Interview

Nach Kritik: Comedypreis zeichnet auch die 'Beste Comedy-Podcasterin' aus

von   |  1 Kommentar

Bei Quotenmeter.de kündigt Ralf Günther, Geschäftsführer des Cologne Comedy Festivals, eine neue Kategorie beim Comedypreis an. Zudem spricht er über den Senderwechsel der Comedy-Gala von RTL zu Sat.1, weitere Details der Preisverleihung und die Verfassung der Komikbranche in Zeiten von Corona...

Was ist neu beim Comedypreis?

«Der Deutsche Comedypreis» bekommt eine zusätzliche Kategorie. Aus „Bester Comedy-Podcast“ wird „Beste Comedy-Podcasterin“ und „Bester Comedy-Podcaster“. Damit reagiert «Der Deutsche Comedypreis» auf die Rufe aus der Comedy-Community und nominiert mit „Herrengedeck - Der Podcast“, „5 Minuten Harry Podcast von und mit Coldmirror“ und „Busenfreundin“ zusätzlich drei weibliche Comedy-Podcasts. Ralf Günther: "«Der Deutsche Comedypreis» bleibt immer für Veränderungen und Erneuerungen offen. In diesem Jahr haben wir erstmalig die Entscheidung, wer die Preise bekommen soll, in die Hände der Zuschauer*innen gelegt. Zusätzlich tragen wir sehr gerne der guten und richtigen Diskussion Rechnung und haben mit ,Beste Comedy-Podcasterin‘ eine zusätzliche Kategorie eingeführt."
Herr Günther, Comedians leben davon, vor Publikum auftreten zu können, Comedyshow wiederum werden getragen von den Zuschauerinnen und Zuschauern vor Ort im Studio, die für Stimmung und Lacher sorgen. Das alles war und ist zum Teil auch weiterhin wegen Corona nicht möglich. Wie sehr hat die Corona-Krise der Comedy in unserem Land geschadet?
Die gesamte Komikbranche liegt danieder, keine Auftritte, keine Zuschauer, kein Lachen: Corona ist eine große Katastrophe. Und da geht es nicht nur um den finanziellen Aspekt, sondern es werden auch ganze Lebensmodelle in Frage gestellt. Das betrifft sowohl die Künstler, wie auch die komplette Szene dahinter: Theater und Clubs, Agenturen, Licht- und Tontechniker und so weiter, die Liste ist sehr lang und für die meisten ist die Zukunft total ungewiss. Das fatale daran ist, dass wir alle gerade in diesen unruhigen Zeiten viel Comedy und Humor bräuchten, denn Lachen nimmt Ängste, verbindet Menschen und gibt positive Kraft! Und deshalb ist es auch wichtig und toll, dass wir trotz Corona am 2. Oktober den «Deutschen Comedypreis» durchführen und ausstrahlen können!

Der Comedypreis ist nur ein Teil des Cologne Comedy Festivals, das Sie organisieren. Wie wird dieses im Corona-Jahr 2020 ablaufen?
Unser Ansatz lautet: Soviel Festival wie möglich! Da fühlen wir uns unseren Partnern, den Theatern und Clubs, den Dienstleitern und den Künstlern verpflichtet. Wir wollen aber auch den Zuschauer*innen zeigen, dass wir noch da sind und dass sie beruhigt zu Veranstaltungen gehen können. Die Unterhaltsbranche ist gewohnt, für Sicherheit und Hygiene zu sorgen, da ist man besser aufgehoben als bei den meisten privaten Feiern. Deshalb lautet auch das Motto des diesjährigen Festivals: Mit Sicherheit lustig!

Erstmals liegt beim Comedypreis 2020 alle Macht bei den Zuschauern, die aus einer vorbestimmten Nominierten-Liste ihre Favoriten wählen können. Haben Sie eigentlich schon für Ihre Lieblinge beim diesjährigen Comedypreis abgestimmt?
Erwischt, eine Fangfrage! Als Beteiligter darf ich gar nicht abstimmen.

