Serientäter

«Sweet Magnolias»: Vertrautheit bleibt die größte Stärke

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Wie kann eine Serie, die in einem Ort namens Serenity spielt, fünf Staffeln tragen? Das Ergebnis mag überraschen...

Drei Frauen sitzen zusammen, trinken Margaritas und reden über das Leben. Wer «Sweet Magnolias» kennt, weiß: In dieser Serie ist das keine Nebensache, sondern gewissermaßen das Gravitationszentrum des gesamten Universums. Seit mittlerweile fünf Staffeln kehrt die Netflix-Serie immer wieder zu diesem Bild zurück – und die erstaunliche Erkenntnis lautet, dass es noch immer funktioniert. Nicht mehr ganz so mühelos wie in ihren besten Jahren, aber doch mit einer Beharrlichkeit, die man respektieren muss.

Die fünfte Staffel von «Sweet Magnolias» steht vor einer besonderen Herausforderung. Nach vier Jahren voller Hochzeiten, Trennungen, Familienkrisen, beruflicher Umbrüche und zahlloser Gespräche auf Veranden und Sofas stellt sich zwangsläufig die Frage, wie eine Serie so lange von denselben Figuren und Konflikten leben kann. Die Antwort dieser Staffel lautet: indem sie vorsichtig Veränderungen zulässt, ohne ihre eigene Identität aufzugeben. Das ist zugleich ihre größte Stärke und ihre größte Begrenzung.

Im Mittelpunkt stehen weiterhin Maddie, Dana Sue und Helen, gespielt von JoAnna Garcia Swisher, Brooke Elliott und Heather Headley. Die Serie versteht längst, dass diese Freundschaft ihr wertvollstes Kapital ist. Während viele Langzeitserien versuchen, ihre Figuren durch immer größere Dramen interessant zu halten, bleibt «Sweet Magnolias» bemerkenswert überzeugt davon, dass Gespräche, Loyalität und gegenseitige Unterstützung ebenfalls eine Geschichte tragen können.

Gerade deshalb wirkt die fünfte Staffel frischer, als man vielleicht erwarten würde. Maddies Ausflug nach New York eröffnet neue Perspektiven und bringt zumindest vorübergehend Bewegung in eine Serie, die sich zuletzt manchmal etwas zu sehr in den vertrauten Straßen von Serenity eingerichtet hatte. Die Entscheidung, einen Teil der Handlung außerhalb des gewohnten Umfelds spielen zu lassen, erweist sich als kluger Impuls, denn sie zwingt die Figuren dazu, ihre Beziehungen neu zu definieren und stellt die Frage, ob Freundschaft auch dann Bestand hat, wenn sich Lebenswege verändern.

Besonders gelungen ist dabei, dass die Serie ihre Grundstimmung nicht verliert: «Sweet Magnolias» war nie ein Format für Zyniker. Wer auf scharfkantige Gesellschaftsanalysen oder radikale Überraschungen hofft, ist hier seit Staffel eins falsch. Die Serie glaubt an Gemeinschaft, zweite Chancen und die Möglichkeit persönlicher Entwicklung. Das kann gelegentlich naiv wirken, besitzt aber auch eine angenehme Konsequenz. In einer Fernsehlandschaft, die oft von Düsternis und moralischer Ambivalenz geprägt ist, bleibt Serenity ein Ort, an dem Menschen tatsächlich versuchen, einander zu helfen.

Die fünfte Staffel profitiert zudem davon, dass sie ihre Figuren inzwischen sehr gut kennt. Allerdings bleiben zugleich einige alte dramaturgische Schwächen bestehen. Die Serie neigt weiterhin dazu, Konflikte sehr behutsam zu behandeln. Selbst wenn Figuren streiten, hat man selten das Gefühl, dass wirklich etwas auf dem Spiel steht. Viele Probleme werden mit bemerkenswerter Höflichkeit gelöst. Das ist sympathisch, nimmt der Serie aber manchmal auch erzählerische Schärfe.

Überhaupt zeigt sich in Staffel fünf gelegentlich die typische Schwierigkeit langlebiger Ensemble-Serien: Nicht jede Nebenhandlung besitzt dasselbe Gewicht. Manche Erzählstränge wirken eher wie Beschäftigungstherapie für Figuren, die weiterhin Teil der Serie sein sollen. Dennoch gelingt «Sweet Magnolias» etwas, das man nicht unterschätzen sollte. Die Serie erzeugt nach wie vor das Gefühl, Zeit mit Menschen zu verbringen, die einem vertraut geworden sind. Das mag banal klingen, ist aber eine seltene Qualität. Viele Serien leben von Spannung, andere von Überraschungen. «Sweet Magnolias» lebt vor allem von dieser Vertrautheit. Man kehrt nicht zurück, um schockiert zu werden. Man kehrt zurück, weil man ernsthaft wissen möchte, wie es diesen Menschen geht.

Die 5. Staffel von «Sweet Magnolias» ist im Streaming bei Netflix zu sehen.

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