Hingeschaut

«Die! Herz! Schlag! Show!»: Die Rummelshow mit dem pochenden Puls?

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Eine Show, die Herzen höher schlagen lässt? Oder besteht noch Luft nach oben? Unser Kommentar zum «Die! Herz! Schlag! Show!»-Auftakt.

Bei ProSieben hat man sicherlich erleichtert aufgeatmet, weil man vor Monaten beschlossen hat, «Die! Herz! Schlag! Show!» nicht als Liveformat über den Äther zu jagen, sondern als Konserve vorzuproduzieren. Denn so hat der Münchener Sender unwissentlich dafür gesorgt, diesen Sommer neues Showmaterial senden zu können, in dem Promis teils sehr körperliche Spiele vor vollen Rängen spielen. Selbst jetzt, nachdem RTL und Oliver Pocher für die Corona-Kehrtwende gesorgt haben und Folgen mit kleinem Studiopublikum gezeigt haben, ist das immerhin ein erfrischender, ungewohnter Anblick. Und das verhilft diesem Showneustart zu einem zusätzlichen Besonderheitsfaktor, den er vor Corona nicht gehabt hätte.

Das Konzept hinter «Die! Herz! Schlag! Show!» ist eigentlich ganz simpel – so simpel, dass ähnliche Ideen bereits als Show-in-der-Show sowohl im «Neo Magazin Royale» als auch in «Die beste Show der Welt» gespielt wurden. Nur in kleinerer Form als hier: In «Die! Herz! Schlag! Show!» werden Promi-Teams neun Challenges gestellt, die sich irgendwie um ihren Puls drehen. Da wird bei einem Rückwärtsbuchstabierwettbewerb nicht nur die Zeit, sondern auch der Puls gemessen. Oder die Promi-Teams spielen Puste-Fußball – und nicht nur die Tore, sondern auch der Herzschlag sind von Bedeutung. Das würde in der Theorie zu Taktikschachzügen einladen, denn: Der niedrigere Durchschnittspuls zählt. Aber für erzielte Tore werden Herzschläge abgezogen. Da stellt sich die Frage: Ist es besser, sich reinzuhängen, oder sich zu entspannen und zu riskieren, dass die Gegner mehr Herzschläge abgezogen bekommen?

In der Praxis hat sich diese Taktikfrage erledigt: In der «Die! Herz! Schlag! Show!»-Premiere stellen sich Panagiota Petridou, Simon Gosejohann und Paul Janke dem Wettkampf mit Nico Santos, Lilly Becker und Mario Basler. Und beide Teams stürzen sich Hals über Kopf in alle Challenges, ohne jegliche strategische Überlegung – und teils auch, ohne das Spiel vor Beginn der Runde so richtig verstanden zu haben. Das sorgt zwar für ein paar gute Lacher (etwa, wenn die Promis das Spiel "Gleiche deinen Pulsschlag mit den Beats-per-Minute eines Songs an" mit einem "Erkenne den im falschen Tempo abgespielten Song"-Spiel verwechseln), hemmt aber das Spannungspotential. Da wird sich in kommenden Folgen zeigen müssen, ob andere Konstellationen für mehr Spannung sorgen.

Was «Die! Herz! Schlag! Show!» aber in jedem Fall zu bieten hat, ist ein sehr schönes, sich vom Showalltag abhebendes Bühnenbild in Rummeloptik (inklusive funktionierendem Karussell) sowie ein dazu passendes, edel-modernes On-Air-Design. Mit seinem Kontrast aus Neon-Blau und Neon-Pink vor der anderweitig dunkleren Ästhetik der Show setzen die Bildeinblendungen ansprechende Akzente. Der sehr positiv hervorstechenden Bildebene steht, zumindest beim Auftakt, jedoch ein Schönheitsfehler auf der akustischen Ebene gegenüber:

Mehrmals gibt Steven Gätjen aus dem Off zusätzliche Moderationskommentare, die hörbar erst später dazugemischt wurden. Das wirkt nicht nur aufgrund des ungleichen Tonbilds unrund, meistens sind die Kommentare zudem überflüssig – zumal es auch der Showdramaturgie eine uneinheitliche Wirkung verleiht, wenn es doch fast nie Kommentare während der Spiele gibt. Die Handvoll Kommentare, die sich in die Show gemogelt haben, wirken da geradezu irritierend. Das muss stimmiger werden.

