Der Grund ist Lizenzrecht. Filmrechte, Serienrechte und vor allem Sportrechte werden territorial verkauft, meist pro Land und pro Verwertungsfenster. Ein Sender, der Inhalte weltweit ausspielt, verletzt die Verträge mit den Rechteinhabern. Geoblocking ist die technische Antwort darauf, und sie trifft alle deutschen Anbieter, von RTL+ über Joyn bis zu den Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen.
Was die EU-Portabilitätsverordnung leistet
Seit 2018 gilt in der Europäischen Union die Portabilitätsverordnung. Sie verpflichtet Anbieter kostenpflichtiger Online-Dienste, ihren Kunden den Zugriff auch bei vorübergehendem Aufenthalt in einem anderen Mitgliedstaat zu ermöglichen. Für RTL+ gilt damit, dass ein bezahltes Abo in den Stufen Basic, Premium oder Premium Werbefrei auch im EU-Ausland weiterläuft.
Drei Einschränkungen sind wichtig.
1. Erstens greift die Verordnung nur bei bezahlten Abos. Das kostenlose Free-Paket bleibt außen vor.
2. Zweitens zählt der Begriff "vorübergehend". Wer dauerhaft umzieht, verliert den Zugriff nach einer Übergangsfrist von rund 30 Tagen, weil die Anbieter den Wohnsitz regelmäßig prüfen.
3. Drittens, und das überrascht die meisten Nutzer, sind die Livestreams ausgenommen. Die linearen Kanäle von RTL, VOX, RTLZWEI, n-tv und Super RTL laufen ausschließlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sportübertragungen ebenso. Innerhalb der EU bleibt also die Mediathek, das laufende Programm bleibt gesperrt.
Wo die deutschsprachigen Zuschauer tatsächlich sitzen
Rund 1,2 Millionen Deutsche leben nach Schätzungen in Europa. Die größten Gruppen sitzen in der Schweiz mit etwa 329.900 Personen und in Österreich mit gut 239.500, jeweils Stand Anfang 2025. Beide Länder gehören zum Verbreitungsgebiet der RTL-Livestreams, dort funktioniert das Abo also vollständig.
Ab dem drittgrößten Zielland wird es dünner. In Spanien lebten Anfang 2025 gut 131.800 Deutsche, dazu kommen Millionen Urlauber pro Jahr. Für diese Gruppe endet der Zugriff bei der Mediathek, und beim Free-Paket endet er ganz.
Die praktischen Wege im Überblick
Der Blick auf die technischen Optionen lohnt sich, weil die Lage je nach Zielland und Abo-Modell stark schwankt. Wer wissen möchte, welche Inhalte in welchem Land verfügbar bleiben und wie sich RTL aus dem Ausland schauen lässt, sollte bei Cybernews und der fortlaufend aktualisierten Übersicht vorbeischauen.
Vier Wege stehen in der Praxis zur Verfügung.
• Das bezahlte RTL+ Abo deckt innerhalb der EU die Mediathek ab. Ein Upgrade vom Free-Paket auf Basic für 5,99 Euro im Monat reicht dafür aus, Premium kostet seit Januar 2026 9,99 Euro, die werbefreie Variante 12,99 Euro.
• Die Download-Funktion der RTL+ App speichert viele Titel für die Offline-Nutzung. Das funktioniert gut für Serien und Shows und gar nicht für Livestreams, was die Vorbereitung vor der Abreise zur wichtigsten Maßnahme macht.
• Der Satellit bleibt für Langzeitaufenthalte in Europa eine Option. ARD und ZDF senden über Astra 19,2 Grad Ost unverschlüsselt, RTL und die Schwestersender laufen verschlüsselt über HD+. Je weiter südlich der Empfangsort liegt, desto größer muss die Schüssel ausfallen.
• Technisch lässt sich die Ländersperre über einen VPN-Dienst umgehen, der den Zugriff über einen deutschen Server leitet. Erlaubt ist die Software selbst. Das gezielte Aushebeln der Sperre bleibt juristisch umstritten und widerspricht den Vertragsbedingungen der Sender. Wer diesen Weg wählt, sollte das wissen.
Von kostenlosen Stream-Portalen zweifelhafter Herkunft ist abzuraten. Sie arbeiten ohne Lizenzen, finanzieren sich über aufdringliche Werbenetzwerke und fallen regelmäßig als Verteiler von Schadprogrammen auf.
Öffentlich-Rechtliche als Teillösung
ARD und ZDF sperren große Teile ihrer Mediatheken ebenfalls, vor allem eingekaufte Ware und Koproduktionen. Eigenproduzierte Nachrichten und Magazine bleiben häufig abrufbar, die Rechtelage unterscheidet sich von Sendung zu Sendung. Die Deutsche Welle sendet als Auslandsprogramm ohne Sperre weltweit, deckt allerdings nur Nachrichten und Dokumentationen ab und ersetzt kein Unterhaltungsprogramm.
Was das für die Sender bedeutet
Aus Branchensicht ist die Auslandssperre ein bemerkenswerter Widerspruch. Die RTL Group will die Zahl der Streaming-Abonnenten in den kommenden fünf Jahren auf zehn Millionen steigern. Gleichzeitig bleibt eine Zielgruppe von über einer Million deutschsprachiger Menschen allein in Europa technisch ausgesperrt, sobald sie das Livebild sehen möchte.
Auflösen lässt sich das nur über die Rechteseite. Solange Sportverbände und Studios ihre Lizenzen nach Territorien vergeben und dafür entsprechend abkassieren, wird kein deutscher Sender freiwillig europaweit ausstrahlen. Die Portabilitätsverordnung hat den Rahmen gelockert, an der Grundlogik des Lizenzmarktes hat sie nichts geändert.
Vor der Abreise abhaken
Prüfen Sie, ob Ihr RTL+ Konto ein bezahltes Abo ist, weil das Free-Paket im Ausland nicht funktioniert. Laden Sie die Folgen herunter, die Sie unterwegs sehen möchten. Klären Sie bei einem Umzug, wie lange der Zugriff nach dem Wegzug bestehen bleibt. Rechnen Sie außerdem damit, dass Livesport auch mit gültigem Abo gesperrt bleibt, sobald Sie Deutschland, Österreich oder die Schweiz verlassen.





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