Drew Pearces «Hotel Artemis» wirkt wahlweise wie das vor einiger Zeit angekündigte «John Wick»-Spin-Off oder der Auftakt zu einer Serie. Und da haben wir auch schon das Problem, denn der fiebrige Noir-Thriller ist nun mal weder das eine, noch das andere.
Im Los Angeles des Jahres 2028 versinken die Straßen der Stadt im Chaos eines außer Kontrolle geratenen Bürgeraufstands: Für Waikiki (Sterling K. Brown) und seine Kumpanen die perfekte Gelegenheit eine Bank zu überfallen. Als ihr Raubzug vom Kugelhagel der Polizei unterbrochen wird, bleibt der schwerverletzten Gang nur ein Ort, an den sie sich retten kann: Hotel Artemis – ein längst zum Mythos erklärtes, geheimes Krankenhaus für Schwerverbrecher. Unter der Obhut der Schwester (Jodie Foster) und ihres Assistenten (Dave Bautista) glaubt sich Waikiki zunächst sicher. Doch der wahre Ärger beginnt, als plötzlich weitere Outlaws im Hotel einchecken…
Die Haupt„figur“ von «Hotel Artemis» ist ohne Zweifel das titelgebende Hotel, das allerdings eher einem Krankenhaus gleicht. Und genau hierin liegt dann eben auch der Grund, weshalb man durchaus davon ausgehen könnte, «John Wick» und «Hotel Artemis» entstammen demselben Filmuniversum. Auch in den Reeves-Vehikeln gibt es schließlich ein Hotel (das Continental), in das sich jeder noch so abgebrühte Auftragskiller zurückziehen kann, um hier für eine Weile garantierte Sicherheit zu finden. Was passiert, wenn man sich gegen die hier wie dort sehr strengen Benimmregeln auflehnt, sehen wir spätestens am Ende von «John Wick 2», als sich Keanu Reeves‘ schweigsamer Killer dazu entschließt, gegen das Tötungsverbot zu verstoßen. Erst dieser Schritt sorgt überhaupt dafür, dass wir in einem Jahr bereits den dritten «John Wick»-Film zu sehen bekommen werden. Im Artemis ist es verboten, das Personal zu beschimpfen, Waffen mitzubringen und andere Patienten abzumurksen – es bedarf keiner näheren Ausführungen, dass all das im Laufe der folgenden 95 Minuten mindestens einmal passieren wird. Schließlich befinden wir uns im Los Angeles einer fernen Zukunft, wo vor den Türen des Artemis die Anarchie tobt.
Drew Pearce verlangt von seinem Publikum absolute Aufgeschlossenheit gegenüber der Situation. Wie es gelingen konnte, eine derartige Institution so lange aufrechtzuerhalten, ohne dass hier jemals das völlige Chaos ausgebrochen ist, sollte man daher ebenso wenig hinterfragen wie die Sinnhaftigkeit hinter dem Interieur des Krankenhauses. Vieles an «Hotel Artemis» ist Spielerei, der Regisseur und Autor konnte sich in seiner Fantasie zu dieser Prämisse so richtig austoben, sodass man sich an den einzelnen Krankenzimmern (allesamt jeweils eingerichtet wie ein anderer Ort auf der Welt), genauso wie an diversen futuristischen Gadgets einfach nicht sattsehen kann. Da ist es letztlich auch völlig egal, dass vermutlich nur wenig davon einer Überprüfung auf die Einhaltung logischer Grundsätze standhalten würde; den Verantwortlichen lag eben zu recht mehr daran, ein möglichst exotisches Setting zu schaffen, das einfach nur in der hier dargebotenen Welt funktionieren muss.
Ein wenig wirkt «Hotel Artemis» dadurch wie der Auftakt zu einer (definitiv ambitionierten) Fernsehserie: In diesen eineinhalb Stunden werden viele spleenige, exzentrische und damit potenziell spannende Charaktere eingeführt. Sie tauschen sich aus, man erfährt aus den Dialogen grob etwas über ihre Hintergründe, aber kaum glauben wir, uns annähernd ein Bild von ihnen und ihren Beweggründen machen zu können, läuft im letzten Drittel schließlich alles auf eine möglichst allumfassende Eskalation hinaus – als hätte man die zehn Minuten der letzten Folge an die 70 Minuten der ersten rangehängt. Das ist schade, da so der Eindruck entsteht, zwischen der Einführung der Kulisse und dem finalen Shootout würde eigentlich gar nicht so wirklich was passieren. Und wer sich von «Hotel Artemis» ohnehin so etwas wie ein „«John Wick» mit Jodie Foster“ erhofft hat, wird so oder so enttäuscht. 

• Der Gott des Gemetzels • Die Mumie • Drive • Hereditary • Hotel Artemis • Iron Man 3 • John Wick • John Wick 2 • John Wick: Kapitel 2 • Jurassic World 2 • Kapitel 2 • Pacific Rim • Pacific Rim: Uprising • Uprising
Manager Creative Productions (m/w/d)
Jungredakteur/Redakteur Casting (w/m/d)
Pflicht/-Orientierungspraktikant Redaktion (w/m/d)
Redakteur (w/m/d) oder Jungredakteur (w/m/d)
Jungredakteur/Redakteur (w/m/d)
Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
26.07.2018 21:03 Uhr 1