Denn Gätjen passt sehr gut in dieses Format und versteht es, mühelos zwischen neckisch und strengem Spieleleiter zu switchen – ihn in der Postproduktion sporadisch noch ganz verloren zum Kommentator zu machen, ist überflüssig.

Bei einer etwaigen zweiten Staffel wäre es zudem wünschenswert, wenn sich die Spieleredaktion vielfältigere Spiele ausdenkt. Denn die Konzepte "Hier ist eine Aufgabe, und am Ende wird eurer Herzschlag mit einer Zeitstrafe verrechnet" und "Hier ist eine Aufgabe, und am Ende wird eure Zeit mit einem Malus für einen hohen Herzschlag verrechnet" bieten sich zwar für solch eine Show an – können bei Übergebrauch aber auch schnell eintönig werden. Um der Show Langlebigkeit zu verleihen, braucht es mehr solcher Aufgaben wie "Welches Promi-Paar bringt seinen Puls schneller in Einklang?" oder das schon besagte "Synchronisiere deinen Herzschlag mit einem Lied"-Spiel.

Solche Challenges bringen Abwechslung ins Spiel und vergrößern das Alleinstellungsmerkmal der Show, da es im deutschen Fernsehen viele Spielshows gibt, in denen schnell gepuzzelt oder korrekt buchstabiert werden muss. Doch Aufgaben, in denen der Puls nicht bloß irgendein den Punktestand beeinflussendes Element ist, sondern der Dreh- und Angelpunkt, sieht man in der deutschen Showlandschaft nur selten – wenn es nun schon eine Show gibt, die «Die! Herz! Schlag! Show!» heißt, sollte sie sich auch stärker auf dieses Element stützen. Auch wenn es die Redaktion gewiss vor kreative Herausforderungen stellt – mit ein paar "alltäglichen" Spielen lässt sich das Format ja immer noch strecken.

Eine letzte, brennende Frage, die sich bei dieser Produktion der Redseven Entertainment stellt: Sollte sie eine Konservenshow bleiben? Anders als etwa «Die beste Show der Welt» lebt sie nicht von derart komplexen Studiobauten, dass eine Liveversion logistisch völlig undenkbar wäre. Allerdings würde eine Liveversion vom Unberechenbarkeitsfaktor profitieren – und den Promis womöglich sogar einen zusätzlichen Nervositätspush geben und so noch mehr aus dem Puls-Gimmick holen.
Sollte «Die! Herz! Schlag! Show!» zur Livesendung werden?
Ja, auf jeden Fall!
44,5%
Ja, aber mit weniger Spielen.
10,4%
Nein, «Die! Herz! Schlag! Show!» sollte aus der Konserve kommen.
12,1%
Nein, das Konzept wird eh schon bald durch sein.
33,0%

Andererseits ist nun, basierend auf der Debütfolge, unklar, ob «Die! Herz! Schlag! Show!» einen Live-Showabend tragen könnte oder vielleicht lieber etwas kürzer und knackiger daherkommen müsste. Der womöglich ideale Kompromiss wäre natürlich, die Anzahl der Spiele pro Folge zu reduzieren und auf das Live-Element zu setzen. Oder aber ProSieben macht (im Falle, dass sich das überhaupt anbietet) weiter wie bisher und freut sich einfach darüber, wieder etwas für eine Programmlücke in der Hinterhand zu haben. Wir werden sehen.

«Die! Herz! Schlag! Show!» ist montags ab 20.15 Uhr auf ProSieben zu sehen.

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