Die Kritiker

«Faktor 8 – Der Tag ist gekommen»

von

Story


Ein Flugzeug von Thailand nach München hat in dem Film «Faktor 8 – Der Tag ist gekommen» der ProSieben-„Thrill-Time“ eine grausame „Fracht“ an Bord. Ein unbekanntes, aggressives Virus, das seine ersten Opfer rasend schnell über dem Ozean tötet. Die Seuche fliegt auf Deutschland zu. Die Maschine befindet sich über dem Indischen Ozean, als das Gesicht einer Passagierin gelb anläuft. Sie atmet schwer und verlangt nach einem Arzt. Minuten später blutet sie und ist kurz darauf tot. Das unbekannte, aber äußerst aggressiv-tödliche Virus an Bord lässt noch weitere Fluggäste sterben.

Die thailändische Insel, von der das Flugzeug gestartet ist, wurde bereits nuklear vernichtet, um eine weltweite Seuche zu verhindern. Die Maschine erklärt nirgendwo Landeerlaubnis und muss auf einem alten Militärflughafen in Deutschland landen. Dort wird sie unter Quarantäne gestellt. Niemand darf das Flugzeug verlassen. Der Krisenstab und die Sicherheitskräfte sehen nur noch einen Ausweg: Das Flugzeug muss gesprengt werden, um eine weltweite Epidemie zu verhindern. Im Flugzeug weiß unterdessen niemand mit Sicherheit, wer das tödliche Virus in sich trägt. Auch Anne Hecker kämpft mit ihrer Tochter Julia um ihr Leben. Ihr Mann Gregor will seine Familie vor der Seuche retten und sie so schnell wie möglich aus der Maschine holen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, während die Forscher das Virus analysieren.

Darsteller


Muriel Baumeister («Bis in die Spitzen», «Der Alte») ist Anne Hecker
Oliver Mommsen («Der Kriminalist») ist Gregor Hecker
Emilia Schüle («Gangs») ist Julia Hecker
Noemi Matsutani («SOKO Stuttgart») ist Chefstewardess Petra
Max von Thun («Ein Sommer in Long Island») ist Peter von Dormagen
Marguerite Schumacher («SOKO 5113») ist Frau von Dormagen
Gesine Cukrowski («Licht über dem Wasser» ist Prof. Heike Ahlers
Peter Kiwitt («Betrogen bis zum jüngsten Tag») ist Dr. Reiter
François Goeske («Summertime Blues») ist Frank
Andre Hennicke («Pandorum») ist GSG-Mann Brandt
Jaymes E. Butler («Der Seewolf») ist Pascal
Bela Klentze («Der Alte», «Wege zum Glück») ist Stefan
Stephan Luca («Und plötzlich ist es Liebe») ist Peter Keller
Christian Blümel («Gangs») ist Toni
Joram Voelklein («Crashpoint – 90 Minuten bis zum Absturz») ist Ballauf
Lucie Muhr («Die Fallers») ist Dr. Überling
Frederic Welter («Beste Zeit») ist Micha

Kritik


Wieder einmal schickt ProSieben in seiner „Thrill-Time“ am Montagabend einen Katastrophenthriller ins Rennen. Und wieder einmal spielt das Szenario in einem Flugzeug. Überhaupt funktioniert «Faktor 8 – Der Tag ist gekommen» ganz ähnlich wie «Crashpoint – 90 Minuten bis zum Absturz». Ein Flugzeug, eine Katastrophe, kein Entrinnen für die Insassen. Schon am Anfang gibt es die ersten Opfer. Blut fließt, Menschen sterben, die Maschine kann nicht landen, Panik kommt auf. Eigentlich eine perfekte Ausgangslage für einen fesselnden Thriller. Doch ganz so einfach ist es scheinbar doch nicht.

Denn eine gewisse Erwartungshaltung ist nicht von der Hand zu weisen, wenn der Fernsehzuschauer sich einen Film auf einem Sendeplatz ansieht, der sich „Thrill-Time“ nennt. Zugegeben, Regisseur Rainer Matsutani, der schon «Das Papst-Attentat» und «Das Inferno» drehte, also dem Genre gar nicht so fern ist, kommt gleich zur Sache und bietet jede Menge Action - schon zu Beginn seines Films. Denn da ist das Katastrophenszenario schon entbrannt: Das Virus an Bord ist gemeiner sowie tödlicher als die Schweinegrippe und der blanke Horror. Schnell sterben die Menschen nach einander. Doch viel Blut allein reicht nicht für eine Atmosphäre, die den Zuschauer vom Hocker reißt.

