Statistisch gesehen

Gesucht: Ein Genre für Sat.1

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Die eine Soap ging, die nächste kam - die Quoten blieben gleich. Braucht Sat.1 frische Ideen und innovative Genres für neuen Erfolg am Vorabend?

Statistisch gesehen würden rund zwei Fünftel aller deutschen Provinzler gerne in eine Großstadt übersiedeln. Ein reichhaltigeres Fernsehangebot wurde als Grund allerdings von niemandem angegeben.

Man kann nicht gerade behaupten, dass Sat.1 ein goldenes Händchen hat, wenn es um Dailys Soaps und Telenovelas geht. «Verliebt in Berlin» kippte nach dem Wechsel der Hauptdarsteller in sich zusammen wie ein Kartenhaus, dem man die Basis umgestoßen hatte, «Schmetterlinge im Bauch» wollte von Beginn an nicht funktionieren, «Eine wie keine» hielt sich nicht einmal ein ganzes Jahr auf den Bildschirmen. Das hat bei Sat.1 Tradition, denn als sich der Sender in den 90ern mit «So ist das Leben! Die Wagenfelds» und «Geliebte Schwestern» an das Genre wagte, ging das auch böse nach hinten los.

So war es durchaus eine kleine Überraschung, was Sat.1 vor einigen Monaten als Ersatz für die gescheiterte Daily Soap «Eine wie keine» nicht Geringeres als eine neue Daily Soap ankündigte. Diese Woche startete «Hand aufs Herz» und holte an den ersten drei Sendetagen im Schnitt 9,3 Prozent in der wichtigen Zielgruppe. «Eine wie keine» kam in ihrer letzten Sendewoche auf 10,1 Prozent - genau wie in der allerersten Woche. Nun sollte man keine tägliche Serie nach drei Tagen abschreiben, aber nach einem cleveren Tausch klingt das nicht.

Damit Sat.1 nicht weiter eine Telenovela nach der anderen auf den Markt wirft in der Hoffnung, das nächste «Verliebt in Berlin» zu finden, möchte Statistisch gesehen helfen und herausfinden, auf welches Genre Sat.1 überhaupt bauen kann. Natürlich ist es sinnlos, zu schauen, welcher Sender in den verschiedenen Sparten die besten Quoten hat - da läge RTL wohl in allen Sparten vorne. Aber vielleicht hat ja jeder Sender am Nachmittag Genres, die gemessen am eigenen Senderschnitt besonders gut funktionieren, weil sie der Zuschauer einfach erwartet.

Der Vergleich der Sendungen von Sat.1 und RTL in ersten drei Tagen der Woche zeigt eines zum Glück ganz deutlich: Mit neuen gestellten Dokusoaps braucht man es gar nicht versuchen. Wer die sehen will - klingt komisch, ist aber so - der schaltet RTL ein. Auch neue Soaps werden nicht weiterhelfen, hier hat RTL ebenfalls mehr Kompetenz aufzuweisen. Bei Magazinen hat Sat.1 dagegen die Nase vorn: «Das Sat.1-Magazin» schlägt sich besser als «Explosiv» und «Exclusiv» auf RTL. Zu dumm allerdings, dass das Genre auf beiden Sendern unter dem Schnitt läuft.

Den höchsten Wert haben bei Sat.1 immer noch Gerichtsshows aufzuweisen. «Richterin Barbara Salesch» und «Richter Alexander Hold» lagen an den ersten drei Tagen der Woche bei 122 Prozent der Senderdurchschnitts. Die Crime-Dokus «K11» und «Niedrig und Kuhnt» nur bei 98 Prozent. Natürlich werde ich nun nicht empfehlen, weitere Gerichtsshows auf den Markt zu werfen - man möchte ja nicht zum Mittäter im Verbrechen gegen die Zuschauer werden.

Vielleicht sollte man es stattdessen mit diesem schier unglaublichen Ansatz versuchen: Wie wäre es, am Nachmittag ein innovatives Genre auszuprobieren, das nicht schon im eigenen und dem Programm der Konkurrenz seit Jahren abgespult wird? Am Sonntag ist der richtige Weg schon eingeschlagen. Dort premiert an diesem Wochenende nämlich «... ins Grüne!», das Magazin, mit dem Sat.1 die sensationellen Erfolge Land- und Lebenslust- Printmagazine der letzten Jahre ins Fernsehen übertragen will. Oder wie Sat.1 es ganz innovativ nennt: Countrytainment.

Oft steckt mehr hinter den Zahlen des TV-Geschäfts als man auf den ersten Blick sieht. Oder weniger. Statistisch gesehen nimmt sie unter die Lupe.

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