Warum haben Sie sich denn für dieses Modell entschieden und sich vom Prinzip der Jury-Wahl verabschiedet?
Es geht weniger um die Verabschiedung einer Jury-Wahl, sondern um unseren Wunsch, die Zuschauer aktiver in die Entscheidungsprozesse einbinden zu wollen. Und nach den bisherigen Votingzahlen zu urteilen, wird das sehr gut angenommen.

Die Kritik, dass sich die Nominierungen in den verschiedenen Jahren ähneln, hat der «Der Deutsche Comedypreis» ja nicht exklusiv. Aber ein Preis kann ja immer nur Realitäten abbilden und darf nicht eigene Realitäten kreieren, sprich: wenn Künstler oder Formate jahrelang zu den Besten gehören, sollten sie auch jedes Jahr nominiert werden.
Ralf Günther
Der Comedypreis wird in diesem Jahr trotz Corona als Live-Gala mit Gästen und Publikum live produziert werden. Gab es im Frühjahr auch Momente, in denen Sie überlegt haben, den Comedypreis sicherheitshalber komplett abzusagen?
Ja natürlich, wir mussten immer alle möglichen Optionen im Auge behalten. Die Unsicherheit in den Planungen ist auch weiterhin für die Entertainmentbranche eine große Herausforderung. Viele Künstler und Theater planen normalerweise bis zu zwei Jahren im Voraus und auch bei den TV-Sendern ist eine langfristige Programmierung sehr wichtig. Da ist zurzeit viel kreative Problembeseitigung angesagt.

Mit wie vielen Studio-Zuschauern planen Sie die Gala in diesem Jahr? Und werden wir uns darauf einstellen müssen, dass wegen Corona weniger Nominierte als zuletzt zugegen sein werden?
Ja, es werden leider weniger Zuschauer*innen im Studio sein können, als die Jahre zuvor, aber wir können kurzfristig auch noch aufstocken, falls es die Lage zulässt. Die Nominierten werden aber vor Ort sein.

Die Kritik bezog sich in erster Linie auf unsere neue Kategorie "Bester Comedy-Podcast". Wir haben uns dann nochmals beraten und finden inzwischen auch, dass wir die vielfältige Podcast-Szene mit den drei Nominierungen nicht ausreichend abgebildet haben. Deshalb haben wir noch eine neue Kategorie aufgemacht.
Ralf Günther über die neue Kategorie beim Comedypreis
Die Liste der Nominierten wird regelmäßig kritisiert. Häufig heißt es, sie sei jedes Jahr zu ähnlich und dabei nicht weiblich genug. Was entgegnen Sie den Kritikern, die das anprangern?
Die Kritik, dass sich die Nominierungen in den verschiedenen Jahren ähneln, hat der «Der Deutsche Comedypreis» ja nicht exklusiv. Aber ein Preis kann ja immer nur Realitäten abbilden und darf nicht eigene Realitäten kreieren, sprich: wenn Künstler oder Formate jahrelang zu den Besten gehören, sollten sie auch jedes Jahr nominiert werden.

In diesem Jahr kam aber auch die Kritik auf, es würden zu wenig Frauen nominiert.
Die Kritik bezog sich in erster Linie auf unsere neue Kategorie "Bester Comedy-Podcast". Wir haben uns dann nochmals beraten und finden inzwischen auch, dass wir die vielfältige Podcast-Szene mit den drei Nominierungen nicht ausreichend abgebildet haben. Deshalb haben wir noch eine neue Kategorie aufgemacht, "Beste Comedy-Podcasterin", mit den Podcasts "Herrengedeck - Der Podcast", "5 Minuten Harry Podcast von und mit Coldmirror" und "Busenfreundin" als Nominierungen. Damit ist und bleibt die Gala des «Deutschen Comedypreises» die vielfältigste, bunteste und lustigste Preisverleihung im deutschen Fernsehen!

