Die Kritiker

«Herzblut»

von

Ein Schwabe von gestern kämpft mit der modernen Welt: Kommissar Kluftinger, gesundheitlich angeschlagen, schwankt durch das Allgäu und ermittelt sich wieder einen. Reif für die Notaufnahme.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Herbert Knaup als Kluftinger
Jockel Tschiersch als Roland Hefele
Johannes Allmayer als Richard Maier
Bernhard Schütz als Dr. Langhammer
Tilo Prückner als Kluftinger senior
Katharina Spiering als Sandy Henske
Hubert Mulzer als Lodenbacher

Hinter der Kamera:
Produktion: H & V Entertainment
Drehbuch: Alex Buresch
Regie: Lars Montag
Kamera: Stefan Ciupek
Produzent: Alban Rehnitz
Dass sein Vater wegen Herzproblemen einen längeren Klinikaufenthalt vor sich hat, nimmt den Füssener Schmalspur-Kommissar Kluftinger (Herbert Knaup) mehr mit als den eigentlichen Patienten. Kluftinger junior ist schließlich auch nicht mehr der Jüngste, übergewichtig, mit einer Aversion für Vorsorgeuntersuchungen und Check-ups, neuerdings etwas kurzatmig, und wenn er darüber nachdenkt, dass die Beschwerden seines Vaters erblich sein könnten, wird ihm ganz schwummrig. Thema dieses Films: Ein Schwabe von gestern hadert mit seiner Vergänglichkeit.

Da kommt eine Mordserie im verschlafenen Allgäu eigentlich gerade recht, wenn auch nur zur Ablenkung. Eingeleitet von einem mysteriösen Telefonanruf, den Klufti forensisch analysieren lässt, soweit seine intellektuellen Kapazitäten das zulassen, findet er beim buchstäblichen Tappen im Dunkeln das herausgerissene Herz eines Mordopfers in der Pampa.

Weitere Morde führen Kluftinger zu noch grauseligeren Szenen. Das nimmt ihn mit: Schweißausbrüche, Schwindel, Unwohlsein. Ab in die Klinik, aber auch von dort kommt nichts als Stress: Der behandelte Arzt seines Vaters ist bald eines der Opfer der Allgäuer Mordserie. Wenig später stoßen Kluftinger und sein Team auf die dubiose doppelte Buchführung, die der Kardiologe im Rahmen der klinischen Testreihe eines neuen Herzmedikaments angefertigt hatte. Dass sein Vater ebenfalls dieses sonderbare Zeug injiziert bekommt, beunruhigt den Allgäuer Kommissar umso mehr.

Die Pausenfüller sind von ähnlicher Facon: Kluftinger kämpft mit der Technik. Kluftinger kämpft mit der Zivilgesellschaft. Kluftinger kämpft mit der modernen Welt. Diese Film-Reihe hat etwas Therapeutisches für all jene Zuschauer, die im Ist-Zustand angekommen sind, indem sie ihnen vorführt: Es gibt Leute, die leben noch so. “Es gibt nun mal Menschen, die Jutta heißen“, würde Navid Kermani sagen.

Doch während Kermanis Romane feinsinnige Beobachtungen und differenzierte Betrachtungen des durchschnittsdeutschen Lebens sind, sind die Kluftinger-Filme des Bayerischen Rundfunks unangenehme Verklärungen des Überkommenen und Provinziellen. Zugegeben: «Herzblut» ist diesbezüglich weit weniger penetrant als manche Vorgängerfilme, in denen der alte Grantler über Ausländer und ethnische Minderheiten herzog und trotzdem als durch und durch positive Figur geführt wurde. Aber auch die komödiantische Ergiebigkeit von Kluftingers unaufhörlichem Versagen beim Bedienen von so brandmoderner Technik wie Mikrofonen hat ihre Grenzen, die «Herzblut» so rücksichtslos überschreitet wie Kluftingers Blutdruck die medizinischen Grenzwerte.

Es gibt wahrlich liebenswürdigere, einnehmendere und interessantere Figuren – auch in der Alte-Grantler-Fraktion – als diesen altbackenen Kluftinger, der weniger um ein Milieu als um einen generischen Ort, das pittoresk-mystische Allgäu, herumgeschrieben ist, und intellektuell wie emotional damit zu kämpfen hat, dass die Welt nicht in der Ära Franz Josef Strauß stehen geblieben ist. Hinweis an die Autoren: Die dramaturgischen Möglichkeiten sind es genauso wenig.

Das Erste zeigt «Herzblut» am Donnerstag, den 24. Oktober um 20.15 Uhr.

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