Schöne Frauen und der (unauffindbare?) Sinn des Lebens: «Tree of Life»-Regisseur Terrence Malick streift grübelnd durch LA.
Rick (Christian Bale) ist ein Hollywood-Drehbuchautor, der aktuell eine Sinnkrise durchläuft. Bedingt durch seine unharmonische Beziehung zu seinem als Pastor arbeitenden Vater (Brian Dennehy), und seine ungestüme Dynamik mit seinem Bruder (Wes Bentley), mangelt es Rick an Rückhalt im Familienleben. Und obwohl er bereits intensive Beziehungen mit zahlreichen sanftmütigen, wunderschönen Frauen durchlief (unter anderem: Imogen Poots, Freida Pinto, Teresa Palmer, Cate Blanchett, Natalie Portman und Isabel Lucas), will auch das Liebesglück in Ricks Leben keine Beständigkeit aufweisen. Aufgerüttelt durch ein heftiges, aber folgenloses Erdbeben, geht der Autor nach Jahren der Genusssucht in sich und begibt sich auf die Suche nach Antworten auf all jene Fragen, die er bislang ignoriert hat …
Was genau diese Damen repräsentieren, ob sie schlichtweg die unterschiedlichen Frauentypen darstellen, denen ein umtriebiger Mann so begegnen kann, oder ob sie für mehr stehen, darf jedes einzelne Publikumsmitglied selbst entscheiden. Denn anders als im mit biblischen Symbolen arbeitenden «Tree of Life» und im sehr frei erzählten, thematisch aber klar fokussierten «To the Wonder», reicht Malick seinen Zuschauern in diesem Fall nur rudimentäre Schlüssel, um die auf die Leinwand gebannten Codes zu knacken. Die von Bale mit schwerem Gestus verkörperte Hauptfigur denkt nicht mit uns, sondern für sich allein über das Leben und die Liebe nach – und das Kinopublikum darf sich von ihm dazu angestachelt fühlen, es ihm gleichzutun. Gelegentliche Referenzen auf Tarot-Karten und alte Legenden wirken wie Interpretationshilfen, sind letztlich aber poetisch-schmückendes Beiwerk – das bestenfalls verdeutlicht, wie inhaltsleer Ricks Leben für eine lange Zeit war.
Die Dialoge sind in «Knight of Cups» noch spärlicher gesät als von Malick zuletzt gewohnt, nahezu der gesamte Wortanteil in dieser rund zweistündigen Philosophierunde fällt auf Gedanken, die die Figuren im Off über die weitwinkligen Bilder sprechen. Zuweilen sind diese Kommentare ein stream of consciousness, also umherspringende, introspektive Gedanken. Andere Male könnten die Kommentare genauso gut aus einem Gedichtband stammen – gelegentlich aber leider auch bloß aus einem Teenie-Poesiealbum. Die verbale Kraft von «Tree of Life» erreicht der Zusammenbruch eines Hedonisten daher nicht. Visuell aber steht das Promi-Schaulaufen seinen Vorgängern in Nichts nach. Oscar-Preisträger Emmanuel Lubezki («Birdman», «Gravity») entlockt selbst den schmutzigsten Ecken LAs eine vielsagende Schönheit und auch diejenigen, die es irgendwann aufgeben, die Bilderassoziationen zu deuten, sollten wenigstens die visuelle Kraft der Bilder schätzen können. 

• 8 1/2 • Badlands • Badlands – Zerschossene Träume • Birdman • Gravity • Knight of Cups • To the Wonder • Tree of Life • Zerschossene Träume
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