Vier Jahre nach dem letzten «Hanni & Nanni»-Film wird Enid Blytons Kinderbuchklassiker unter dem Titel «Hanni & Nanni - Mehr als beste Freunde» erneut einer Verjüngungskur unterzogen.
Die Vorstellung, den Rest des Schuljahres im Internat zu verbringen statt daheim in Berlin, finden die Zwillinge Hanni (Laila Meinecke) und Nanni (Rosa Meinecke) mehr als uncool. Aber ihre Mutter Susanne (Jessica Schwarz) bleibt hart: Sie selbst ist beruflich unterwegs, und wenn Hannis und Nannis Vater Charlie (Sascha Vollmer) allein auf die Zwillinge aufpassen muss, kommt nur Chaos dabei heraus. So landen die beiden Mädchen im Internat Lindenhof. Die Zwillinge beschließen, so viel Unsinn wie möglich anzustellen, damit sie noch innerhalb der Probezeit wieder von der Schule fliegen. Doch dann findet Nanni unter den Reitschülerinnen neue Freunde und im Pferd Pegasus eine Aufgabe, während Hanni weiter an ihrem Rausschmiss arbeitet. Zum ersten Mal in ihrem Leben gehen die Zwillinge getrennte Wege. Als Hanni im Wald auf den grummeligen Godehard (Henry Hübchen) mit seinem Hund Lochness trifft, ahnt sie nicht, dass in Godehards Haus der Schlüssel zu dem Geheimnis versteckt ist, das den Lindenhof vor dem drohenden Verkauf bewahren kann…
Der das Geschehen dominierende Reitstall-Plot bringt das typische Abenteuer-Flair der Reihe mitunter fast zum Erliegen. Mit Ausnahme einiger wenig inspirierter Streiche, mit denen Hanni und Nanni ihre Mitschülerinnen gegen sich aufzubringen versuchen (Stichwort: Wasserhahn-Manipulation oder das Zusperren von Klassenzimmertüren), bleibt der Alltag am Mädcheninternat weitestgehend unberücksichtigt. Querelen zwischen vereinzelten Cliquen werden nur angedeutet, die besondere Strenge der Lehrerinnen beschränkt sich auf einige wenige Szenen im Büro der Direktorin und um ein Gefühl dafür zu bekommen, weshalb Hanni und Nanni hier unbedingt schnell wieder weg wollen, müssen lieblos inszenierte Bildmontagen herhalten, in welchen die Zeit an der Schule möglichst eintönig und langweilig dargestellt wird. Dass sich mit der Zeit aber auch Freundschaften entwickeln, wenn man offen auf sein Umfeld zugeht und die vorab gefällten Entscheidungen und Meinungen hinterfragt, macht den Weg für eine der wenigen gelungenen Erzählperspektiven frei, mit deren Hilfe «Hanni & Nanni – Mehr als beste Freunde» immerhin punktuell zu emotionaler Tiefe findet.
Dass einer der Zwillinge mit der Zeit Freunde findet und seine Meinung ändert, während der andere konsequent auf seiner Antipathie für das Internat beharrt, lässt einen spannenden Konflikt entstehen, der die Freundschaft zwischen Hanni und Nanni glaubhaft auf die Probe stellt. Leider macht Regisseurin Isabell Suda respektive ihr Autorenteam aus Katrin Milhahn («Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner»), Sandra Nettelbeck («Ich bin dann mal weg») und Antonia Rothe («Ente gut!») viel zu wenig aus dieser Ausgangslage und lässt ihren Film konsequent in schematischen Familienfilmbahnen verlaufen, bei denen ziemlich einfältig die Message vom Offensein für Neues dargeboten wird. Dass auf diese Botschaft vor allem die bislang noch wenig medienerfahrenen, jungen Zuschauer anspringen werden, die ohnehin der Zielgruppe des Filmes entsprechen, mag das Abschlussurteil noch abmildern. Gegensätzliches gilt allerdings für die lieblosen, keinerlei Mehrwert besitzenden Musical-Einlagen, bei denen sich die Macher überdeutlich am Erfolgskonzept der «Bibi & Tina»-Filme bedient haben – leider ohne zu berücksichtigen, dass bei Bucks Werken immer auch eine ordentliche Portion von zeitlosem Wahnsinn mit ihm Spiel war.

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