Filme des Grauens

«Irgendwie schwanger»

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Amy Schumer wollte mit «Irgendwie schwanger» an ihre größten Komödienerfolge anknüpfen. Stattdessen entstand ein Film, den Kritiker verrissen, den Netflix-Zuschauer aber millionenfach anklickten.

Die Karriere von Amy Schumer verlief lange Zeit wie aus dem Bilderbuch. Mit ihrer Sketchshow «Inside Amy Schumer», dem Kinohit «Dating Queen» und zahlreichen Stand-up-Programmen galt sie als eine der wichtigsten Komikerinnen ihrer Generation. Doch in den vergangenen Jahren wurde es zunehmend schwieriger, an frühere Erfolge anzuknüpfen. Mit «Irgendwie schwanger» («Kinda Pregnant») versuchte Schumer Anfang 2025 einen Neustart im vertrauten Terrain der romantischen Komödie. Heraus kam ein Film, der zwar bei Netflix enorme Zuschauerzahlen erreichte, bei Kritikern aber fast durchgehend durchfiel.

Die Handlung klingt bereits wie eine Idee aus einer Sitcom-Skizze. Die 40-jährige Lehrerin Lainy ist frustriert, weil ihre beste Freundin schwanger wird, eine jüngere Kollegin ebenfalls Nachwuchs erwartet und ihr eigener Freund statt eines Heiratsantrags einen Dreier vorschlägt. Aus Neid zieht sie sich in einem Umstandsmodegeschäft einen künstlichen Schwangerschaftsbauch an und genießt plötzlich die Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme ihrer Mitmenschen. Aus einer spontanen Lüge entwickelt sich eine immer absurdere Täuschung, die schließlich ihr gesamtes Umfeld erfasst. Die Geschichte erinnert dabei an die Hochphase der US-Komödien der 2000er-Jahre, in denen aus einer kleinen Notlüge immer größere Katastrophen entstehen.

Dass Netflix den Film produzierte, überrascht nicht. Regie führte Tyler Spindel, der bereits mehrfach für Adam Sandlers Produktionsfirma Happy Madison gearbeitet hatte. Sandler selbst fungierte als Produzent. Die Verbindung zu Happy Madison prägt den Film deutlich: Grobe Gags, peinliche Situationen und eine Handlung, die sich kaum um Glaubwürdigkeit schert, stehen im Mittelpunkt. Während solche Zutaten früher bei Filmen wie «Big Daddy», «50 erste Dates» oder «Kindsköpfe» funktionierten, wirken sie hier oft wie Relikte einer vergangenen Kinoepoche.

Besonders problematisch ist die Grundidee. Dass eine Frau aus Eifersucht eine Schwangerschaft vortäuscht, um Aufmerksamkeit zu bekommen, mag als Ausgangspunkt für eine Satire gedacht gewesen sein. Viele Kritiker empfanden die Geschichte jedoch als unangenehm und teilweise geschmacklos. Rotten Tomatoes verzeichnet lediglich 27 Prozent positive Kritiken, bei Metacritic kam der Film auf schwache 38 von 100 Punkten. Immer wieder wurde bemängelt, dass die Komödie nicht wisse, ob sie nun Schwangerschaft, gesellschaftliche Erwartungen oder die Unsicherheiten ihrer Hauptfigur kommentieren wolle. Stattdessen verliere sie sich in Klischees und vorhersehbaren Situationen.

Dennoch wäre es zu einfach, den Film allein als Misserfolg abzutun. Denn während die Feuilletons die Produktion verrissen, schalteten die Netflix-Abonnenten massenhaft ein. In den ersten fünf Tagen wurde «Irgendwie schwanger» über 25 Millionen Mal angesehen und führte die Netflix-Charts an. Das verdeutlicht einmal mehr den Unterschied zwischen klassischem Kino und Streaming. Ein Film, der im Kino vermutlich schon nach wenigen Tagen verschwunden wäre, kann auf einer Plattform enorme Reichweiten erzielen, weil die Einstiegshürde praktisch nicht existiert. Wer ohnehin ein Netflix-Abo besitzt, probiert einen 98-minütigen Film eher aus als jemand, der dafür eine Kinokarte kaufen müsste.

Interessant ist auch der Blick auf die Beteiligten. Amy Schumer schrieb gemeinsam mit Julie Paiva am Drehbuch und produzierte den Film selbst. Damit trägt sie einen erheblichen Teil der kreativen Verantwortung. Ihre Karriere befindet sich inzwischen an einem anderen Punkt als noch vor zehn Jahren. Während sie damals als frische Stimme der amerikanischen Comedy galt, wird sie heute deutlich kritischer betrachtet. Viele ihrer jüngeren Projekte erreichten weder die kulturelle Bedeutung noch die Popularität ihrer frühen Arbeiten.

Will Forte, der den sympathischen Josh spielt, zählt dagegen weiterhin zu den zuverlässigsten Nebendarstellern Hollywoods. Der ehemalige «Saturday Night Live»-Star überzeugte unter anderem mit der Kultserie «The Last Man on Earth» und zahlreichen Synchronrollen. Jillian Bell, die Lainys beste Freundin verkörpert, hatte sich zuvor mit Filmen wie «21 Jump Street» und «Brittany Runs a Marathon» einen Namen gemacht. Brianne Howey wiederum dürfte vielen Zuschauern vor allem durch die Netflix-Serie «Ginny & Georgia» bekannt sein, die deutlich erfolgreicher und beliebter ausfiel als dieser Film.

Regisseur Tyler Spindel bleibt unterdessen vor allem als Hausregisseur des Sandler-Universums bekannt. Seine Filme erzielen regelmäßig hohe Abrufzahlen bei Netflix, werden von Kritikern jedoch oft ignoriert oder verrissen. «Irgendwie schwanger» reiht sich nahtlos in diese Tradition ein.

Für die Reihe „Filme des Grauens“ ist «Irgendwie schwanger» ein interessanter Grenzfall. Anders als viele klassische Totalausfälle ist der Film weder technisch misslungen noch vollkommen unansehbar. Er funktioniert sogar stellenweise als harmlose Streaming-Unterhaltung. Das eigentliche Problem liegt darin, dass die zentrale Idee bereits nach wenigen Minuten auserzählt wirkt und der Film daraus fast hundert Minuten Laufzeit gewinnen muss. Wo frühere Amy-Schumer-Projekte zumindest bissige Gesellschaftsbeobachtungen boten, bleibt hier vor allem Fremdscham zurück.

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