Die Kino-Kritiker

«Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt»

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Die Geschichte um den Außenseiter Robbi, seinen Freund den Roboter und ihr skurriles Gefährt wurde durch einen Puppentrickfilm bekannt. Nun kommt «Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt» als Realfilm n die deutschen Kinos.

«Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt»

  • Kinostart: 1. Dezember
  • Genre: Abenteuer/Kinderfilm
  • FSK: o.A.
  • Laufzeit: 105 Min.
  • Kamera: Armin Golisano
  • Musik: Helmut Zerlett
  • Buch: Jan Berger
  • Regie: Wolfgang Groos
  • Darsteller: Alexandra Maria Lara, Arssemi Bultmann, Bjarne Mädel, Friedrich Mücke, Jördis Triebel, Ralph Caspers, Sam Riley
  • OT: Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt (DE 2016)
Seit 1948 werden im Marionettentheater der Stadt Augsburg regelmäßig Märchen und Fabeln für alle Altersklassen aufgeführt. Im Jahr 1953 entdeckte man den Unterhaltungswert dieser altmodischen Form des Geschichtenerzählens auch fürs Fernsehen und strahlte im Rahmen der „Augsburger Puppenkiste“ ausgewählte Stücke auf den Öffentlich Rechtlichen Kanälen aus. Dafür ließ man im Bunker des Nordwestdeutschen Rundfunks einen Teil des Programms nachspielen. Den Anfang machte «Peter und der Wolf», doch zu den berühmtesten (und kultigsten) Geschichten der Augsburger Puppenkiste zählen bevorzugt solche, die erst durch die Form des Marionettentricks überhaupt zu Berühmtheit gelangen konnten. Die erste gespielte Adaption des Kinderbuchs «Urmel aus dem Eis» etwa fand in dem mittlerweile weltberühmten Marionettentheater statt und wurde erst dadurch zu dem beliebten, immer wieder auf andere Weise interpretierten Kinderabenteuer, das es heute ist. Dasselbe gilt für die Eskapaden von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer, basierend auf einem Kinderbuch von Michael Ende.

Basierend auf einem Puppentrickfilm


Sich diesem Trend anschließend, wurde in den Siebzigerjahren auch Boy Lornsens «Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt» als einer der aufwändigsten Puppenfilme aller Zeiten inszeniert. Auch, wenn Letzteres lediglich im Fahrwasser der Augsburger Puppenkiste geschah und «Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt» eben unabhängig davon auf die Beine gestellt wurde, ist Puppentrick mehr als ein Wegbereiter moderner Familienunterhaltung. Entsprechend wundert es überhaupt nicht, dass diese Geschichten auch heute noch immer wieder an die neuesten Sehgewohnheiten angepasst werden. Zwischen 2006 und 2008 gab es zwei Animationsfilme zu «Urmel aus dem Eis» in den deutschen Kinos zu sehen, derzeit arbeitet «Mechanic: Ressurection»-Regisseur Dennis Gansel an einer Realverfilmung von «Jim Knopf» und mit «Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt» schafft es nun auch eine moderne Variante dieser Außenseiterstory in die deutschen Kinos. Doch muss man zwanghaft jeden Stoff an heutige Gefilde anpassen, oder geht gerade dadurch der die Geschichten prägende Nostalgiefaktor verloren?

Niemand kann sich so ungewöhnliche Erfindungen ausdenken, wie der 11-jährige Tobbi Findeisen (Arssemi Bultmann). Eines Tages landet vor seinen Füßen der kleine Roboter Robbi, der beim Absturz seines Raumschiffes von seinen Roboter-Eltern getrennt wurde und sich nun auf die Suche nach ihnen machen muss. Zusammen ertüfteln Robbi und Tobbi ein Gefährt das zugleich fliegen, schwimmen und fahren kann: Ein Fliewatüüt eben! Doch inzwischen sind auch der skrupellose Sir Joshua (Friedrich Mücke) und dessen Superagenten Brad Blutbad (Sam Riley) und Sharon Schalldämpfer (Alexandra Maria Lara) dem Roboter auf den Fersen, um ihn für ihre Zwecke zu nutzen. Doch auch die klügsten Superagenten sollten nicht unterschätzen, wozu die besten Freunde der Welt fähig sind!