Es war jedenfalls nicht so, dass wir schon vorher einen Seitensprung mit Sat.1 gehabt hätten, noch haben wir uns mit RTL auseinandergelebt. Uns ist aber schon aufgefallen, dass es in den letzten Jahren immer schwieriger wurde, einen Sendeplatz für den «Deutschen Comedypreis» zu finden, sicherlich auch der Programmierungsstrategie des Senders geschuldet. Da passt ein singulärer Event nicht mehr so gut rein. Bei Sat.1 finden wir nun eine tolle neue Heimat.
Ralf Günther über den Sender-Wechsel des Comedypreises von RTL zu Sat.1
Als im Juni bekannt wurde, dass der Deutsche Comedypreis von RTL zu Sat.1 wechselt, sprachen sie von der „TV-Hochzeit des Jahres“. Was hat eigentlich zur Scheidung von RTL geführt, das im TV ja lange Zeit die Heimat des Comedypreis‘ war?
In der Hochzeitsanalogie fällt mir gerade kein Synonym für den Senderwechsel ein. Es war jedenfalls nicht so, dass wir schon vorher einen Seitensprung mit Sat.1 gehabt hätten, noch haben wir uns mit RTL auseinandergelebt. Uns ist aber schon aufgefallen, dass es in den letzten Jahren immer schwieriger wurde, einen Sendeplatz für den «Deutschen Comedypreis» zu finden, sicherlich auch der Programmierungsstrategie des Senders geschuldet. Da passt ein singulärer Event nicht mehr so gut rein. Bei Sat.1 finden wir nun eine tolle neue Heimat, da der «Der Deutsche Comedypreis» an einem Freitag ausgestrahlt wird, und der Freitag schon lange bei Sat.1 als Comedy- und Unterhaltungstag gebranded ist.

Welche Änderungen erwarten die Zuschauer beim Comedypreis neben dem Senderwechsel?
Es ist ja so, dass eine Preisverleihung eine gewisse Struktur vorgibt: Laudatio, Ernennung des Preisträgers und Preisübergabe, da kann man nur schwer dran rütteln. Aber in der Kategorisierung, dem Voting und der Gestaltung der Show hat man schon einige Möglichkeiten, und da haben wir eine Menge verändert. Wir wollen den Comedypreis schneller, bunter und vielfältiger gestalten; lassen Sie sich überraschen!

Im letzten Jahr verzichteten Sie beim Comedypreis auf einen Moderator. Wie wird es diesmal sein?
Ja, das machen wir in diesem Jahr auch wieder so, die Preisverleihung wird dadurch schneller und abwechslungsreicher.

Wir wollen den Comedypreis schneller, bunter und vielfältiger gestalten.
Ralf Günther
Auf der einen Seite wurde der Comedypreis in den vergangenen Jahren von RTL zum Live-Event hochgezogen, auf der anderen Seite gingen ihm durch die Vorverlegung auf 20.15 Uhr Zuschauer verloren. Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund das Standing des Comedypreises bei den TV-Zuschauern?
«Der Deutsche Comedypreis» wurde in seiner über 20-jährigen Geschichte schon auf den unterschiedlichsten Sendeplätzen ausgestrahlt, mal live, mal als Aufzeichnung, ich finde aber, dass sich der Comedypreis immer als starke Marke präsentiert hat. Und wir arbeiten daran, dass er auch zukünftig eine wichtige Plattform der Comedybranche bleibt.

Mit wie vielen Zuschauern wären Sie als Geschäftsführer des Cologne Comedy Festivals für den Comedypreis 2020 eigentlich zufrieden?
Ehrlich gesagt, freue ich mich über jeden, der sich den «Deutschen Comedypreis» anschaut und damit die Botschaft mitnimmt: Ja, es ist momentan eine unruhige Zeit, aber wir dürfen auf keinen Fall unseren Humor verlieren!

Herr Günther, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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Neo
11.09.2020 15:56 Uhr 1
Fand ich auch sehr schwach. Dann nimmt man eben mal fünf Leute in eine Kategorie und schaut sich etwas um, anstatt nur die drei dominierenden Männer-Podcasts zu nominieren. Vielleicht schaffen sie es ja nächstes Jahr so eine Kategorie beizubehalten und das nicht nochmal zu separieren.

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