Schwerpunkt

Wird das lineare Fernsehen irrelevant?

von   |  28 Kommentare

Quotenmeter.de Jahresrückblick 2017 - Teil 4: Alle sprechen davon: Aber war 2017 wirklich ein Jahr, das den großen Durchbruch für Fernsehen On Demand mit sich brachte?

In der Generation Smartphone spielt sich das Leben überwiegend online ab, so auch der Fernsehkonsum. Neben das klassische lineare Fernsehen treten allerhand Alternativen, die es den Menschen ermöglichen ihre Lieblingsformate über die unterschiedlichsten Kanäle anzuschauen. Während die Sendergruppen ihre Inhalte in eigenen Mediatheken zur Verfügung stellen, erfreuen sich auch Fernsehdienste wie waipu.tv größter Beliebtheit. Mit dem Versprechen „Fernsehen, wie sie es möchten“, werden die Kunden angelockt und können dann entscheiden, ob sie die Inhalte über TV oder Smartphone konsumieren. Zu einem monatlichen Festpreis erhalten Nutzer dann Zugriff auf das reguläre TV-Programm, können Sendungen dabei jedoch auch aufnehmen und pausieren. Auch Amazon Prime bietet mit seinem Fire-Stick eine Alternative zum klassischen Fernsehen, die es ermöglicht bevorzugte Programme komplett über das Internet zu streamen. Der Stick bietet neben dem Zugriff auf die Mediatheken der TV-Sender zusätzlich auch über 5.000 Apps. Drei Viertel der deutschen Internetnutzer ab 14 Jahren verwenden laut Bitkom mittlerweile Alternativen zum linearen Fernsehen und schauen Filme und TV-Sendungen bevorzugt als Stream im Internet. 74 Prozent davon nutzen die Mediatheken der TV-Sender, rund die Hälfte verfolgt das klassische TV-Programm live im Internet über diverse Anbieter.

Zur größten Konkurrenz des linearen Fernsehens wurden in den vergangenen Monaten Streaminganbieter wie Netflix, Amazon Prime oder Maxdome, die den Sendern ihre Marktanteile streitig machen. Laut einer aktuellen Studie von Bitkom nutzen drei von zehn deutschen Internetnutzern ab 14 Jahren kostenpflichtige Video-On-Demand-Portale, womit ein Anstieg von 25 auf 29 Prozent verzeichnet werden konnte. 35 Prozent der Befragten gaben an sogar komplett auf das lineare Fernsehen zu verzichten und auf Video-Streaming umgestiegen zu sein. Ein Hinweis für Experten, dass das lineare Fernsehen zunehmend an Relevanz verliert und vor allem junge Menschen vermehrt auf Online-Angebote zurückgreifen. Denn diese bieten nicht nur einen großen Katalog an Filmen und Serien, sondern auch den Vorteil Inhalte zu jeder Zeit und an jedem Ort genießen zu können.

Aber auch der Faktor Sicherheit spielt eine große Rolle, denn die Zuschauer müssen nicht darum bangen, ob ihre Lieblingsserie überhaupt bis zum Ende im TV ausgestrahlt oder ins Nachtprogramm verlegt wird. Schon heute sind die ersten Auswirkungen in Form von abnehmenden Quoten von US-Serien im deutschen Fernsehen spürbar. 2016 / 2017 gingen einige amerikanische Erfolgsformate (zum Beispiel: «This Is Us», «Empire», «How to get Away with Murder» oder «Quantico») baden und stoßen im linearen Fernsehen auf wenig Resonanz. Selbst Quotengaranten wie «Outlander», «The Walking Dead» oder «Game of Thrones» bekamen die Auswirkungen des zunehmenden Video-Streamings im Free-TV zu spüren.

