Die Kritiker

«Die Brücke»

von
Inhalt
Anfang 1945 in einer bayerischen Kleinstadt: Der Zweite Weltkrieg ist für Deutschland längst verloren, doch immer noch kämpfen die Nazis verzweifelt gegen die amerikanischen Truppen. So werden auch die letzten humanen Reserven an die Front berufen: Von einem Soldatenführer aus dem Schulunterricht heraus beordert, zieht eine Gruppe von Jugendlichen noch in den Krieg und muss die eigene Kleinstadt an einer Brücke – dem wichtigen strategischen Kampfplatz – vor den Alliierten verteidigen. Zunächst freuen sich die Schüler ob der plötzlichen Verantwortung und des Dienens für den Führer. Die richtigen Schrecken des Krieges begreifen die Jungsoldaten erst richtig, wenn der erste von ihnen fällt. Ab diesem Zeitpunkt schauen sie der aussichtslosen Lage direkt ins Gesicht.

Der junge Walter, der ebenfalls die Brücke verteidigen muss, begann vor seinem Abzug eine Affäre mit seiner Lehrerin. Immer wieder sehnt er sich nach ihr; versucht, aus dem Soldatencamp zu flüchten. Er kommt in einen Zwist zwischen Liebe und Vaterlandsverteidigung. Doch die Tage auf der Brücke gehen ins Land und die Amerikaner rücken immer näher, bis es schließlich zu den Kampfhandlungen kommt. Nun ist es für die Sieben an der Zeit, die Brücke mit all ihrer Ehre und ihrem Einsatz zu beschützen, denn wenn sie fällt, ist die Stadt mitsamt ihrer Bewohner verloren.

Darsteller
Franka Potente («Lola rennt», «Anatomie») ist Elfie Bauer
Paula Schramm («Hallo Robbie!», «In aller Freundschaft») ist Paula Fink
Robert Höller («Wut», «Allein unter Bauern») ist Klaus Schröder
Florian Heppert («Die wilden Kerle», «Die wilden Kerle 2») ist Siegi Lindner
Lars Steinhöfel («Unser Papa, das Genie», «Unter Uns») ist Walter Forst
Alexander Becht («Gute Zeiten, schlechte Zeiten») ist Ernst Scholten
Toni Deutsch («Comedy Kids», «Meine schönsten Jahre») ist Karl Bärmann
Daniel Axt («Ki.Ka.-Krimi.de») ist Jürgen Neuhaus
François Goeske («Französisch für Anfänger», «Die Schatzinsel») ist Albert Mutz
u.a.

Kritik
Mit diesem Remake wagte sich ProSieben an einen historischen Stoff: Der Antikriegsfilm «Die Brücke» von 1959 mit Fritz Wepper unter der Regie vom großartigen Bernhard Wicki war Vorbild für diese Neuverfilmung, die allerdings auch ein wenig mit eigenen Ansätzen an die Story herangeht. Besonderen Reiz dieses Films macht natürlich immer noch die Tatsache aus, dass dieser schreckliche und unmenschliche Krieg, der auf der ganzen Welt tobte, auf die Verteidigung einer kleinen Brücke herunter gebrochen wird. Damit geht der Film so stark in den Fokus einer biedermeierlich anmutenden Kleinstadt Bayerns, dass es einfach spannend und interessant ist, wie dieser große Krieg anhand einer kleinen Brückenverteidigung erzählt wird. Was der Streifen von 1959 exzellent schaffte, bekommt auch das ProSieben-Remake hin: Auch hier wird der Zuschauer in einem Meer von Emotionen hin- und hergerissen; fühlt mit den sieben jungen Rekruten mit – immer im Hinterkopf die schrecklichen Bilder und Taten des Weltkriegs, die hier nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Eine wahrhaft gewagte und auch interessante Handlungsebene bildet dabei in der ersten Hälfte des Films die Affäre des Jungrekruten Walter mit seiner Lehrerin Elfie, die ihn in einen moralischen Konflikt zwischen Krieg und Liebe bringt. Als Antikriegsfilm rückt «Die Brücke» natürlich auch immer wieder die Grauen der damaligen Zeit in den Vordergrund: Hier wird der affektgeladene Kriegsrausch, in dem sich der Schülertrupp bald befindet, dargestellt, wie er über die Menschlichkeit und den rationalen Verstand siegt. Hier werden verbrennende Soldaten gezeigt, wie sie in ihren letzten Atemzügen aus dem zerstörten Panzer steigen und zu Boden gehen. Hier werden die grausamen Kriegshandlungen wenig pompös, ohne musikalische Untermalung oder filmische Inszenierung, realistisch in Szene gerückt. Dass diese allerdings insgesamt etwas zu lang ausfallen, was der Handlung des Films schadet, ist ein negativer Kritikpunkt.

So kommt die Handlung dann insgesamt doch etwas zu kurz. Das ist schade und wäre sicher vermeidbar gewesen. Psychische Gewissenskonflikte oder Unterhaltungen innerhalb des Trupps werden im Laufe des Films, wenn es zu den Kampfhandlungen kommt, immer mehr in den Hintergrund gerückt. Auch die flüchtige Beziehung zwischen Walter und seiner Lehrerin, die zu Beginn als essentieller Story-Bestandteil dargestellt wird, ist später kein Thema mehr. So wirkt es gerade zwischen Mitte und Ende des Films, dass die Kampfhandlungen gar nicht mehr in eine richtige Geschichte eingebettet sind, sondern nur noch gezeigt werden, um den moralischen Zeigefinger zu heben.

Großes Lob gebührt den Produzenten von «Die Brücke» aber für die Auswahl der jungen Schauspieler, die allesamt zuvor nur kleinere Nebenrollen oder vereinzelte Hauptrollen spielen durften. Hier bekommt ein Team talentierter Nachwuchsschauspieler die Chance, mittels einer großen TV-Produktion zu beweisen, dass sie für größere Rollen bereit sind. Und dass sie dies sind, zeigt sich anhand dieses Films, der mit den jungen Darstellern großartig und authentisch, gleichzeitig zeitweise auch emotional wirkt. Unter der Quasi-Schirmherrschaft von Franka Potente, die mit ihrem Namen sicherlich für einige Zuschauer ein Einschaltgrund ist, spielen sich die Jungs möglicherweise dauerhaft ins Filmgeschäft – so, wie Fritz Wepper im Originalfilm damals.

Am Ende bleibt ein hauptsächlich trauriger und melancholischer Antikriegsfilm mit etwas detailarmer und zu dünner Handlung – auch in dieser Hinsicht hält sich das Remake an den ursprünglichen Film von 1959. Dass die Schrecken des Zweiten Weltkriegs fast fünfzig Jahre nach diesem Original immer noch grausam und unmenschlich wirken, ist der großen schauspielerischen Leistung der jungen Darsteller zu verdanken. Ein sehr gutes und emotionales, wenn auch nicht völlig überragendes Remake, das es wert ist, angeschaut zu werden.

ProSieben zeigt den Antikriegsfilm «Die Brücke» am 29. September 2008 um 20.15 Uhr als TV-Weltpremiere.

Kurz-URL: qmde.de/30035
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