Vermischtes

Gewinnspiele im Fernsehen — Gut für die Quote?

Wir erleben sie in allen nur denkbaren Varianten und Formen — die TV-Gewinnspiele. So mancher Zuschauer wünscht sich die Gelegenheit, bequem auf der heimischen Couch noch einen Gewinn einstreichen zu können.

Sender erkennen derweil ihre Chance, zusätzlichen Umsatz zu generieren. Doch warum sind Gewinnspiele und Glücksspiele im Fernsehen dieser Tage so beliebt?

Call-In Gewinnspiele
Zu Beginn dieses Jahrtausends waren es Call-In Gewinnspiele, welche das Interesse der Zuschauer köderten. Der Kanal 9live wurde eigens ins Leben gerufen, um auf diese Weise Gewinne zu erzielen. Damit rückte die Produktion hochwertiger Inhalte zum ersten Mal gänzlich in den Hintergrund. Die zum Teil trügerisch gestellten Fragen, auf die kaum ein Zuschauer eine Antwort finden konnte, waren jedoch ein Dorn im Auge der Verbraucherschützer. 2009 wurde die Gewinnspielsatzung aus diesem Grund komplett aktualisiert. War es zum Beispiel das Ziel eines Gewinnspiels, Begriffe zu raten, so mussten diese fortan auch im Wörterbuch zu finden sein.

Schnell zeigte sich, dass die Call-In Gewinnspiele keine Zukunft unter der neuen Regelung hatten. Die nun leicht zu lösenden Fragen ließen einerseits keine hohen Gewinne mehr zu, die Zuschauer anzogen. Schwere Fragen, die selbst mit einer Recherche im Internet kaum zu lösen waren, fesselten die Zuschauer nicht in gleicher Weise. So kam es, dass der Dienst des Senders schließlich eingestellt wurde.

Schlichtweg dumme Fragen im TV sind also keineswegs ein Mittel, um den Zuschauern die eigene Beschränktheit vor Augen zu führen. Vielmehr bleibt den Anbietern in diesen Tagen kaum eine andere Möglichkeit, um den Mittelweg zwischen Desinteresse und Finanzierungsproblemen zu gehen. Ebenfalls verboten wurden im Jahr 2009 willkürliche Countdowns, wie sie einst in den Sendungen auftraten. Die Zuschauer sollen nicht mehr künstlich unter Druck gesetzt werden, nur um sie zur Teilnahme zu bewegen. Am Ende mussten gerade die Call-In Gewinnspiele völlig neu strukturiert werden, um sie dem Publikum weiter präsentieren zu dürfen.

Eine neue Einstellung zum Glücksspiel
Insgesamt wandelten sich die Ansprüche, welche die Deutschen an das Glücksspiel stellten. Heute bieten Online Casinos zu jeder Zeit die Gelegenheit, auf eine Vielfalt an Spielen zuzugreifen. Eine Übersicht über die aktuell führenden Anbieter ist hier zu finden. Allesamt profitieren diese von wachsenden Kundenzahlen und steigenden Einsätzen. Durch eine optimierte Kostenstruktur können sie ihren Neukunden sogar einen Bonus im Rahmen der Einzahlung gewähren. Herkömmliche TV-Gewinnspiele wirken vor diesem Hintergrund wenig relevant.

Auch die TV-Sender zeigen nun eine andere Herangehensweise an das Thema Glücksspiel. Aufgrund der Gewinnspielsatzung ließen sich die bekannten lächerlich leichten Fragen nicht länger halten. Stattdessen müssen die Zuschauer heute häufig Kennwörter per SMS an die Anbieter schicken. Unter allen Teilnehmern erfolgt dann die Auslosung des Gewinners. Der TV-Sender freut sich wiederum über eine Gebühr von 0,50 Euro pro SMS. Diese Summe geht wiederum auf die Zeit zurück, in der die Teilnahme an den Gewinnspielen noch mit der Einsendung einer Postmarke zusammenhing. Die dafür erforderliche Briefmarke kostete zu jener Zeit 50 Pfennig. Dies wandelte sich im Laufe der Jahre zur Gebühr von 50 Cent, die maximal für die Teilnahme verlangt werden darf. Gewinnspiele, die sich an Jugendliche richten oder die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt werden, dürfen derweil nur 0,14 Euro pro Anruf kosten.

