Wochenquotencheck

Hatte das KI-Experiment Auswirkungen auf die Wetzel-Quoten?

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Laut RTL wurden durch Bildbearbeitung, Sprachsynthese und Lipsync-Anpassungen neue Storys hergestellt. Ob dies zum Gros der Zuschauer durchgedrungen ist, darf ob fehlender Kennzeichnung bezweifelt werden.

RTL Deutschland und Constantin Entertainment führten bei ihrer Courtshow einen umstrittenen KI-Testlauf durch. In der vergangenen Woche ab dem 7. September zeigte der Sender jeweils um 15.55 Uhr fünf Folgen von «Ulrich Wetzel – Das Strafgericht», die auf bereits produzierten Episoden basierten. Laut Senderangaben wurden Mithilfe von Bildbearbeitung, Sprachsynthese und Lipsync-Anpassungen daraus neue Geschichten hergestellt. Dabei gehe es laut RTL-Aussagen nicht nur um technische Korrekturen oder zusätzliche Effekte. Figuren, Verwandtschaftsverhältnisse, Handlungsverläufe und Urteile wurden nachträglich verändert. Doch mal ungeachtet inhaltlicher und handwerklicher Diskussionspunkte: Hatte dieses Vorgehen denn Auswirkungen auf die Einschaltquoten?

Zumindest am Montag mit der ersten KI-Folge zeigte sich für «Ulrich Wetzel – das Strafgericht» ein für RTL überdurchschnittliches Resultat. Sie holte immerhin beim Gesamtpublikum einen zweistelligen Marktanteil von 11,9 Prozent bei 0,90 Millionen Einschaltenden. Das lag klar über dem geschwächten Gesamt-Schnitt von RTL, aber nicht über der immer mal wieder erreichten Millionen-Marke (die inzwischen aber auch deutlich seltener geworden ist). Übergeordnet zeigte sich ein massives Gefälle in Relation zu den Jüngeren, die nur zu blassen 7,5 Prozent bzw. 0,06 Millionen dabei sein wollten.

Auch als am Dienstag die zweite KI-Ausgabe platziert wurde, hielten sich die Zahlen am Gesamtmarkt mit ordentlichen 10,1 Prozent in der Zweistelligkeit - die Gesamtreichweite ließ jedoch merklich nach auf 0,70 Millionen. Bei den 14-49-Jährigen bildeten sich ebenfalls nachgelassene 6,9 Prozent und 0,05 Millionen ab, die in diesem Alterssegment absolut keinen Blumentopf gewannen.

Zur Wochenmitte zeigte sich wieder eine moderate Steigerung: Mit Blick auf die Gesamt-Reichweite ging es wieder stärker gen Millionenhürde, ohne sie allerdings zu erreichen – 0,86 Millionen wurden gemessen, die zu einem vernünftigen Anteil von 10,6 Prozent führten. In der jüngeren Gruppe dümpelte man fortlaufend in einem tristen Bereich rum: 6,1 Prozent durch 0,06 Millionen Menschen ließen sich bloß erheben.

Weitgehende Beständigkeit insgesamt dann am Donnerstag: 10,9 Prozent standen noch auf der Uhr, die aus kaum veränderten 0,81 Millionen resultierten. Eine Abwärtstendenz schlug bei den Werberelevanten aber viel heftiger durch, denn hier ergaben sich bloß noch richtig schlechte 3,4 Prozent bei 0,03 Millionen.

Nahezu eine Reproduktion der Gesamtleistung brachte schließlich der Freitag zum Wochenabschluss hervor – konkret äußerst konstante 0,83 Millionen und 10,8 Prozent waren beobachtbar. Zumindest eine gewisse Erholung vom Vortags-Einbruch setzte es in der jüngeren Kategorie ob 6,9 Prozent anhand 0,07 Millionen, die aber natürlich weiterhin keinen wirklichen Erfolg brachten in diesem Segment. Eines ist also glasklar und auch längst bekannt: Der ganz große Teil des Wetzel-Publikums ist über 50 Jahre alt - daran änderte auch die Verwendung künstlicher Intelligenz nichts.

Wie lassen sich nun diese vorläufig gewichteten linearen Daten im Kontext des KI-Experiments übergeordnet bewerten? Schaut man auf das Wochen-interne Ranking, so ergab sich tatsächlich mit der allerersten neu zusammengebauten Folge das höchste Einschaltverhalten der fünf Test-Tage. Zu bemerken ist allerdings, dass die 0,90 Millionen durchaus im üblichen Rahmen der letzten Wochen und Monate zu suchen waren, in denen sich das Gerichts-Format zwischen 0,70 und 1,00 Millionen bewegte.

Selbst wenn zu Beginn vielleicht ein paar Neugierige dabei gewesen sein mögen, die sehen wollten, was mit der KI-Bearbeitung angestellt wurde, hielt sich diese Neugier in einem sehr limitierten Rahmen - das zeigt auch der weitere Wochenverlauf auf völlig regulärem Quoten-Level. Aber auch das ist nicht unerheblich, schließlich zeichneten sich entgegengesetzt auch keine negativen Auswirkungen auf das Einschaltverhalten ab - etwas, das wahrscheinlich dem Ziel von RTL entspricht (Kosteneffizienz bei gleichbleibender Quote).

Ohnehin stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob und inwieweit der KI-Sachverhalt zum Gros der Otto-Normal-Konsumenten überhaupt durchgedrungen ist - aus einer wirklich transparenten Kennzeichnung ersichtlich geworden ist das Vorgehen nämlich nicht. Ob die Diskussion also über die Medienbeobachter-Bubble hinausgegangen ist, darf bislang bezweifelt werden. Dass genau dies durchaus zu problematisieren ist, steht jedoch auf einem anderen Blatt - und nicht auf einem Prompt...

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