Die Kritiker

«Nägel mit Köppen»

von  |  Quelle: ZDF (Inhaltsangabe)

Peter Heinrich Brix und Ulrike Kriener stehen im Mittelpunkt eines bunten Ensembles an verschrobenen Dorfbewohnern.

Inhalt


Hinter den Kulissen

  • Regie: Walter Weber
  • Drehbuch: Georg Weber
  • Kamera: Felix Cramer
  • Musik: Stefan Wulff, Hinrich Dageför
  • Produzentin: Jutta Lieck-Klenke
  • Realisiert von Network Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG, Hamburg
Als der norddeutsche Pastor Hans-Uwe Petersen erfährt, dass seine Kirchengemeinde Toestrup mit der Nachbargemeinde Norderup zusammengelegt werden soll, gerät er unter Druck. Er würde die Verantwortung für beide Dörfer gerne übernehmen, doch der Posten ist an eine Bedingung geknüpft: Er soll endlich seine Lebensgefährtin Petra Koslowski heiraten, mit der er in wilder Ehe lebt. Petra hält von der Idee nichts – sie glaubt weder an Gott, noch sieht sie sich als Pfarrersfrau beim Ausrichten von Seniorennachmittagen und Gemeindeflohmärkten. Doch Pröbstin Friederike Murrmann macht unmissverständlich klar, dass Hans-Uwe seine privaten Verhältnisse in Ordnung bringen muss, sonst wird der Kirchenvorstand von Norderup dem Plan nicht zustimmen.

Allen voran der konservative und einflussreiche Großbauer Dietrich Bosefeld schaut mit Skepsis auf das Paar – zumal die unkonventionelle Petra nicht als standesgemäß gilt. Hans-Uwes berufliche Existenz steht auf dem Spiel: Wenn er den neuen Posten nicht bekommt, wird er seine Gemeinde ganz verlieren. Er braucht Petra. Als sie endlich soweit ist, doch über ihren Schatten zu springen, taucht ausgerechnet ihr Sohn Mikis auf, zu dem sie ein angespanntes Verhältnis hat. Im Schlepptau hat er seinen Vater Dimitris – Petras Jugendliebe aus Griechenland …

Darsteller


Ulrike Kriener («Klimawechsel») als Petra Koslowski
Peter Heinrich Brix («Großstadtrevier») als Hans-Uwe Petersen
Gerburg Jahnke («Missfits») als Inge
Jan Peter Heyne («Tatort: Borowski und die Frau am Fenster») als Knud
Elena Uhlig («Mit Herz und Handschellen») als Stefanie
Bjarne Mädel («Der Tatortreiniger») als Heinrich
Oliver Wnuk («Stromberg») als Mikis

Kritik


Mit «Nägel mit Köppen» schrieb Georg Weber die Fortsetzung des 2009 erstmals gezeigten Fernsehfilms «Butter bei die Fische» und flechtet bereits eingeführte Handlungsstränge weiter, konzentriert sich aber auch auf Neues – Zuschauern, die den Vorgänger nicht kennen, bietet sich allerdings keine Einstiegshürde in die erzählte Geschichte. Der Autor schneiderte der weiblichen Hauptdarstellerin, seiner Ehefrau Ulrike Kriener, das Drehbuch erneut auf den Leib – dementsprechend sicher setzt diese ihre Rolle um (weitere familiäre Beziehungen bestehen im Übrigen nicht, die Namensgleichheit zwischen Georg Weber und Regisseur Walter Weber stellt einen Zufall dar).

Obgleich «Nägel mit Köppen» oberflächlich betrachtet als leichte Komödie mit überzeichneter Dorfatmosphäre daherkommt, gibt es Verweise auf aktuelle Probleme in dünn besiedelten Landschaften. Dazu gehört nicht nur die Überalterung von Kirchengemeinden, sondern auch die wirtschaftliche Aussichtslosigkeit traditioneller Kleinbauern und die zurückgehende Zahl und Landflucht junger Frauen, die keine Zukunft in in ihrer heimatlichen Umgebung sehen. Dabei werden diese Aspekte, erfreulicherweise, nicht nur als komödiantisches Element in die Handlung eingewoben, sondern – dem Rahmen von Unterhaltung angemessen – angesprochen. „Wege aus der Krise“ kann ein Familienfilm kaum aufzeigen, daher können die deutlich fiktiven Lösungsansätze nur mit Bezug auf erzählerische Schwächen kritisiert werden; an dieser Stelle wären raffiniertere Ideen zuträglich gewesen, um das Werk stilsicher abzurunden.

Das Bild eines gut inszinierten Montagabendfilms wird davon aber nicht getrübt. Dazu trägt auch bei, dass es Autor wie Regisseur gelungen ist, ihre Geschichte im Rahmen von 90 Minuten ohne wesentliche Längen oder Sprünge zu Ende zu erzählen. Eine weitere Fortsetzung ist indes noch nicht geplant, bei entsprechender Einschaltquote darf aber naturgemäß davon ausgegangen werden, dass die Verantwortlichen der ARD dies in Erwägung ziehen werden. Für das Gros der Fernsehzuschauer wäre ein Wiedersehen mit den Protagonisten schon aufgrund der gut gewählten Darstellergarde von erfreulicher Natur; neben der bereits erwähnten Ulrike Kriener leisten insbesondere ihr Filmpartner Peter Heinrich Brix und Elena Uhlig mit Bjarne Mädel ausgezeichnete schauspielerische Arbeit. Als weiteren Pluspunkt darf «Nägel mit Köppe» mitunter in Erscheinung tretende, überraschende Stilmittel für sich verbuchen – die vorhandenen Ausfälle ins allzu Übertriebene (von „platt“ bis „lächerlich“) bleiben dabei leider nicht aus und trüben hie und da die Stimmung des Films.

Handwerklich ist der Film tadellos und als Komödie mit anspruchsvollen Ansätzen zu empfehlen. Um dem Autor die Möglichkeit zu geben, das Szenario inhaltlich zu vertiefen und die angelegten Charaktere weiterzuentwickeln, wäre eine (rasche) Fortsetzung wünschenswert. Dann hätte die zentrale Gemeinde Toestrup, zumindest aus filmischer Sicht, tatsächlich die Chance, das vorhandene Potential in eine langfristige Fernsehzukunft umzusetzen.

Das ZDF strahlt «Nägel mit Köppen» am Montag, den 29. April 2013, um 20.15 Uhr aus.

Kurz-URL: qmde.de/63464
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