Gewinne bei Votings
Dass es sich um die Teilnahme an einem Gewinnspiel handelt, wird bei vielen TV-Votings nicht deutlich. Die privaten Fernsehsender bauen inzwischen große Teile ihrer Shows auf diesem Prinzip auf. So haben die Zuschauer etwa bei RTLs Let's Dance oder dem Dschungelcamp die Gelegenheit, für die Kandidaten anzurufen und dadurch den Gang der Sendung zu beeinflussen. Diese Aussicht, besonders sympathische Kandidaten länger in der Show halten zu können, zeigt ihre Wirkung. So gelang es dem Dschungelcamp etwa im Jahr 2011, 160.000 Euro durch die Telefonvotings zu verdienen — pro Folge! Daran wird ein weiteres Mal deutlich, wie groß der Anteil ist, den die Aufrufe der Zuschauer inzwischen zur Finanzierung der Sendung beitragen.

Doch nicht nur finanziell ziehen die TV-Sender einen großen Nutzen aus den von ihnen präsentierten Gewinnspielen. Auf der anderen Seite gelingt es ihnen, dadurch günstig Sendezeit zu füllen. Denn das Gewinnspiel selbst verursacht keine Kosten und nimmt bei einer mehrfachen Ankündigung innerhalb einer Folge zwei bis drei Minuten von der Uhr. Da im Fernsehen noch immer nach dem Prinzip gearbeitet wird, alle Sendeminuten möglichst günstig zu produzieren, kann das Gewinnspiel in doppelter Hinsicht ein interessanter Beitrag zur Sendung sein.

Teilnahme im Internet
Inzwischen gibt es manchen Fernsehzuschauer, der nicht weiter daran interessiert ist, täglich an unzähligen Gewinnspielen teilzunehmen. Einerseits ist der zeitliche Aufwand dafür verantwortlich, der stets mit der Teilnahme in Verbindung steht. Andererseits handelt es sich um eine klare Kostenfrage. Nimmt ein Fernsehzuschauer etwa täglich an einem Gewinnspiel teil, so können sich die Kosten auf 15 Euro im Monat belaufen. Um einem Schwund der Teilnehmer vorzubeugen, entschlossen sich viele Fernsehsender dazu, die Teilnahme auf einer Plattform im Internet zu ermöglichen.

Die zuständigen Anbieter verlangen eine Registrierung von jedem Besucher, damit dieser auch im Web an den Gewinnspielen aus dem TV teilhaben kann. Dabei geht jedoch nicht nur um die Eintragung der persönlichen Daten, die für die Gewinnspiele relevant sind. Darüber hinaus ziehen die Anbieter eine monatliche Gebühr von etwa fünf Euro ein. Diese gilt dann als Flatrate, welche zur Teilnahme an allen Gewinnspielen berechtigt. Zwar fällt für die einzelnen Gewinnspiele dann ein geringerer Gewinn als die üblichen 0,50 Euro an, doch nicht immer handelt es sich um ein nettes Zubrot. Die Gewinnchancen des einzelnen Mitspielers könnten sich unter diesen Umständen jedoch weiter verschlechtern. Schließlich sinkt mit jedem weiteren Mitspieler die Wahrscheinlichkeit, selbst ausgelost zu werden und damit einen Gewinn zu verbuchen.

Dass die Anbieter inzwischen eine solche Abwicklung ihrer Gewinnspiele in Betracht ziehen, weist auf die aktuellen Umstände der Glücksspiele hin. Sie zielen mehr denn je darauf ab, den Gewinn der TV-Sender zu decken. In einer Zeit, in der sich teuer produzierte private Fernsehshows gegen die neue Konkurrenz aus dem World Wide Web behaupten müssen, sind die Verlosungen umso wichtiger, um die Gesamtkosten decken zu können.

Die Ziehung der Lottozahlen
Die Ziehung der Lottozahlen ist bis heute das bekannteste Beispiel für Glücksspiel im Fernsehen. Natürlich ist dies nur unter der Voraussetzung möglich, dass es sich um staatliche Angebote handelt. An jedem Samstag haben Lotto-Spieler in der ARD die Möglichkeit, den Ausgang ihrer Ziehung anzusehen. Aktuell sind es mehr als drei Millionen Menschen, die dabei vor dem Fernseher sitzen. In der Vergangenheit wurde die Ziehung sogar live übertragen, was dem Sender noch höhere Quoten bescherte. Hinzu kommen weitere Zuschauer, welche inzwischen die Online-Angebote der ARD nutzen und die Lotto-Ziehung im Internet verfolgen.

Als sich die Intendanten dazu entschlossen, nicht mehr die Ziehung selbst, sondern nur das Ergebnis zu präsentieren, war der öffentliche Aufschrei plötzlich groß. Daran wurde in besonderer Weise deutlich, wie wichtig den Zuschauern dieses samstägliche Ritual noch immer war. Bei der Ziehung der Lottozahlen dürfte es sich damit um die Glücksspiel-Sendung handeln, die stets auf die größte Beliebtheit innerhalb ihrer Zielgruppe blickt.

Kurz-URL: qmde.de/103319
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