Lilith ist die Tochter des Teufels und bekommt ihren ersten Auftrag: Um sich für den Außendienst zu qualifizieren, muss sie aus der liebevollen Außenseiterin Greta ein richtig böses Mädchen machen. Eine freche Idee, die Regisseur Marco Petry in der Romanverfilmung «Meine teuflisch gute Freundin» kongenial umsetzt.
Doch nicht nur die authentischen Dialoge überzeugen, auch die Gags zünden. «Meine teuflisch gute Freundin» steckt voller gelungener Pointen, die zu Beginn direkt Erinnerungen an die «Neo Magazin Royale»-Schmiede bildundtonfabrik wach werden lässt, als der erste, sich wohl vorwiegend einem älteren Publikum erschließende Gag darauf hinaus läuft, dass das Saarland irgendwie anders tickt, als der Rest Deutschlands - Jan Böhmermann würde es vermutlich lieben! Charmanter Wortwitz und die absurd-überhöhte Prämisse gehen hier Hand in Hand und ergeben einen locker-fluffigen Mix, der das bisweilen angestaubte deutsche Jugendkino von seinem Mief befreit. Und das lässt die Macher in durchaus schwarzhumorige Gefilde abgleiten. Wann immer es geht, spielen sie mit der Idee, wie es wäre, wenn der Teufel höchstpersönlich (und in Gestalt einer rothaarigen Teenagerin) auf der Erde wandeln würde, ohne dass davon Jemand etwas weiß. Darüber im Unklaren lässt Lilith ihr Umfeld tatsächlich bis ganz zum Schluss – und es ist schon äußerst amüsant, wie sich die tolle Newcomerin Emma Bading («1000 Arten den Regen zu beschreiben») von einer skurrilen Szenerie in die nächste begibt.
Auch eine Prise Romantik spendiert Marco Petry seinen Hauptfiguren – und in beiden Fällen gehen die Geschichten ganz anders aus, als man es auf den ersten Blick glauben würde. So wenig es sich um Grundsatz im Kinder- und Jugendkino variieren lässt (natürlich ist klar, dass die Geschichte für alle Beteiligten schon irgendwie ganz gut ausgehen wird), so großzügig hantieren die Macher mit Überraschungen und setzen obendrein darauf, dass selbst noch so überzeichnete Charaktere nachvollziehbar und logisch handeln. So erweckt selbst die hanebüchene Idee vom Teenie-Teufel auf Abwegen den Eindruck, dass sie sich genau so ereignen könnte. Gleichermaßen positiv wie negativ wirkt sich da die sehr nüchterne Inszenierung aus. «Meine teuflisch gute Freundin» macht zwar ordentlich Tempo und lässt dem Zuschauer kaum Gelegenheit, kleine Ungenauigkeiten in der audiovisuellen Aufmachung zu hinterfragen, trotzdem sieht die Komödie nicht wirklich aus, wie ein Film aus dem Jahre 2018 - und das hängt nicht damit zusammen, dass hier dankenswerterweise nicht die In-City Berlin, sondern ein kleines, unscheinbares Dorf zur Kulisse auserkoren wurde. Stattdessen sind es die unspektakulären Kamerafahrten (Stephan Schuh, «Schatz, nimm du sie!») und die teilweise arg überbelichteten Bilder, die immer mal wieder den Eindruck erwecken, man sähe hier eine TV-Serie auf der großen Leinwand.
Umso überzeugender geraten dafür die Leistungen sämtlicher Darsteller - und das, wo doch gerade die Hauptakteurin Emma Bading bislang eher in Nebenrollen und kleineren Filmen zu sehen war. In «Meine teuflisch gute Freundin» reißt sie die Szenerie mit einer Selbstverständlichkeit an sich, als hätte sie es sich von Samuel Finzi («HERRliche Zeiten») abgeschaut, der sich in der Rolle des hochnäsigen Teufels sichtbar genießt. Zusammen ergeben beide ein famoses Vater-Tochter-Gespann, das leider viel zu selten in dieser Kombination zu sehen ist. In erster Linie steht neben Bading natürlich Janina Fautz im Mittelpunkt, die mit ihrem zurückhaltenden Spiel einen hervorragenden Kontrast zu ihrer überdrehten Kollegin ergibt. Doch nicht nur in den Hauptrollen überzeugt die Komödie. 

• 1000 Arten den Regen zu beschreiben • Das weiße Band • Freche Mädchen freche Bücher • HERRliche Zeiten • KeinOhrHasen • Meine teuflisch gute Freundin • Männertag • Neo Magazin Royale • Rock My Heart • Schatz nimm du sie! • Wie Männer über Frauen reden
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