Über etwas mehr als 20 Jahre durften Fans der einstigen Edel-Soap miterleben, wie in Düsseldorf gelebt, geliebt und natürlich leidenschaftlich intrigiert wurde. 2015 fiel dann endgültig die letzte Klappe. Und seitdem klafft in Daily-Deutschland eine Lücke.
Das Argument „Cast-Größe“ kann hier nur bedingt als Erklärung herhalten, da Branchenkenner stets betonen, dass ein festes Team aus 20 Schauspielerinnen und Schauspielern ideal für ein solches Format sei. Im Umkehrschluss würde dies bedeuten, dass sich die Zusammensetzung ändern müsste – und zwar auf Kosten einiger Akteure, die eben nicht der Uperclass angehören. Und diese Gruppe hat selbst «VL» nie zu sehr ausgedünnt. Sicherlich einerseits, weil die Macher in einem Kosmos, in dem Luxus in sämtlichen Facetten vorhanden ist, viel Wert darauf legen, diesen durch die Abbildung des „normalen Alltags“ vieler Menschen angemessen zur Geltung kommen zu lassen. Andererseits aber auch schlicht deshalb, weil ebenjene den Zuschauerinnen und Zuschauern ein viel größeres Identifikationspotenzial bieten. Und ja, schaut man in Kommentarbereiche auf Fanseiten, in Mediatheken oder unter Trailern fällt immer wieder auf, wie wichtig es für viele hierzulande ist, dass das Dargestellte in irgendeiner Form einen Realitätsbezug hat. Und dieser wäre in einer nahezu ausschließlich von Mitgliedern der feinen Gesellschaft handelnden Produktion weitaus schwieriger herzustellen.
Rückblickend ist es aber durchaus legitim, zu fragen, ob dieses Daily Drama, das so gut wie kein anderer deutscher Genrevertreter „Drama konnte“, nicht – spätestens, als sich abzeichnete, dass ein Aus ein durchaus realistisches Szenario war – hätte mutiger und mit mehr Risiko erzählt werden müssen. Immerhin wurde das Prinzip „Larger than life“ bei dieser Serie immer schon großgeschrieben. Warum es also nicht richtig ausreizen? So hätte auch der Letzte erkannt, wie klar sich «Verbotene Liebe» von den übrigen „Seifenopern“ abgrenzen lässt. Denn «Marienhof» war beispielsweise noch einmal bodenständiger als «Unter uns», «Alles was zählt» hat zwar die Steinkamps, allerdings auch sehr viel Sport, während «GZSZ» sich längst als „Großstadttitel“ etabliert hat. Die Unverwechselbarkeit des Formats durch etwa den Einbau einer weiteren reichen Familie, die nicht als schlichter Ersatz für die aktuelle (gängige Praxis bisher) gedacht war, wäre auf diese Weise noch mehr betont worden und hätte mutmaßlich nach einiger Zeit auch wieder zur „Relevanzsteigerung“ von «VL» geführt.
Als dann schließlich von Senderseite verlautbart wurde, sich von dem 18.00h-Platzhirsch ebenfalls von einst trennen zu wollen, mobilisierte dies noch einmal zahlreiche Fans und die zuständigen Kreativen bei UFA Serial Drama dazu, zu versuchen, das scheinbar Unvermeidliche doch noch abzuwenden. Und tatsächlich: Es gelang ihnen auf diese Weise, das eigentlich bereits besiegelte Ende dieser Ära immerhin hinauszögern zu können: Im Februar 2015 wurde aus der Daily nämlich eine Weekly. Der ohnehin schon im Vergleich sehr hochwertige Look wurde im Zuge dessen nochmals optimiert und es wurde fortan fokussierter erzählt. Das Ergebnis konnte sich definitiv sehen lassen und war ein klarer Schritt in die richtige Richtung, „All-in“ – im oben erläuterten Sinne – ging man jedoch auch diesmal nicht. Dass man sich angesichts der geringeren Schlagzahl in Zukunft aber noch das eine oder andere mehr als in der jüngeren Vergangenheit getraut hatte, ist nicht gerade unwahrscheinlich. Zu diesem Zeitpunkt war das Kind allerdings genau genommen längst in den Brunnen gefallen, denn Sendeplätze müssen bekanntlich „gelernt“ werden, und das ist bei einer wöchentlichen Ausstrahlung selbstverständlich anspruchsvoller als bei einer täglichen. Doch das eine, was «Verbotene Liebe» nicht mehr hatte, war Zeit, weshalb Ende Juni 2015 die endgültig letzte Folge 4664 ausgestrahlt wurde.
Sat.1 hat mit «Alles oder Nichts» einen ersten respektablen Versuch unternommen, eine Serie zu etablieren, die am ehesten als würdiger «Verbotene Liebe»-Nachfolger durchgehen würde – und ist aus unterschiedlichen Gründen, die noch zu bereden sein werden, damit gescheitert. Dennoch sollte man jeden, der auch nur mit dem Gedanken spielt, sich als Nächstes dieser Herausforderung zu stellen, gut zureden. Eine solche Produktion hat nämlich nach wie vor großes Potenzial, auch wieder verstärkt, jüngere Menschen zu erreichen – vielleicht aber eher auf einem der großen Streamingportale, die – Mediatheken und YouTube beweisen es (s. etwa «SdL») – für Daily-Formate wie geschaffen zu sein scheinen. 

• Marienhof • VL • Verbotene Liebe • Unter uns • GZSZ • Wer weiß denn sowas? • SdL • Gute Zeiten schlechte Zeiten • The Bold and The Beautiful • Reich und Schön • Alles oder Nichts • Alles was zählt
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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
19.11.2019 11:30 Uhr 1
Kann ich alles so unterschreiben.
Ich weiß noch genau, ich bin Anfang '13 bei VL ausgestiegen, es fiel ständig aus wegen Wintersport und war sowieso so öde, dass ich zu den uralt Listra-Wiederholungen um 18:00 Uhr auf One (oder damals noch Eins Festival) gewechselt bin, die waren spannender als VL und wenn dort VL-Wiederholungen gelaufen wären, hätte ich auch die lieber gesehen ...
Und als ich ausstieg, war Clarissa sogar noch dabei, aber es hat mich einfach nicht interessiert, da von Anfang an klar war, dass sich nichts an dem Gefüge in Düsseldorf ändern wird: Charlie war nicht mehr die treu ergebene Sidekick-Freundin, sondern hielt zu den Lahnsteins, Ludwig ließ sich natürlich auf seine alte Jugendfreundin Clarissa ein, was ihr wenigstens den verdienten Platz auf dem Schloß gesichert hätte und somit einen Platz an der Tafel neben Tanja und gerechterweise hätte man diesnal ja die für ne Zeit in Pause schicken und Clarissa gewinnen lassen können - aber neeeeiiiin, hier bleibt alles so wie es ist!
Die Autoren haben wirklich alles falsch gemacht und aufgrund ihrer Enkel konnte Clarissa eh die ganze Zeit nur mit angezogener Handbremse agieren ...
Nicht zu vergessen diese unsäglichen Telenovela-Paare wie die dicke Martha & Juri oder dieses 3er-Gespann mit der Brillenschlange und dem häßlichsten Model der Welt, Giselle