Stab
Darsteller: Jane Seymour, Rohan Nedd, Kevin J. Ryan, John Cronin, Raymond Keane, Rory NolanSchnitt: Jamie Turpin
Musik: Ray Harman
Kamera: Ciaran Kavanagh
Drehbuch: David Logan
Regie: Robert Quinn
Inhaltlich wählt die Episode einen vergleichsweise großen Ansatz: eine Mordserie, die sich über 16 Monate erstreckt, sieben Tote, eine symbolische Spur in Form einer Münze im Mund der Opfer – das klingt zunächst nach einem ernsteren, vielleicht sogar mythologisch aufgeladenen Stoff. Dass Harry Wild (Jane Seymour) die Verbindung zu Charon, dem Fährmann der Toten aus der griechischen Mythologie, erkennt, passt gut zur Figur der ehemaligen Literaturprofessorin, die ihre Bildung gerne als kriminalistische Ressource einsetzt. Diese Idee ist nicht neu, funktioniert aber weiterhin als Markenzeichen der Serie: bildungsbürgerliches Wissen als detektivisches Werkzeug, präsentiert ohne akademische Schwere.
Der dramaturgische Kniff, Harry erstmals nicht gegen, sondern auf ausdrückliche Bitte ihres Sohnes Charlie hin ermitteln zu lassen, sorgt für eine kleine Verschiebung der gewohnten Dynamik. Kevin J. Ryan darf seinen Polizisten weniger als genervten Aufpasser, sondern nun als überforderten Ermittler zeigen. Das bringt der Mutter-Sohn-Beziehung etwas neue Farbe, ohne sie grundlegend zu verändern. Jane Seymour bleibt dabei klarer Mittelpunkt der Episode. Sie spielt Harry Wild mit der ihr eigenen Mischung aus Gelassenheit, Ironie und einem leisen Hang zur Selbstüberschätzung. Überraschungen bietet das nicht, aber Verlässlichkeit ist hier durchaus als Qualität zu verstehen.
Der Fall selbst entwickelt sich geradlinig. Die frühzeitige Einführung von Taxifahrer Barry McGeeney als Verdächtigem folgt klassischen Krimimustern, ebenso seine genauso schnelle Entlastung. Dass Harry ihm dennoch misstraut, hält die Handlung in Bewegung, auch wenn die Wendungen nicht sonderlich überraschend ausfallen. Das Drehbuch von David Logan setzt weniger auf komplexe Verstrickungen als auf klare Hinweise und gut platzierte Dialoge. Wer auf raffinierte Täuschungsmanöver hofft, wird eher mäßig bedient. Wer hingegen die ruhige Erzählweise schätzt, dürfte sich abgeholt fühlen.
Inszenatorisch bleibt Regisseur Robert Quinn indes auf sicherem Terrain. Die Kameraarbeit von Ciaran Kavanagh fängt Dublin und die weiteren irischen Schauplätze funktional und atmosphärisch ein, ohne sich in auffälligen Bildern zu verlieren. Der Schnitt von Jamie Turpin hält das Tempo gleichmäßig, gelegentlich fast zu gleichmäßig, sodass Spannung eher aus der Situation als aus der formalen Gestaltung entsteht. Als Gemeinschaftsproduktion mit internationalem Hintergrund wirkt diese Auftaktfolge einmal mehr handwerklich solide und routiniert. Man spürt, dass «Harry Wild» längst ein etabliertes Format ist, das seine Zielgruppe kennt und nicht mehr allzu viel riskieren muss. Genau darin liegt aber auch die überbordende Zurückhaltung begründet: „Bei Münzwurf Tod“ wagt wenig Neues, sondern setzt auf Bewährtes. Der Staffelauftakt erfüllt damit seine Funktion, Figuren und Konflikte erneut in Stellung zu bringen, ohne große Akzente zu setzen – mehr aber leider auch nicht.
Die vierte Staffel von «Harry Wild» wird sonntags ab dem 18. Januar um 22.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.







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