Vermischtes

Wenig Grund zur Freude für Handballfans während der WM

Die Handball WM wird nicht im Free TV übertragen. Fans, Spieler und Trainer sind über diese Entwicklung erbost. Der Aufmerksamkeit des Sports tut dieser Entwicklung nicht gut.

Die Tatsache, dass eine Handball-WM weniger Zuschauer anzieht als eine Fußball-WM mag niemanden unbedingt überraschen. Allerdings ist diese spezifische Weltmeisterschaft nicht einmal mehr im Free-TV zu sehen. Das trägt natürlich wiederum zu weiterem Schwund bei den Zuschau-erzahlen sowie bei der generellen Beachtung des Sports bei.

Deutschland mittlerweile aus der WM ausgeschieden
Das mag natürlich auch mit der Performance der deutschen Mannschaft selbst zusammenhängen, die im Achtelfinale ausgeschieden ist. „Die Handball Nationalmann-schaft stand vor der WM beo dem Wettanbietern noch hoch im Kurs. Doch sie enttäuschte nach dem Ausscheiden gegen Katar nicht nur ihre Fans, sondern auch die Sportwetter.“, so ein Sportex-perte von wetten.eu.

Sportwetten mittlerweile fester Bestandteil des Profigeschäfts
Sportwetten sind mittlerweile ein integraler Bestandteil des Leistungssports. Wettunternehmen sponsern nicht nur viele Turniere und Teams, sie generieren auch Aufmerksamkeit und machen das Sporterlebnis für viele Zuschauer sogar noch reizvoller. Gerade bei den Sportwetten bzw. beim Online-Sportwetten ist das Interesse in den letzten Jahren massiv angestiegen:

Jahr20122013201420152016
Wetteinsätze3,3 Mrd €3,6 Mrd €4,3 Mrd €4,6 Mrd €4,9 Mrd €


Tabelle: Wie zu erkennen ist, kann die Sportwettenbranche in Deutschland immer mehr Einsätze verbuchen.

Interesse der Deutschen an Handball stagniert
Eine Studie des ifD Allensbach bestätigte kürzlich aber, dass sich viele Menschen nicht für den Handballsport interessieren:

JahrInteressieren sich ganz besondersInteressieren sich nicht so sehrinteressieren sich gar nicht
20126,95 Millionen 18,11 Millionen 43,78 Millionen
20137,18 Millionen 17,87 Millionen 43,83 Millionen
20147,07 Millionen 17,43 Millionen 44,32 Millionen
20156,23 Millionen 16,94 Millionen 44,49 Millionen
20166,81 Millionen 17,49 Millionen 43,99 Millionen


Tabelle: Das Interesse der Deutschen am Handballsport ist durchaus konstant geblieben. Allerdings scheint dieses Interesse auch in den letzten vier Jahren mehr oder weniger zu stagnieren.

Warum ist der Handballsport nicht mehr so erfolgreich?
Eine Frage, die sich schwer beantworten lässt. Zumindest in diesem Jahr haben die Verhandlungen der TV-Übertragungsrechte sicherlich ihren Teil dazu beigetragen. Erst kurz vor Beginn des Tur-niers konnte sich nämlich das Kreditinstitut DKB (Deutsche Kreditbank Aktiengesellschaft) die Rechte sichern und Sender wie z.B. Sport 1 oder Sky mussten in die Röhre schauen. Auch mit den Öffentlich-Rechtlichen Sendern konnte man sich offensichtlich nicht einigen. Allerdings würde ge-rade eine Übertragung auf diesen Plattformen dem Sport und einem Handball WM-Turnier ein gewisses Maß an Legitimation und Beachtung im kollektiven Bewusstsein der deutschen Zuschau-er bescheren. Dies haben die Zuschauerzahlen der Handball-EM zuletzt eindrucksvoll bewiesen:



Warum wird die Handball WM nicht im Free TV übertragen?
Aktueller Rechteinhaber ist der Al-Jazeera-Ableger BeIN Sports. Dieser ver-langte allerdings, dass das TV-Signal für die Live-Übertragungen vom Turnier in Frankreich für Satelliten-Nutzer verschlüsselt wird. Für viele Zuschauer mit einem Satellitenempfang wäre das natürlich katastrophal, ärgerlich und vor allem technisch unmöglich. Schließlich handelt es sich allein in Deutschland um etwa 18 Millionen Haushalte, die einen Satellitenanschluss besitzen.

