Hingeschaut

«Matchmakers» bei ProSieben: „Möchtest du gerne oder soll ich Hand anlegen?“

von   |  1 Kommentar

In einer neuen Datingshow werden Singles heimlich verkuppelt und sozusagen zu ihrem Glück gezwungen. Das klingt vielleicht befremdlich, ist in großen Teilen aber unterhaltsam und kurzweilig. Lediglich in der Postproduktion wurde die Sendung etwas zu radikal zusammengeschnitten…

Es ist schon verwunderlich, dass es in unserem Land überhaupt noch Singles gibt. Wer sein Glück im „echten“ Leben nicht findet, hat schließlich eine breite Auswahl an Partnerbörsen und Dating-Apps im Internet. Oder er geht ins Fernsehen. Wobei das im Fall der ProSieben-Sendung «Matchmakers - heimlich verkuppelt» so nicht ganz richtig ist. Schuld an ihrem Auftritt in dem neuen Format hat nicht Protagonistin Sarah selbst, sondern vielmehr ihre Freunde. Sie haben die Produktion auf ihre Single-Freundin aufmerksam gemacht.

Obwohl Sarah durchaus redegewandt ist und auch nicht gerade schlecht aussieht, ist sie seit längerer Zeit ohne Partner. Ihre Freunde wollen ihrem Glück nun auf die Sprünge helfen - gemeinsam mit ProSieben, der Produktionsfima FischWillWurm Media (war in der Vergangenheit unter anderem für «Global Gladiators» verantwortlich) und urlaubstracker.de. Der Reiseblog sponsert der Protagonistin der ersten Folge ein Wochenende in Paris für zwei Personen. Das ist einigermaßen bodenständig und damit auch ganz sympathisch.

Wen Sarah dazu mitnimmt? Genau das beantwortet die erste Folge von «Matchmakers», die mit einer Nettolaufzeit von rund 45 Minuten langenmäßig auch ziemlich angenehm geraten ist. In Einspielfilmen, die mit versteckter Kamera gedreht sind (und damit das auch der letzte Depp bemerkt, blendet ProSieben diesen Hinweis nochmal oben in der Ecke ein), wird Sarah in drei Situationen mit jungen Herrschaften konfrontiert. Sie alle haben im Vorfeld ihr Interesse bekundet, wurden von Sarahs Freundinnen aufgrund ihrer schönen Zähne (kein Scherz) auserwählt und wollen die Single-Lady nun gerne kennenlernen. Die wiederum weiß zu diesem Zeitpunkt noch nichts von ihrem Glück. Klingt seltsam, erweist sich aber als ziemlich unterhaltsam.

Im weiteren Verlauf konstruieren die Verantwortlichen Situationen, die unweigerlich zur Begegnung zwischen der Angebeteten und ihren Verehrern führen. Immer mittendrin im Geschehen ist der Moderator der Show, Ben Blümel. Der von ProSieben als „Dating-Komplize“ betitelte 37-Jährige begleitet die Situationen selbst in einem Nebenraum und moderiert die Sendungsteile im Studio. Weil die Postproduktion ihre Aufgabe offenbar sehr ernst genommen hat und viele Schnitte gesetzt hat, darf Ben allerdings nie allzu viel am Stück sagen.

Tatsächlich wurde die Sendung in der nachträglichen Bearbeitung wohl ordentlich zusammengekürzt. Das verleiht der Produktion auf der einen Seite zwar ein hohes Tempo, auf der anderen Seite will so aber keine echte Show-Atmosphäre aufkommen. Angesichts dessen wäre es womöglich klüger gewesen, wenn sich ProSieben das ziemlich lieblos hergerichtete Studio ganz gespart hätte. Viel passiert hier sowieso nicht - und optisch erinnert der Raum eher an die Garage aus dem Finale von «The Voice Senior» als an Glanz und Glamour. Dass die Qualität von versteckt gefilmtem Material nicht besonders hochwertig ist, liegt zwar in der Natur der Sache, fügt sich in diesem Fall aber gut ins allgemeine Bild der Sendung ein. Ein paar Ocken mehr hätte ProSieben an der einen oder anderen Stelle sicher ausgeben können.

Doch wenngleich «Matchmakers» nicht unbedingt etwas fürs Auge ist, bietet die Premiere immer wieder auch lustige und kurzweilige Momente. Gelungen sind den Verantwortlichen vor allem die Einspielfilme, die ohnehin den Großteil der Sendung ausmachen. Als Sarah vermeintlich zufällig die Geldbörse von Tennis-Coach Nils unter ihrem Stuhl findet und die darin liegenden Fotos betrachtet, strahlt sie nur so vor sich hin. „Okay, der ist cute“, bekennt sie wie aus der Pistole geschossen gegenüber ihrer eingeweihten Freundin. Die wiederum scheint mit ihren Mitstreitern eine gute Auswahl getroffen zu haben.

In der dritten Situation, während eines gemeinsamen Kochkurses, kommt es dann zu weiteren witzigen Dialogen. „Möchtest du gerne oder soll ich Hand anlegen?“, fragt etwa Sarah ihren Partner Sebastian bei der gemeinsamen Vorbereitung des Essens. Insgesamt läuft in jeder Situationen alles ziemlich glatt ab. Das wirkt in der Summe etwas überperfekt, aber immerhin gibt Moderator Benn auch selbst zu, dass der reibungslose Ablauf „teilweise etwas spooky“ ist. Dafür merkt man dem zweiten Date Franz durchaus seine Aufregung an. Am Ende der Sendung fiebert der Zuschauer sogar ein bisschen mit, für welchen der drei Herren sich Sarah entscheidet.

Unterm Strich kann die Premierenfolge von «Matchmakers» durchaus als gelungen bezeichnet werden. Das Format überzeugt mit launigen Einspielfilmchen und wortgewandten Akteuren vor der Kamera, die dem Konzept Leben einhauchen. Das lässt den Zuschauer mit der Zeit darüber hinwegschauen, dass die Sendung abseits der Einspieler eine Nummer zu stark zusammengekürzt wurde und das Studio auch ansonsten recht lieblos eingerichtet ist. Im Anschluss an das beliebte «Germany’s Next Topmodel» dürfte es die Sendung nicht allzu schwer haben, schließlich handelt es sich bei «Matchmakers» um kurzweilige Unterhaltung für das jüngere Publikum. Und genau das zieht Heidi Klum im direkten Vorfeld zuhauf an.

Drei weitere Folgen von «Matchmakers – heimlich verkuppelt» zeigt ProSieben an den kommenden Donnerstagen gegen 22.30 Uhr.

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Sentinel2003
22.03.2019 07:08 Uhr 1
Ich habe da mal kurz rein gesehen....einen wirklichen Sinn sehe ich in dieser Sendung irgendwie nicht. Da finde ich ja schon beinahe "take me out" auf RTL viel besser, obwohl manche Antworten der Lady's nsch "Oh mein Gott" regelrecht Schreien!

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