«Faktor 8 – Der Tag ist gekommen» schafft es hin und wieder Spannung aufkommen zu lassen. Zum Beispiel dann, wenn den Insassen des Flugzeugs die Nerven blank liegen und sie fast schon regelmäßig aufeinander losgehen. Ansonsten ist aber vieles absehbar und typisch für solche Katastrophenfilme. Wie schon einmal gesehen, möchte man meinen. Da mag die Vorstellung eines tödlichen Virus, der von einer Urlaubsinsel nach Deutschland geschleppt wird, noch erschreckend sein. Auch mag dies in Zeiten der Schweinegrippe gar nicht so unrealistisch sein. Zumal das hoch aktuelle Szenario auf den neusten Erkenntnissen der Virusforschung beruhen soll. Aber man kommt bei der Produktion von Max Wiedemann und Quirin Berg, die in den Bavaria Filmstudios drehen, nicht umher sich wie in einem durchschnittlichen US-Streifen zu fühlen, der Insassen eines Flugzeugs foltert. Denn auch die Special Effects lassen dies vermuten. Doch immerhin haben die Produzenten Erfahrung in Katastrophenfilmen, was sich bei der Umsetzung ebenso zeigt. Langeweile kommt nicht auf, für Dramatik wurde immerhin gesorgt. Es gibt kein Entrinnen.

Auch nicht vor den abstrusen Einfällen und verrückten Dialogen, die das Drehbuch von Autor Benedikt Röskau, bekannt von «Nordwand», bereit hält. Auch da gibt es wieder Parallelen zu dem anderen Katastrophenfilm, der auf ProSieben lief: «Crashpoint». Denn bei dem Horrorszenario im Flieger dürfen die Klischees unter den Passagieren natürlich nicht unbedient bleiben. So gibt es unter den Charakteren die Helden, die Rebellen und die Mitläufer. Jeder wird auf seine Weise übertrieben, aber weniger glaubwürdig dargestellt. Als würde ein reicher Geschäftsmann doch tatsächlich in Endzeitstimmung die Anderen, die im selben Boot sitzen und mit dem Tod ringen, mit Geld bestechen wollen. Oder eine Gruppe Teenager eine Art eigene Quarantäne in Form des hinteren Flugzeugbereichs aufbauen und selektieren, wer da hinein darf. Genauso wie jene, die scheinbar alles mit sich machen lassen. Passend dazu sind die Dialoge zuweilen von sinnlos bis ordinär zu beurteilen. Im Mittelpunkt des melodramatischen Teils des Films steht Hauptfigur Anne Hecker, gespielt von Muriel Baumeister, die eine Ärztin an Bord spielt und ihren Mann Gregor, gespielt von Oliver Mommsen, der von Außen versucht seine Familie zu retten. Auch sie retten die schwache Entwicklung der Handlung nicht mehr.

Trotz der namhaften Besetzung mit Schauspielgrößen wie Max von Thun und Muriel Baumeister sind die Charaktere im Flugzeug allesamt weitgehend verschwendet worden. Dem Zuschauer wird in keiner Weise ein Zugang zu ihnen ermöglicht, vielmehr beobachtet man nur ihr Schicksal. Dagegen sind die Charaktere außerhalb des Flugzeugs, die Sicherheitschefs und Forscher, allen voran Andre Hennicke als GSG-9-Kommandeur, schon überzeugender, da zu ihnen gar keine Bindung nötig ist. Authentisch ist also nur das Szenario selbst, denn die Dreharbeiten fanden in der räumlichen Enge eines echten Flugzeugs statt. Bis zum Schluss bleibt in der Handlung des Films die Möglichkeit einer Vernichtung der Maschine offen. Eine düstere Option in einer finsteren „Thrill-Time“.

ProSieben zeigt «Faktor 8 – Der Tag ist gekommen» am Montag, den 05. Oktober 2009 um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/37603
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