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Acht Filmtipps für ein schaurig-schönes Halloween

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Vier deutsche Horrorfilme und vier aktuelle, internationale Produktionen, die für Gänsehaut sorgen: Unser Miniguide für einen gelungenen Halloween-Filmabend.

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«Der Nachtmahr»
Frenetisch flackern die Studiologos über die Leinwand, ehe eine Gruppe jugendlicher Freundinnen von derben Technobeats begleitet zu einer Party düst. Sie saufen, machen Scherze, sind fies zueinander. Die 16-jährige Tina (Carolyn Genzkow) bekommt einen dieser vermeintlichen Späße in den falschen Hals, was ihr direkt die Partylaune vermiest. Doch der sie und ihre Freundinnen lockende (illegale?) Rave in einem Freibad bei Berlin hämmert mit seinen kühlen, schnellen Sounds Tinas Gedankenwelt hinfort, versetzt sie mit einem desorientierenden Gewitter an farbenfrohen Blinklichtern in einen beklommenen Rausch. Losgelöste „Mir gehört die Welt!“-Stimmung sieht anders aus, Miesepeter-Laune aber auch. Doch dann überkommen sie in einem ruhigen Moment Panikattacken, die immense Wellen nach sich ziehen: Auch im sicheren Schoß ihres Kinderzimmers wird sie von Furcht und Angst geplagt, in Albträumen wird sie von einem seltsamen Fabelwesen heimgesucht. Tinas Eltern nehmen ihre Sorgen nicht ernst, vor ihren Freunden traut sie sich nicht, die Maske der abgeklärten Partymaus fallen zu lassen – und den Rat ihres Psychiaters, Kontakt zu diesem Monstrum aufzunehmen, findet sie absurd …

Krasser Experimentalfilm-Rave. Irrer Drogentrip. Horrorgeschichte. Psychodrama. Coming-of-Age-Parabel. Die deutsche Nischenproduktion «Der Nachtmahr» ist ein einzigartiges, eigensinniges Leinwanderlebnis. Mehr zum Film in unserer Kritik.

«Zimmer 205»
Katrin (Jennifer Ulrich) kann es kaum erwarten, mit ihrem Studium zu beginnen. Endlich weg von zu Hause und der Aufsicht des überfürsorglichen Vaters, endlich weg von einer düsteren Vergangenheit – ein neuer Lebensabschnitt soll beginnen. Sie zieht in ein Studentenwohnheim, stürzt sich ins Uni-Leben und lernt schnell eine Clique aus höheren Semestern kennen. Dass ihre Vormieterin spurlos verschwunden ist, kümmert sie zunächst wenig. Doch kurz darauf findet sie das Videotagebuch der Vermissten, das ein grausames Licht auf ihre neuen Freunde wirft. Katrin versucht herauszufinden, was im Zimmer 205 passiert ist und weckt durch ihre Neugier die Dämonen der Vergangenheit. Ein unerklärlicher Bann zwischen ihr und der Verschwundenen sorgt für mysteriöse Todesfälle, und plötzlich steht Katrin im Zentrum der polizeilichen Ermittlungen.

Eine bemitleidenswert psychisch zerrissene Protagonistin, das Flair eines J-Horrors und eine beklemmende Stimmung: Wer an Halloween gebannt sein will und eine obskure deutsche Produktion genießen möchte, ist hier an der richtigen Adresse. Mehr zum Film in unserer Artikelreihe 'Die glorreichen 6'.

«Der Babadook»
Nach dem tragischen Tod ihres Mannes führt die junge Krankenschwester Amelia (Essie Davis) ein zurückgezogenes Leben mit ihrem Sohn Samuel (Noah Wiseman). Dieser hat sich mit seinen sieben Jahren zu einem echten Satansbraten entwickelt, der in der Schule mit Steinschleudern hantiert und seine Mutter mit regelmäßigen Wutausbrüchen zur Weißglut treibt. Eines Abends liest Amelia ihrem Sohn ein Kinderbuch mit dem Titel „Mister Babadook“ vor und Samuel glaubt darin das Monster aus seinen Träumen zu erkennen. Anfangs denkt Amelia, die Furcht des Jungen sei unbegründet, muss jedoch gestehen, das Buch auch selbst ziemlich unheimlich zu finden. Die vermeintliche Gutenachtgeschichte entfaltet schon bald ihren verstörenden Sog und Amelia wird zunehmend mit unheimlichen Phänomenen konfrontiert. Mit dem „Babadook“ sickert eine unheilvolle Bedrohung schleichend in das Leben der beiden. Denn wenn er erst einmal da ist, lässt er sich nicht mehr vertreiben. So steht es geschrieben.

Eine melancholisch-beunruhigende Metapher auf Verlust- und Bindungsangst, zugleich ein spannungsgeladenes Schockszenario mit einem zwischenmenschlichen Drama: «Der Babadook» ist klug, emotional und nervenaufreibend. Mehr zum Film in unserer Kritik.

«Sieben Monde»
Der junge Übersetzer Thomas Krömer (Jan Josef Liefers) hat schriftstellerische Ambitionen, aber in beruflichen Fragen ebenso wenig Erfolg wie in der Liebe. Damit sind seine Sorgen völlig belanglos im Vergleich zu dem, was die Münchener Polizei derzeit umtreibt: Seit Wochen geht ein Mörder um, der seine Opfer verstümmelt und am Tatort ein riesiges Chaos hinterlässt – sowie Tierhaare. Schnell macht sich in der Bevölkerung die Sorge breit, dass womöglich ein Werwolf umgeht. Als Thomas eines Nachts ein riesiges, haariges Etwas anfährt und kurz darauf von diesem Etwas gebissen wird, fürchtet er, dass er es nun ist, der diesen Fluch weiterträgt. Doch das Werwolfsein hat auch seine Vorzüge, ist er nun doch entschlossener und durchsetzungsfähiger …

Etwas Spaß muss sein – auch an Halloween: Jan Josef Liefers und Christoph Waltz irren mit süffisantem Humor durch eine das Horrorgenre kommentierenden und mit Märchenreferenzen bestückenden Thrillerkomödie. Charme, statt Grauen. Mehr zum Film in unserer Artikelreihe 'Die glorreichen 6'.

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