Die Kritiker

«Eichwald, MdB» - Staffel zwei

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Nach vier Jahren Pause geht die Satireserie «Eichwald, MdB» im ZDF weiter. Dieses Mal macht ein Doping-Skandal dem Titelhelden das Leben schwer.

Hinter den Kulissen

  • Regie: Fabian Möhrke
  • Drehbuch und Executive Producer: Stefan Stuckmann
  • Kamera: Tim Kuhn
  • Szenenbild: Myrna Drews
  • Kostüm: Leina Nienaber
  • Musik: Uwe Bossenz, Anton Feist
  • Schnitt: Thomas Krause
  • Redaktion: Daniel Blum
  • Produktionsfirma: Kundschafter Filmproduktion
2015 schickte ZDFneo mit «Eichwald, MdB» eine vierteilige Politsatire auf Sendung. In der ackert sich der frühere Politiker aus Leidenschaft, jetzt sich nur noch genervt durch das Geschäft schleifende Hans-Josef "Hajo" Eichwald durch ein Dickicht von Geklüngel, falschen Versprechungen und leerer Imagepflege. Die im hierzulande durch «Stromberg» popularisierten Mockumentary-Stil gehaltene Serie erhielt ein positives Presseecho, quotentechnisch war jedoch Luft nach oben. Die Köpfe hinter der Serie wollten gerne weitermachen, bei ZDFneo war man dagegen weniger interessiert, sah seine Zukunft in dramatischeren Serienformaten. Die in Staffel eins involvierte Redaktion 'Das kleine Fernsehspiel' war derweil interessiert, hatte aber nicht die Mittel für eine zweite Runde.

Nun, vier Jahre später, meldet sich Eichwald zurück. ZDF-Redakteur Daniel Blum und Reinhold Elschot, Leiter der ZDF-Hauptredaktion Fernsehfilm/Serie, ließen sich von den «Eichwald, MdB»-Verantwortlichen für neue Geschichten begeistern. Staffel zwei umfasst nun sogleich sechs Episoden zu je 30 Minuten, die neue Themen abdecken. Seit der ersten Runde von «Eichwald, MdB» kam es in der Bundesrepublik zu einem beängstigenden Aufschwung des Rechtspopulismus, und auch, wenn dieser nur gelegentlich in der Serie angerissen wird, so bleibt er Thema. Zu Beginn der ersten Folge muss sich Eichwald etwa für ein denkbar knappes Wahlergebnis rechtfertigen. Er meint, Wahlsieg bliebe Wahlsieg, muss sich aber anhören, dass man gegen fanatische YouTuber und vorbestrafte Rassisten ja wohl deutlicher gewinnen sollte als er es tat.

Damit bildet «Eichwald, MdB» einen Teil der betrüblichen Realität deutscher Politik ab: Die gemütlichen Alten sehen sich wie gewohnt an der Spitze, womit die Lage ja wohl in Ordnung sei – ignorierend, dass woanders mit Inkompetenz und Verlogenheit Hass erst geschürt und anschließend mit starken Wahlergebnissen belohnt wird. Auch die Besessenheit der Altpolitiker mit dem Thema Flüchtlinge wird mit einem Seitenhieb bedacht: In der einen Sekunde nutzt man sie, um humanitär auszusehen, in der nächsten lässt man sie fallen, weil man Stimmenverlust befürchtet, da man sich angeblich nicht um Deutsche kümmern kann, wenn man sich gerade Flüchtenden widmet.

Der rote Faden von «Eichwald, MdB» ist derweil ein Dopingskandal, der immer weitere Kreise zieht und Eichwald als Mitglied des sonst eher verschlafenen Sportausschusses erst amüsante mediale Aufmerksamkeit bringt, ihn dann aber mit dem Rücken zur Wand stehen lässt: Hinter vorgehaltener Hand will die Politik alles tun, um den Skandal schnell unter den Teppich zu kehren. Derweil wird aber Eichwalds Ehrgeiz, Ehrgefühl und Idealismus geweckt. Das mischt den erzählerischen Duktus der Episoden auf, lässt den faulen Maulhelden bei aller tumben Bequemlichkeit, die er so oft an den Tag legt, wieder ein Rückgrat entwickeln. Das verhindert, dass sich «Eichwald, MdB» in der längeren zweiten Staffel völlig abnutzt.

Dessen ungeachtet machen sich im Laufe der zweiten Staffel leichte Ermüdungserscheinungen breit: Die Figuren bleiben, von Eichwald abgesehen, zu oberflächliche Karikaturen, um diese Menge an Serienminuten zu schultern. Die Menschlichkeit der «Stromberg»-Figuren und die Blicke in kaputte Seelen, die die ProSieben-Kultserie ermöglichte, liegen weit, weit weg von «Eichwald, MdB». Das gut sitzende komödiantische Timing des Ensembles rund um Bernhard Schütz wird dadurch aber nicht geschmälert.

Durch den Ausstrahlungstermin nun, nach der Europawahl, kommt es beim Anblick der neuen «Eichwald, MdB»-Folgen übrigens auch zu bizarren Momenten. Dass sich die alte Politikriege in «Eichwald, MdB» vor rechten Hetzer-YouTubern fürchtet, ist eine kuriose Umkehr der Realität, in der die CDU neuerdings Dauerpanik vor YouTubern aus der politischen Mitte und der politischen Linken schiebt. Manchmal ist die Realität dann doch spitzfindiger als die Satire.

«Eichwald, MdB» ist ab dem 14. Juni 2019 immer freitags um 22.30 Uhr im ZDF zu sehen.

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