahrungen als große Liebe eines Todkranken in mittlerweile drei Romanen nieder, in denen sie erzählt, wie sich ein junges Mädchen unsterblich in einen Mann verliebt, der schon bald nicht mehr leben wird. Er ist mit dem HI-Virus infiziert. Und sobald dieses ausbricht, bleibt ihm nicht mehr viel Zeit. Wir brauchen gar nicht erst den Ausgang der Geschichte vorwegnehmen, wenn wir verraten: Es werden nicht nur auf der Leinwand viele Tränen fließen, sondern auch beim Publikum. Denn Tim Trachte hat das Skript von Drehbuchautorin Ariane Schröder («Hin und weg») inszenatorisch so kongenial auf die Zielgruppe der Zwölf- bis Sechzehnjährigen zugeschnitten, dass zwischendurch immer mal wieder Taschentuchalarm vorprogrammiert ist – das war beim Buch schließlich auch nicht anders.
Doch wenn wir schreiben, dass die Anfangsphase von «Dem Horizont so nah» so stark ist, dann bedeutet das zwangsläufig auch, dass andere Abschnitte weniger gelungen sind. Das liegt daran, dass Tim Trachtes auch ganz ohne das Wissen darum, dass „Dem Horizont so nah“ auf einem Roman basiert, die typischen Probleme einer solchen Adaption offenbart. Im Klartext: Der Film erzählt letztlich viel zu viel Stoff in viel zu wenig Leinwandzeit. Denn nachdem sich das Skript so extrem viel Zeit für den Prozess des Verliebens aufwendet, kann Tim Trachte die Vorzüge der ersten Stunde nicht bis zum Schluss aufrechterhalten. So hervorragend komponiert die Bilder (Trachtes Stammkameramann Fabian Rösler) und so treffsicher der Soundtrack gewählt sind, so hektisch steuert die Geschichte auf ihr niederschmetterndes Finale zu. Kenner des Buches wissen: In zwei Büchern geht die Geschichte weiter. Und sollten auch auf die erste filmische Adaption noch zwei Fortsetzungen folgen, ist die übereilt diverse offene Erzählstränge zu Ende führende zweite Hälfte des Films vielleicht noch zu verschmerzen.
Das ist vor allem deshalb besonders schade, da das um Authentizität und Realismus bemühte Skript dafür sorgt, dass «Dem Horizont so nah» nicht wie befürchtet in reinem Kitsch versinkt, sondern neben der Lovestory auch die bittere Note des Krankheitsdramas perfekt zur Geltung kommt. Leidtragende der so unausgegorenen Dramaturgie sind andere Dinge. Das gilt insbesondere für den Handlungsstrang rund um Dannys Mitbewohnerin Tina, die das Skript zunächst als Scheinbar-Widersacherin einführt und später bemerkenswert konsequent aus der Szenerie entlässt. Dazwischen kommt nur minimal die eigentlich in Tina bestehende, emotionale Komplexität zum Tragen; nicht zuletzt, da Luise Befort («Der Club der roten Bänder – Wie alles begann») einfach zu wenig Screentime erhält, um die Stärken ihrer Figur auszuspielen. Dasselbe gilt auch für sämtliche Nebencharaktere, die vorwiegend auf ihre Funktion innerhalb der Handlung beschränkt sind; von Jessicas liebevollen Eltern (Victoria Mayer und Stephan Kampwirth) über Dannys Sporttrainer (Frederick Lau) bis hin zu seinem Betreuer Jörg (Denis Moschitto) – viel zur Handlung beizutragen haben sie alle nicht, aber dank der durchweg hervorragenden Darsteller wäre es doch schade gewesen, hätte man vollständig auf ihr Auftreten verzichtet. 

• Abschussfahrt • Vampirschwestern • Benjamin Blümchen • Dem Horizont so nah • Hin und weg • Das schönste Mädchen der Welt • Charité
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