In seinem neuesten Film, dem Neo-Western «Feinde - Hostiles», erzählt Regisseur Scott Cooper von lang gehegten Fehden und der Kunst, sich trotz verhärteter Fronten wieder anzunähern – und sei es nur, da man einen gemeinsamen Feind teilt.
Regisseur Scott Cooper ist ein Experte für die Inszenierung herberer Stoffe. 2010 feierte er sein Debüt mit dem melancholisch-unbequemen Musikerdrama «Crazy Heart», das Jeff Bridges in der prägnanten Rolle des Countrysängers Bad Blake zu seinem ersten Academy Award verhalf. Anschließend widmete sich der gebürtig aus Virginia stammende Filmemacher dem gleichermaßen harten wie starbesetzten Crime-Thriller «Auge um Auge» mit Christian Bale in der Hauptrolle und ließ darauf das biographische Gangsterepos «Black Mass» folgen, das die wahre Geschichte des US-Mafioso Whitey Bulger erzählt. Der zum damaligen Zeitpunkt bei Kritikern und Publikum in Ungnade gefallene Johnny Depp rückte mit seiner Performance sein angeknackstes Image zurecht; wurde er doch erste Mal seit Jahren wieder in einer ernstzunehmenden Rolle besetzt. Scott Cooper bleibt auch mit seiner neuesten Arbeit «Feinde – Hostiles» der eingeschlagenen Linie treu. Dafür überarbeitete er ein Skript des «Jagd auf roter Oktober»-Autors Donald E Stewart und verfilmte ihn als brutalen Neo-Western mit zeitloser Botschaft. Mit welcher Radikalität er dabei vorgeht, zeigt bereits die allererste Szene:
Der verdiente Offizier Joseph Blocker (Christian Bale) erhält den Auftrag, den kranken Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi), der die vergangenen sieben Jahre im Gefängnis verbrachte, in dessen Stammesland nach Montana zu begleiten. Der letzte Wunsch des als unerbittlich bekannten Indianers ist es, zu Hause zu sterben. Blocker und Yellow Hawk haben eine gemeinsame Vergangenheit, weswegen Blocker den Auftrag nur äußerst widerwillig annimmt. Gemeinsam mit einigen Soldaten und der Familie des Häuptlings bricht die Truppe auf. Unterwegs stoßen sie auf die junge Witwe Rosalie Quaid (Rosamund Pike), deren gesamte Familie kaltblütig von Komantschen umgebracht wurde. Die traumatisierte Frau schließt sich ihnen an und die Gruppe setzt ihren gefährlichen Weg quer durch das unwegsame Land und eine extrem feindselige Umgebung fort. Schon bald wird klar, dass sie nur als Gemeinschaft im Kampf ums Überleben eine Chance haben…
Derart verhärtete Fronten mit der Zeit aufbrechen zu lassen, erfordert viel Zeit. Und genau diese nimmt sich Scott Cooper: «Feinde – Hostiles» dauert geschlagene 135 Minuten, von denen jede einzelne notwendig ist, um die Glaubwürdigkeit der Storyentwicklung zu untermauern. Der lang gehegte Kampf zwischen dem vermeintlichen Gut und Böse, der mit Vorurteilen, Machtmissbrauch und Gewalt einherging, kann nur sehr langsam zu einer Versöhnung finden. Genau dieses Ziel wirkt zu Beginn des Films unmöglich – wenn es jedoch so weit ist, reichen ein Blick, ein Wort und ein Handschlag zwischen Blocker und dem Indianerhäuptling Yellow Hawk, um in einer Sekunde den Schmerz vieler Jahrzehnte spürbar und die persönlichen Fehden gleichzeitig vergessend zu machen. In den ersten sechzig davon lässt der Regisseur das Geschehen jedoch erst einmal auf den Zuschauer wirken. Nach dem derben Prolog und wenigen Minuten, in denen die simple Prämisse mitsamt der Gesinnung der wichtigsten Figuren erläutert wird, stehen in erster Linie die Spannungen unter den beiden Seiten im Fokus.
Rosamund Pike («Gone Girl – Das perfekte Opfer») spielt die innerlich gebrochene Witwe mit einer beeindruckenden Kraft, mit der sie dem Rest des Casts – unter Anderem Stephen Lang («Don’t Breathe») und Jesse Plemons («Game Night») und Timothée Chalamet («Call Me By Your Name») die Show stiehlt. Der sehr dosiert eingesetzte Score von Komponistenlegende Max Richter («Escobar: Paradise Lost») untermalt die menschlichen Dramen kühl und prägnant.

• Auge um Auge • Batman • Black Mass • Call Me By Your Name • Crazy Heart • Das perfekte Opfer • Don’t Breathe • Escobar • Escobar: Paradise Lost • Feinde • Feinde – Hostiles • Game Night • Gone Girl • Gone Girl – Das perfekte Opfer • Hostiles • Jagd auf roter Oktober • Paradise Lost
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