Zu einer Entscheidung muss man die Macher von «Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt» vorab beglückwünschen: Nicht nur der zuckersüße Roboter Robbi, sondern auch ein Großteil der Effekte stammen nicht aus dem Computer. Gerade bei der Interaktion mit dem etwa ein Meter großen Blechbüchsenmann ist dieser Umstand besonders wichtig. Wenn Arssemi Bultmann alias Tobbi und sein neuer Freund gemeinsam spazieren gehen oder später im Fliewatüüt durch die Gegend düsen, dann ist die zwischen ihnen entstehende, freundschaftliche Chemie absolut glaubhaft. Damit spielt der Schrott fressende, vorlaute, aber auch äußerst humorvolle Roboter ausnahmslos jedem die Schau, denn darstellerisch liegt «Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt» allen voran auf den Schultern des Nachwuchsdarstellers Bultmann, der diese großen Aufgabe aber leider nicht ganz gewachsen ist. Der in Filmen wie «Alles ist Liebe» oder «Der Nanny» bereits in Kurzauftritten anwesende Newcomer muss einen Großteil seiner Szenen weitestgehend alleine stemmen und tut sich auch an eher simplen Texten schwer, diesen Leben einzuhauchen. Doch die Qualität seines Spiels schwankt stark von Szene zu Szene. Wirken manchmal ganze Passagen einfach nur abgelesen, kann Bultmann gerade im Finale mit echten Emotionen punkten. Und wie er dem skrupellosen Sir Joshua seine Meinung geigt, ist ganz großes Kino.

Niedliches Abenteuer, das hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt


In Sachen „großes Kino“ braucht sich «Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt» vor allem in einer Sache nicht zu verstecken: In sämtlichen Nebenrollen haben die Macher ausschließlich namhafte Darsteller besetzt. Vor allem der zuletzt häufiger im internationalen Kino anzutreffende Sam Riley («Stolz und Vorurteil & Zombies») gefällt in seiner überdreht fiesen Rolle des Bösewichts Brad Blutbad an der Seite von Alexandra Maria Lara («Der geilste Tag») als Sharon Schalldämpfer. Der cartooneske Kleinkrieg zwischen den zwei Superganoven, denen der sich selbst genießende Friedrich Mücke («SMS für Dich») als Auftraggeber Sir Joshua nur hilflos zusehen kann, bildet regelmäßig die Highlights von «Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt». Doch auch ein kurzer Gastauftritt von «Stromberg»-Star Bjarne Mädel als vereinsamter Leuchtturmwärter versieht den Film mit eigenen Akzenten. Darüber hinaus ist die Besetzung von TV-Wissenschaftler Ralph Caspers auf einer Meta-Ebene eine hübsche Idee; leider kann er in den wenigen Szenen seines Auftritts kaum überzeugen, da ihm das Agieren nach Drehbuch als ungewohnt anzumerken ist.

Für das erste Langfilmabenteuer rund um Robbi, Tobbi und ihr schmuck nachgebautes Fliewatüüt bewegt sich das Skript von Jan Berger («Der Medicus») weit weg von den Originalgeschichten – was man allein schon daran merkt, dass es die beiden hier mit einem Smartphone entwerfenden Großkonzern zu tun haben, der zu Forschungszwecken an das Herz von Robbi und seine Eltern gelangen will. Regisseur Wolfgang Groos («Rico, Oskar und das Herzgebreche») und sein Autor versuchen zwar kontinuierlich, Querverweise in Richtung der Vorlagen zu kreieren (aus der schottischen Burg Plumpudding Castle wurde etwa der Technikkonzern Plumpudding Inc.), doch so richtig durchdacht und authentisch fühlt sich das nicht an, auch wenn sich die Kinder von heute vermutlich nicht mehr problemlos mit der Idee bespaßen ließen, dass ein Junge und sein Roboter zu der Beantwortung verschiedener Fragen einfach nur um den Erdball fliegen müssen. So ist «Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt» in erster Linie ein kindgerecht inszeniertes Katz-und-Maus-Spiel, das genug Tempo und Drive hat, um eine recht große Zielgruppe abzudecken. Weshalb allerdings auch hier immer wieder auf Fäkalhumor zurückgegriffen wird, bleibt uns ein Rätsel – wenngleich wir zugeben müssen, dass tatsächlich am lautesten gelacht wurde, als Robbi seine „Fürze“ angezündet hat und Sir Joshua von einer Kuh angepinkelt wird. Die Jugend von heute…

Fazit


«Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt» ist ein über weite Strecken harmlos-amüsantes Abenteuer, das aufgrund seiner ständig fokussierten Anpassung an den heutigen Zeitgeist allerdings nicht an den Charme bisheriger Verfilmungen heranreichen kann. Darüber hinaus geht einem der fäkallastige Slapstick irgendwann arg auf die Nerven, wenngleich ein Großteil der Darsteller wirklich punkten kann.

«Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt» ist ab dem 1. Dezember bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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