Die Kino-Kritiker

Drachen-Finale: «Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt»

von   |  1 Kommentar

Nach neun Jahren kommt nun das große Finale der «Drachenzähmen leicht gemacht»-Reihe, und es ist ein würdevolles sowie konsequentes.

Filmfacts «Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt»

  • Regie und Drehbuch: Dean DeBlois
  • Basierend auf der Kinderbuchreihe von Cressida Cowell
  • Produktion: Bonnie Arnold, Brad Lewis
  • Musik: John Powell
  • Schnitt: John K. Carr
  • Laufzeit: 105 Minuten
  • FSK: ab 6 Jahren
2010 flog mit «Drachenzähmen leicht gemacht» eine mit atemberaubendem 3D-Effekt ausgestattete, lustige wie auch berührende Fantasy-Abenteuergeschichte aus dem Hause DreamWorks Animation in die Kinos. In den USA zunächst verhalten angelaufen, kämpfte sich der Film auf den Schwingen hervorragender Mundpropaganda zu einem Einspielergebnis von 217 Millionen Dollar. Weltweit brachte es der hervorragend besprochene Animationsfilm auf fast 500 Millionen Dollar – ein neues Franchise wurde geboren, das unter anderem mehrere Kurzfilme und eine 118-teilige Serie umfasst. Im Sommer 2014 kam ein zweiter Kinofilm heraus, der zwar in den USA mit etwa 177 Millionen Dollar auf hohem wirtschaftlichen Niveau enttäuschte, weltweit kamen aber über 620 Millionen Dollar zusammen. Der US-Kassenschreck war überwunden, der dritte Teil wurde im Sommer 2016 endlich offiziell angekündigt. Und nun, im Winter 2019, gelangt er in unsere Kinos.

Während in unserer Welt seit Teil zwei rund viereinhalb Jahre vergangen sind, spielt «Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt» nur etwa ein Jahr nach seinem Vorgängerfilm. Jedoch sind die Figuren in der Zwischenzeit deutlich gereift. Hicks (dt. Stimme: Daniel Axt) ist Wikingerhäuptling der Drachen, Frauen und Männer des Dorfes Berk, und hat trotz einiger Selbstzweifel den Bogen schon halbwegs raus. Astrid (dt. Stimme: Emilia Schüle) steht ihm als tatenreiche Kämpferin dabei zur Seite, und das neckische Hin und Her zwischen ihnen ist auch längst vorbei: Astrid und Hicks sind in einer gesunden, geerdeten Beziehung angekommen, bloß die steten Andeutungen Grobians (dt. Stimme: Thomas Nero Wolff), sie sollten endlich heiraten, sind ihnen zu viel.

Gemeinschaftlich hat es sich Berk zur Aufgabe gemacht, sämtliche in Knechtschaft befindlichen Drachen zu befreien und gleichzeitig die immer mehr werdenden Feinde des Dorfes in die Flucht zu schlagen. Dabei ist die weise und strategisch vorausschauende Mutter Hicks', Valka (dt. Stimme: Martina Hill), eine wertvolle Hilfe. Und doch wird es für die Menschen und Drachen aus Berk einfach zu viel, vor allem, als sich der ruchlose Drachenjäger Grimmel (dt. Stimme: Lutz Riedel) in die Idee verbeißt, Hicks' geliebten Drachenkumpel Ohnezahn zu erlegen …

Ohne krampfhaft düster oder tragisch wirken zu wollen, ist «Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt» der reife, konsequente Abschluss der «Drachenzähmen leicht gemacht»-Saga. Der Drachen-Slapstick ist deutlich runtergefahren, was sich auch inhaltlich erklärt, da die Leute von Berk mit ihren Drachen zu einer eingespielten Einheit verschmolzen sind und zudem unsere handlungsrelevanten Figuren aus der Pubertät raus sind, weshalb sie nicht mehr so unbedacht agieren wie noch in Teil eins oder mitunter in Part zwei. Und die Nerv-Zwillinge Raffnuss und Taffnuss (dt. Stimmen: Britta Steffenhagen & Bico Sablik), reden zwar weiterhin gerne Stuss, aber ihre aggressiv-meckernde Art und ihr stets Ringen nach "kreativen" Beleidigungen haben sich verabschiedet.

