Luc Besson greift in seinem Spionagethriller «Anna» ein weiteres Mal auf das Motiv einer resoluten Kämpferin zurück, hier in Form der bildschönen Schauspieldebütantin Sasha Luss.
In den ersten 40 Minuten springt die Handlung von «Anna» so oft hin und her, dass Luc Besson dieses erzählerische Stilmittel regelrecht der Lächerlichkeit preisgibt. „Zwei Jahre zuvor“, „Fünf Monate später“, „Drei Jahre vorher“ und so weiter und so fort – dem Leinwandgeschehen irgendwann nicht mehr folgen zu können, ist hier kein Eingeständnis von fehlender Aufmerksamkeit, sondern eine Folge der fehlenden Koordination. Dabei macht es im weiteren Verlauf des Films eigentlich an mehreren Stellen Sinn, dass man einige Geschehnisse erst im Nachhinein anderer Ereignisse entlarvt; schließlich weiß im Spionagebusiness selten eine Hand was die andere tut und im Hintergrund werden Pläne geschmiedet, deren Funktionalität sich erst infolge anderer Pläne ergibt. In der ersten Hälfte von «Anna» ist dieses Spiel mit vermeintlichen Wissenslücken allerdings noch überhaupt nicht zielführend – und die Gründe für die vielen Zeitsprünge sind alles andere als ersichtlich.
Nach der konfus konstruierten ersten Dreiviertelstunde lässt es das von Luc Besson selbst geschriebene Skript deutlich gemächlicher angehen. Die Verstrickungen der Agentin Anna in allerlei Aufträge für den KGB setzt der Regisseur gewohnt stylisch in Szene; und über dieses Element hebt er «Anna» zumindest zeitweise über den Durchschnitt hinaus. Wie die resolute Schönheit hier im Alleingang eine ganze Restaurantgesellschaft ausschaltet (die Szene ist sehr ausführlich im Trailer zu sehen), ist nur ein Beispiel dafür, dass Besson sein Handwerk noch immer versteht. Und auch Sasha Luss macht eine äußerst ansprechende Figur als knallharte Kämpferin. Gleichzeitig stehen derartigen (Action-)Szenen aber auch Momente der Komik gegenüber, die sich im Umfeld des Spionageplots wie Fremdkörper anfühlen. Wann immer wir Anna als Model erleben, erinnert der Film plötzlich an Modesatiren wie Nicolas Winding Refns «The Neon Demon» – etwa, wenn die Hauptfigur in einer Szene ihren schmierigen Fotografen vorführt oder man ziemlich zu Beginn hinter die Kulissen einer Model-WG blicken darf.
Die stets in edelste Stöffchen gehüllte Sasha Luss zeigt sich in den Actionszenen tough, wirkt als Schauspielerin allerdings noch sehr unsicher – und das über die Charakterzeichnung ihrer ins kalte Wasser geworfenen Agentin hinaus. Die starre Mimik des ehemaligen Models lässt einen nur selten überhaupt Gefühlsregungen im Gesicht der 27-Jährigen erkennen; der Rest des Ensembles hat unter den eindimensional geschriebenen Stereotypen zu leiden, die jeder Einzelne von ihnen verkörpert. Helen Mirren («Die Frau in Gold») hat in der Vergangenheit bewiesen, dass ihr die Darstellung von Nebenfiguren in Blockbuster-Spektakeln à la «Fast & Furious 8» Spaß macht. Hier hingegen wirkt ihre Performance der mit breitem russischen Akzent ausgestatteten KGB-Agentin wie heruntergerattertes Business as usual. Cillian Murphy («Dunkirk») und Luke Evans («Ma») spielen ebenfalls gerade so routiniert, aber ohne jeden Anflug von Passion, wie es das Skript verlangt. Einziger Lichtblick: Lera Abova gibt hier ihr Schauspieldebüt als Annas Love Interest Maud. Und wenn diese in einer Szene vom CIA verhört und bedroht wird, dann steht ihr die Angst um sich und ihre große Liebe genauso glaubhaft ins Gesicht geschrieben, wie ihre Freude über die neue Wohnung, die sie ab sofort mit Anna teilen wird. 

• Léon – Der Profi • Lucy • Valerian • Anna • Léon • Nikita • Das fünfte Element • Red Sparrow • The Neon Demon • Die Frau in Gold • Fast & Furious 8 • Dunkirk • Ma
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Es gibt 5 Kommentare zum Artikel
18.07.2019 18:05 Uhr 3
18.07.2019 18:30 Uhr 4
18.07.2019 19:17 Uhr 5
Letzter Status, die Firma gehört ihm nicht mehr im bisherigen Umfang: