Serientäter

So wäre «Block B» weitergegangen

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Es war die härteste RTL-Serie der vergangenen Jahre: Die Knast-Saga «Block B», eine Adaption eines australischen Formats. In Deutschland hatte die Serie zwar flaue Quoten, aber dennoch eine treue Fanbase. Wir sagen, was in einer niemals realisisierten zweiten Staffel passiert wäre.

In der Spitze nur 13 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe – für damalige Verhältnisse war das zu wenig. Die von UFA Serial Drama produzierte Serie «Block B – Unter Arrest», die im Frühjahr 2015 donnerstags bei RTL lief, bekam keine zweite Staffel spendiert. Für die dennoch treuen Fans des Frauenknasts war dies sicherlich eine Enttäuschung, wurde doch in Deutschland niemals aufgelöst, wie die Geschichte um Hauptfigur Bea und den Mörder ihres Sohnes weiterging.

Wir erinnern uns noch einmal: Die erste Staffel folgte Figur Bea, die ins Gefängnis musste, weil sie versucht hatte, ihren sie quälenden Ehemann zu töten. Bea wird in der ersten Staffel eigentlich eher als Opfer und somit als nahezu unschuldig dargestellt. Hinter den Mauern der JVA Tempelhof hat sie eine große Gegenspielerin: Rita, die mächtigste Insassin, die lebenslang eingebuchtet ist. Ihre Vormachtstellung sieht die alternde Rita aber zunehmend bedroht – durch Chris und irgendwie auch durch Bea. Bea will sie eins auswischen, in dem sie ihren in Freiheit lebenden Sohn, einen Taugenichts, auf Beas Tochter ansetzt. Mit einem goldenen Schuss bringt er das unschuldige Mädchen um.

Und als Bea das erfährt, sieht sie rot. Im dramatischen Staffelfinale ermordet sie Rita. Nicht die einzige Tote in der ersten Staffel: Die Gefängnisleiterin der ersten Sendestunde, Petra Weissner, kam bei einem Aufstand ums Leben. Ebenfalls schon eingeführt in Staffel eins wurde die eher als schüchtern dargestellte Gefängniswärterin Vera, die in ihrem Kollegen Jan einen Verehrer gefunden hat.

Wie wäre die Geschichte weitergegangen?


Spannend, sehr spannend und äußerst vielschichtig. Da «Block B» in Staffel eins die Bücher des australischen Originals «Wentworth», das inzwischen auf sechs Staffeln kommt, übernommen hat, lässt sich recht einfach sagen, was mit Bea in der zweiten Staffel passiert wäre. Nach dem Mord an Rita weiterhin im Gefängnis sitzend, sinnt sie nach Rache. Doch ein erster Versuch den Mörder ihres Sohnes umbringen zu lassen, scheitert. So wird Bea zunächst mit dem Alltag im Gefängnis und in den kultigen grünen Klamotten konfrontiert. Zum Alltag gehört auch eine neue Gefängnisleiterin, die in Australien als strikt, skrupellos und nicht ganz astrein charakterisiert ist.

Sagen wir es so: Fergusson schreckt in der Original-Serie selbst vor Mord nicht zurück, wenn es ihrer Strategie und Taktik dient – und die ist, wie sie es sagt, immer dem großen Ganzen ausgerichtet. Die mächtigste Insassin wäre nach dem Tod von Rita Chris geworden. Chris ist sich aber der eigentlichen Überlegenheit von Bea durchaus bewusst, weshalb beide Figuren die kompletten Folgen der zweiten Staffel antagonistisch gegenüber aufgestellt sind. Fergusson, also die neue Chefin, würde Bea gerne als Chris‘ Nachfolger des internen Ranges sehen – und bietet ihr dazu auch diverse Anreize. Doch Bea agiert nicht schnell genug, weshalb Fergusson zwischenzeitlich erstaunliche Kurswechsel vollzieht. Erst gegen Ende, als Teil von Beas großem Plan, besiegt sie in einem brutalen Kampf ihre Konkurrentin – und kann, als sie verletzt ins Krankenhaus bringt, entkommen und den Mörder ihrer Tochter zur Strecke bringen. Mit einem Kopfschuss gerichtet, hat sie Blutrache ausgeübt und somit für weitere Jahre im Gefängnis eingecheckt.

Unter den Wärtern gab es durchaus spannende Entwicklungen. Es wurde mehr auf den Charakter der schüchternen Vera eingegangen. Es wird klar, dass diese stark von ihrer sterbenskranken Mutter gegängelt und tyrannisiert wird. Nicht zuletzt durch den Einfluss von ihrer Chefin Fergusson lässt sie ihre Mutter durch eine Überdosis an Morphium sterben – und kann sich somit der kritischen Einflussnahme entledigen. In Folge eifert sie dem klaren und strikten Auftreten ihrer Chefin nach. Die hat eigentlich ein großes Geheimnis. Zu Beginn ihrer Gefängniskarriere hatte sie – unerlaubter Weise – eine Affäre mit einer Insassin. Doch die Affäre endete, als sich ihre Liebschaft das Leben nahm, weil dieser ihr Kind weggenommen wurde. Der Sozialarbeiter von damals ist ein alter Bekannter: Er arbeitet jetzt als Wärter in der JVA (in Deutschland die Rolle Jan). Entsprechend hat Fergusson natürlich noch eine Rechnung offen und scheint es am Ende auch zu schaffen, dass dieser seinen Job verliert.

Interessant ist: «Wentworth» verlagert im Verlauf der Serie den Fokus mehr und mehr weg von Bea, hin zu Chris (heißt dort Franky), hin zu deren Schatten (die stark übergewichtige Boomer) und auch hin auf die Leitungsetage, wo mit Fergusson eine großartige Figur geschaffen wurde, für sie es kein schwarz und kein weiß gibt.

«Wentworth» ist und bleibt ein Ausnahmeprojekt, das auch der deutschen TV-Landschaft sehr gut zu Gesichte gestanden hätte. Wie schon in Staffel eins, sind die Geschichten rund um die eingebuchteten Frauen zwar immer wieder durchsetzt mit großer Wärme, grundsätzlich aber lassen sie in die Abgründe der menschlichen Seele blicken. Zudem gibt es etliche Szenen von Gewalt und Qual, die «Wentworth» schon zu einem alles andere als leicht genießbaren TV-Mahl machen. Und genau deshalb ist die Knast-Serie keine Mainstream-Kost, was RTL schnell merken musste.

Sky bietet alle bisher erschienen Staffeln von «Wentworth» an, linear bei Sky1, auf Abruf über Sky Go, Sky On Demand und auch Sky Ticket.

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