Marktpotenzial ist vorhanden
Dabei ist der Markt groß und ein Anreiz für Zuschauer gegeben. Auch die durchaus beliebte deut-sche Handballmannschaft hätte als amtierender Europameister ein großes Publikum angezogen. Allerdings standen dem Zuschauerspaß und der Freude am Sport am Ende wieder die Geldgier im Wege.

Rechte-Inhaber nicht erreichbar
Dabei waren ARD und ZDF sehr an den Übertragungsrechten interessiert, konnten allerdings nicht mit den aktuellen Rechteinhabern in Kontakt treten. Auch für eine öffentliche Stellungnahme oder gar für eine Rechtfertigung dieses Vorgehens war BeIN Sports nicht bereit. Die Öffentlich-Rechtlichen Sender stehen ebenfalls in der Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, die Verhandlungen nicht hart genug geführt zu haben, wie es z.B. oft bei den Fußball-Übertragungsrechten der Fall ist. Immerhin konnte man sich im Free TV und bei Sky über Highlight-Berichterstattungen freuen.

Wo kann man die Handball WM live streamen?
Schon zur WM 2015 gab es ähnliche Probleme bei den Verhandlungen. Letztendlich konnte der Pay-TV-Sender Sky noch rechtzeitig einspringen. Aber selbst den Sky-Zuschauern bleibt in diesem Jahr der Zugang zum Turnier verwehrt. Zwar werden nicht alle Sportfans das Internet nutzen, um sich regelmäßig Sportevents anzusehen, im Falle der Handball WM gibt es allerdings keine andere Möglichkeit. Schon im Vorfeld wurde viel spekuliert, welche Internetanbieter dafür in Frage kommen könnten. Zunächst hoffte man auf die Internetplattform Sportdeutschland.tv, an der auch der Deutsche Olympische Sportbund beteiligt ist. Letztendlich waren die Spiele auf der Webseite handball.dkb.de zu sehen.

Warum die Übertragung mittels Livestream problematisch ist
Auch wenn die Verhandlungen zumindest für deutsche Handballfans ein glimpfliches Ende nah-men, bringt die Übertragung per Livestream einige Probleme mit sich:

• in Zusammenarbeit mit YouTube und Google mussten technische und finanzielle Investitionen getätigt werden, um eine reibungslose Übertragung garantieren zu können
• deutsche Sportjournalisten können keine klassische Berichterstattung von dem Turnier liefern
• nicht jeder Handball-Fan hat einen entsprechenden Breitband-Anschluss zur Verfügung
• Journalismus kann schnell durch PR ersetzt werden
• insbesondere ältere Handball-Fans können wenig mit der Livestream-Technologie anfangen

Harsche Kritik am Übertragungschaos von Spielerseite
Eine äußerst ärgerliche Situation, die verständlicherweise auf harsche Kritik stieß. So fand Handball-Nationalspieler Patrick Groetzki bei einem Interview mit dem Mannheimer Morgen sehr deutliche Worte: „Das ist eine beschissene Situation und schlecht für unsere Sportart, wenn ein Jahr mal einfach so wegfällt, man nicht im Fernsehen zu sehen und nicht präsent ist.“ „Präsenz“ ist wohl das entscheidende Stichwort hier. Denn wenn die nicht vorhanden ist, kann es auch das spannendste Sportturnier mit den fähigsten Spielern recht schwer haben, öffentliche Aufmerksamkeit zu generieren.

Wie sieht die Zukunft des Handballs im Fernsehen aus?
Die WM ist schon seit dem 29. Januar wieder vorbei. Wie es beim nächsten Turnier aussieht, ver-mag noch niemand so genau zu sagen. Die Zukunft ist jedenfalls ungewiss. Klar ist, dass der Rech-teinhaber aus Katar diese seit 2014 inne hat, diese aber 2017 auslaufen werden. Immerhin ist auf nationaler Ebene ein Silberstreif am Horizontin Sicht. Ab dem 1. Juli 2017 teilen ARD, ZDF und Sky die Übertragungsrechte folgendermaßen unter sich auf:

• das Erste wird bis zu 12 Bundesligaspiele pro Saison ausstrahlen
• ZDF ist für die Highlight-Berichterstattung zuständig
• Sky wird die Live-Übertragung bzw. -Berichterstattung übernehmen

Kurz-URL: qmde.de/91338
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