Wie die TV-Sender diesem Trend den Kampf ansagen bleibt abzuwarten, doch 2017 zeichnete sich deutlich der Trend zu mehr Eigenproduktionen ab. Nicht nur Sky stieg in das Seriengeschäft ein, sondern auch 13th Street wagte mit «Culpa» einen ersten Versuch, während VOX erfolgreich einen Nachfolger für «Club der roten Bänder» fand und RTL eine Sitcom und Drama Offensive startete. Das Ziel: Unabhängigkeit vom internationalen Serienmarkt.

Und morgen? Da befassen wir uns mit dem Polit-Jahr 2017

Bisher in dieser Reihe schon erschienen:
Joko und Klaas: Gescheiterte Raab-Nachfolger?
Der erste Shitstorm für Netflix
Alles neu in der Bundesliga seit Sommer

Kurz-URL: qmde.de/97747
Finde ich...
super
schade
Teile ich auf...
Kontakt
vorheriger ArtikelDie 10 besten Filme 2017nächster ArtikelCarmen Nebel stoppt Abwärtstrend bei den Älteren, «Die Feuerzangenbowle» ist erfolgreicher
Es gibt 28 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
24.12.2017 15:22 Uhr 1
Das mit den neuen, deutschen Serien beispielsweise bei RTL, wird fast überall, auf vielen Foren fast nur beschmunzelt, da viele User auf solche Comedy Serien einfach null Bock haben, egal, in welcher Generation...und, ich bin weiterhin der Meinung, das das lineare TV nicht komplett verschwinden wird, jedenfalls nicht sofort! Es mag ja sein, das die ganz junge Generation - ich sehe das auch bei meinem 17jährigen Neffen, der fast nur "zockt" im Internet, und bei meiner 19jährigen Nichte, die nur Serien im Internet sieht, und, die beiden haben schon seit 2 Jahren ca null Bock mehr auf die Glotze....bei dieser Generation kann ich das noch verstehen, aber, bei den älteren, so ab den Ende 20jährigen kann ich mir das nicht so vorstellen!



Ist ja bei mir auch so: ich sehe VoD als Zusatz an....gucke das linerare weiterhin genauso viel, wie immer....bei mir beträgt der Anteil am Sehen bei den VoD Diensten nicht mal 10%, wenn nicht, sogar weniger.
Kunstbanause
24.12.2017 23:31 Uhr 2
Ja, wird es, zumindest für uns. Wir empfangen linear nur noch via Internet mit der Zattoo App und haben da ja 30 Stunden in der Free-Version pro Monat. Davon verbrauchen wir selten mehr als 5 Stunden.
Mr. Cutty
25.12.2017 01:16 Uhr 3
Frage: Wird das lineare Fernsehen irrelevant?



Antwort: Nein, noch lange nicht!
flom
25.12.2017 01:24 Uhr 4
Defenitiv, wie schnell liegt am linearen Fernsehen. Wenn es so weiter geht ist es bald komplett irrelevant.
CaptainCharisma
25.12.2017 09:38 Uhr 5
Ohne das Fass wieder aufzumachen - für mich und mein Umfeld, nahezu irrelevant.
Sentinel2003
25.12.2017 13:33 Uhr 6


Kann ja sein....das liegt aber ganz klar an der jungen Generation!
CaptainCharisma
25.12.2017 14:19 Uhr 7
^Naja, so jung bin ich mit meinen 35 ja auch nicht mehr :D



I
LittleQ
25.12.2017 16:31 Uhr 8
Kann mir vorstellen, dass man in den kommenden 10 Jahren einfach einen Weg wird finden müssen, weiter umzubauen. Klar gibt es noch viel, die mit Fernsehen groß geworden sind. Aber ohne viel Ahnung davon zu haben, könnte ich mir vorstellen, dass sich teure Serien und Filme irgendwann immer weniger rentieren. Gerade, wenn ich da an Pro Sieben denke und wie oft die mit ihren Serien auf die Schnautze fallen.



Für mich persönlich hat normales Fernsehen allerdings einfach gar keine Relevanz mehr. Ich hab jetzt über die Festtage bei meinen Eltern wieder gesehen, wie wenig mich das Fernsehen bockt und wie wenig ich mittlerweile bereit bin mir 10 Minuten Unterbrechungen anzutun, in denen mir irgendeine Sch... aufgeschwatzt wird.
Fernsehfohlen
25.12.2017 18:42 Uhr 9
Hmm, das kommt auch ein wenig drauf an, auf welche Sender ich so schaue: Ich denke nicht, dass das Angebot der Öffentlich-Rechtlichen so schnell irrelevant wird. Nachrichten, Sport- und andere Liveübertragungen, Familienshows... das sehe ich schon weiter recht klar als lineare Domäne, im Falle der Shows aber auch ein Stück weit, weil meines Erachtens die großen Online-Player hier noch nicht wirklich einen reizvollen Weg gefunden haben, diese in ihr Sortiment aufzunehmen.



Wenn ich mir dagegen die großen Privatsender (außer VOX) anschaue, dann haben sie eigentlich allesamt in den vergangenen Jahren massiv an Relevanz eingebüßt und bis aufs teure Einkaufen einiger großer Sport-Events sehe ich auch grad nicht, dass man dagegen steuern kann - und eigentlich auch nur ziemlich halbherzig, dass man wirklich mit aller Kraft dagegen steuern will. Das hängt auch, aber nicht nur, damit zusammen, dass diese Sender ein stärkeres Übersee-Portfolio aufwiesen und gerade eingekaufte Serien nun wirklich schon jetzt so gut wie tot sind im linearen TV. Hängt aber auch damit zusammen, dass diese Sender viel stärker jüngeres Publikum ansprechen, das es wiederum deutlich stärker zu Netflix und Co. treibt.



Also ich sehe da bei den Öffis grad das weitaus stärkere Potenzial, dem schleichenden Tod des linearen Fernsehens robust entgegenzutreten - auch, weil für mich die Streaming-Dienste eben beileibe nicht diese göttlichen Gaben sind, die sie wohl gerade für fans fiktionaler Unterhaltung darstellen. Im Show-Bereich kam bisher kaum was, Sport sehe ich mir nach wie vor bedeutend lieber im Fernsehen an als auf irgendeinem Stream, bei dem man ja derzeit immer noch eifrig beten muss, dass er auch wirklich stabil hält, Nachrichten-Kompetenzen sehe ich auch null im non-linearen Fernsehen und sonst... ja, ehrlich gesagt frage ich mich bei diesen Diskussionen immer, wo fernab des Films und der Serien eigentlich die Streaming-Plattformen derzeit die wirklich bessere und klar attraktivere Alternative sind!?



Und nur Filme und Serien, vielleicht noch die eine oder andere Doku suchten - finde ich dann ehrlich gesagt auch ein bisschen dünn für die große Revolution. Also selbst wenn man dafür mehr Begeisterung aufbringt und weniger Show-vernarrt ist als ich... :?





Fohlen
flom
25.12.2017 19:13 Uhr 10
Selbst die Öffentlich rechtlichen gucke ich nur noch über App.

Auch Sport läuft fast immer perfekt online, auch wenn es leider Ausnahme wie das letzte Classico gibt, b i denen die ersten 10 min nicht gingen. Allerdings gibt es sportlich im linearen bzw. privaten Fernsehen auch nix mehr was mich reizt.

Optionen

Drucken Merken Leserbrief


Werbung


E-Mail:

Quotenletter   Mo-Fr, 10 Uhr

Abendausgabe   Mo-Fr, 16 Uhr

Datenschutz-Info

Letzte Meldungen

Werbung

Mehr aus diesem Ressort


Jobs » Vollzeit, Teilzeit, Praktika


Surftipps

Heute vor 30 Jahren startete der Boykott der Musik von k.d. lang
Am 27 Juni 1990 ist KRVN in Lexington, Nebraska, die erste Radiostation, die k.d. langs Music aus dem Programm nimmt Aktuell ist es in ein aktuelle... » mehr

Werbung