Die Kritiker

«Polizeiruf 110: Fischerkrieg»

von

Ein Rostocker Fischerkrieg mit persönlichen Dramen, politischen Dilemmata und einem klugen Drehbuch.

Inhalt


Im Hafen Rostocks wird Paul Thomsen, der ungekrönte König unter den örtlichen Fischern, tot aufgefunden. Obwohl Thomsen angesehen war, schweigen seine Kollegen störrisch, wenn Kommissar Bukow und Profilerin König sie ausfragen. Erst als der Fischer Ronny sie verachtend ankeift, verstehen die Ermittler, weshalb die fischende Zunft mit ihnen nichts zu schaffen haben will: Die Rostocker Fischer leiden seit langer Zeit unter Fangquoten und der Konkurrenz eines polnischen Kutters, der Gerüchten zufolge ein unerlaubt engmaschiges Netz verwendet und so seinen Fang illegal vergrößert. Die Polizei wird als Staatsdiener empfunden – und somit mit der die Existenz der Fischer erschwerenden Bürokratie. Wieso sollte man ihr also bei ihren Nachforschungen unter die Arme greifen?

Unterstützung erhält das Ermittlerduo derweil von der verdächtig gut informierten Journalistin Berger, die auf größere Machenschaften innerhalb des Fischergeschäfts hinweist. Und während König ihrer eigenen Vergangenheit nachgeht, erfährt Bukow, dass sein Vater Veit mit Leuten aus dem engeren Kreis der Verdächtigen verkehrt ...
Darsteller
Anneke Kim Sarnau («Dr. Psycho») als Katrin König
Charly Hübner («Ladykracher») als Alexander Bukow
Andreas Günther («Danni Lowinski») als Anton Pöschel
Josef Heynert («Der Dicke») als Volker Thiesler
Klaus Manchen («Die Stein») als Veit Bukow
Inga Busch («Freunde wie wir») als Nina Berger
Jens Münchow («Großstadtrevier») als Ronny Brandt
Uwe Preuss («Tod einer Polizistin») als Henning Röder

Kritik


Der siebte «Polizeiruf 110» mit dem Hauptdarsteller-Duo Kim Sarnau & Charly Hübner bietet dem geneigten Fernsehzuschauer gleich auf zweifache Weise Abwechslung vom üblichen öffentlich-rechtlichen Kriminalreihen-Alltag. Einerseits ist der «Polizeiruf 110» aus Rostock aufgrund seiner „horizontalen Erzählbögen“ eine Ausnahme in der Welt der deutschen Krimireihen. Üblicherweise erzählt jede Folge solcher Reihen eine abgeschlossene Geschichte, ausgabenübergreifende Entwicklungen bleiben entweder ganz aus oder halten sich dezent im Hintergrund. Die Schöpfer des Ostsee-Krimis dagegen machen den roten Faden zu einem ihrer Markenzeichen, was in dieser Ausgabe auffälliger denn je ist. Weite Teile des Neunzigminüters drehen sich um Katrin Königs Versuch, der Spur ihrer leiblichen Eltern nachzugehen und sich mit ihrer nur noch verschwommen in Erinnerung gebliebener DDR-Flucht auseinanderzusetzen. Was zum zweiten Punkt führt, weshalb diese «Polizeiruf 110»-Ausgabe ungewöhnlich ist, denn erstmals stellt der Rostock-Krimi das Privatleben und die Gefühlslage seiner Hauptfiguren unmittelbar in den Vordergrund, statt mit Action zu beeindrucken.

Neuankömmlinge und Gelegenheitszuschauer werden ihre Zeit brauchen, um sich in die Probleme Königs und Bukows einzufühlen, aber der bärbeißige Humor des Duos bei gemeinsamen Auftritten und die beseelten Einzelszenen Sarnaus und Hübners dürften auch eingangs ratlose Zuschauer abholen. Besonders löblich ist dahingehend auch, wie nahtlos Drehbuchautor Florian Oeller die Subplots über die Ermittler, den verschachtelten Mordfall und die relevanten, auf Bundesebene aber kaum diskutierten Politthemen rund um die Ostseefischerei miteinander verknüpft. Jede Handlungsebene ergänzt die restlichen, wodurch sich ein relativ komplexer, dennoch nicht erdrückender Krimi mit realistischem, nicht auf Überzeichnungen setzenden Lokalkolorit ergibt.

Durch die etwas zu stille Inszenierung fehlt diesem «Polizeiruf 110» gerade gen Ende des zweiten Drittels der nötige Schwung, um das Finale mit spannungssteigernder Dringlichkeit einzuleiten, trotzdem zählt er zu einem der Paradebeispiele für überzeugende, unaufgeregte Episoden der öffentlich-rechtlichen Dauerbrenner-Krimireihen.

Das Erste strahlt «Polizeiruf 110: Fischerkrieg» am 20. Januar 2013 ab 20.15 Uhr aus.

Kurz-URL: qmde.de/61576
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