Regisseur und Autor Dean DeBlois erhöht im Gegenzug das Fantasy-Abenteuerelement der «Drachenzähmen leicht gemacht»-Reihe. Die Leute von Berk müssen sich gegen verbissene Angreifer schützen, was in mitreißend inszenierte Kampfpassagen mündet, während derer die Kamera elegant durch die Schauplätze gleitet und DeBlois minutiös darauf achtet, dass wir trotzdem jederzeit wissen, wo wir uns gerade befinden. Darüber hinaus ist der Einfluss des legendären Kameramanns Roger Deakins durchweg zu spüren: Der Oscar-Gewinner, der bei der «Drachenzähmen leicht gemacht»-Reihe als visueller Berater dient, arbeitet häufig mit minimalen Lichtquellen, die allerdings sehr plangenau Akzente setzen, und so ist es auch in «Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt». Das Bild ist oft zu weiten Teilen in Nachtschwarz oder Nebelgrau gehalten, aber die Platzierung der Kamera und die intuitive Akzentsetzung durch die gegebenen Lichtquellen im Bild lenken das Auge sachte.

Wenn «Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt» dann mal seine in Erdfarben ruhende Farbästhetik verlässt, dann aber so richtig und es entsteht ein atemberaubendes Farb- und Lichterlebnis, das James Camerons biolumineszierende «Avatar»-Welt weit hinter sich lässt und für Teil zwei im Jahr 2020 (sofern er denn dann wirklich kommt) die Messlatte sehr hoch hängt. Aber auch abseits seiner vereinzelt auftauchenden Farbwunder ist «Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt» ungeheuerlich stark animiert: Haare wehen täuschend echt im Wind, die Kleidung der Berk-Wikinger ist erstaunlich detailgetreu, man glaubt in zahlreichen Szenen, man könnte Hicks durch seinen Bartflaum fahren – und dennoch kommt es nie zum sogenannten "Uncanny Valley"-Effekt. Denn die nahezu naturalistische Detailfülle geht gekonnt über in die weiterhin liebevoll-karikierten Figurendesigns und die cartoonig-ausdrucksstarke Mimik von Hicks, Astrid und Konsorten. Wenn Astrid und Hicks schwere Gespräche führen, sieht man ihnen förmlich jeden zwischen den Zeilen schwebenden Gedanken an.

Frei von Spaß ist die Abenteuergeschichte, die sich in ihrem emotionalen Kern sentimental damit auseinandersetzt, dass Hicks und Astrid lernen müssen, weitreichende Entscheidungen zu treffen, aber nicht. Wenn etwa Ohnezahn, der für den letzten seiner Art gehalten wurde, ein Weibchen kennenlernt und sich beim Paarungstanz völlig ahnungslos anstellt, ist die Bühne frei für den komödiantischen Höhepunkt dieser Filmreihe. Und selbst wenn «Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt» nicht ganz so viel Herz hat wie der Auftakt der Reihe, so ist er deutlich besser strukturiert als der etwas fahrige Mittelpart und obendrein ebenso majestätisch wie geradlinig-schlicht. Das, und auch die einmal mehr Gänsehautwirkung aufweisende Musikuntermalung von Komponist John Powell, machen «Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt» zu einem wunderschönen Abschluss dieser Drachen-Saga.

«Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt» ist ab dem 7. Februar 2019 in vielen deutschen Kinos zu sehen – in 2D und gelungenem 3D.

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Quotermain
04.02.2019 22:33 Uhr 1
Sorry OT, mal ne Frage, ich habe keine Ahnung wie ich von Toothless darauf komme...
Ich hätte einen Film für Dich.
Möchtest du den oder wer?
Ich mein als Rezension..zu schreiben.

https://www.rottentomatoes.com/m/what_men_want_2019

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