Regisseur Laurent Tirard treibt den Gedanken um unser alle Bemühen um eine positive Außenwirkung auf die Spitze und lässt in «Mein ziemlich kleiner Freund» eine große Frau einen kleinen Mann daten.
Diane (Virginie Efira), Anwältin und Single, erhält eines Abends einen unerwarteten Anruf. Am anderen Ende der Leitung: Alexandre (Jean Dujardin), ein charmanter Architekt, der von ihrem Handy aus anruft, welches sie in einem Restaurant hat liegen lassen. Nach einer kleinen Plänkelei willigt Diane gerne in ein Treffen zur Übergabe ein. Doch die Verabredung nimmt eine so nicht erwartete Wendung. Denn als Diane im Restaurant auf Alexandre trifft, steht vor ihr: ein Winzling, gerade mal knapp 1,40 m groß! Nachdem dieser allerdings so unbeschwert mit seiner „Größe“ umgeht und sie auf die verrücktesten Dates entführt, weicht bei Diane der anfängliche Schock einer großen Sympathie für diesen Mann. Und der Sympathie folgt Liebe. Dianes Umfeld jedoch reagiert konsterniert auf das ungleiche Paar. Und am Ende stellt sich die Frage: Besitzt Diane die Größe, die Skepsis der Umstehenden zu ignorieren und auf ihr Herz zu hören?
Auch die Handlung wird über weite Strecken von Efira getragen. Die charismatische Belgierin legt sichtbar viel Leidenschaft in die Verkörperung ihrer von Gewissensbissen geplagten Rolle, für die das Skript einige Stolpersteine parat hat. Die Annäherungsversuche zwischen Diane und Alexandre zeichnet Tirard behutsam und liebevoll; gleichsam platziert er einige schmerzhafte Konfrontationen mit dem durchaus als Problematik verstandenen Kleinwuchs der männlichen Hauptfigur. Als Diane und Alexandre beim gemeinsamen Spazierengehen eine Frau mit ihrem Sohn treffen und die beiden Jungs denselben Pullover tragen, ist das nur auf den ersten Blick lustig. Diesem Moment wohnt eine Tragik inne, die wie viele andere Szenen in «Mein ziemlich kleiner Freund» auch ganz nebenher zeigt, wo die Gesellschaft nicht mitdenkt, sobald ein Mensch nicht der vermeintlichen Norm entspricht. Dabei sind die irritierten Äußerungen von Dianes Umfeld noch das geringste Problem. Schon die Größe herkömmlicher Möbel stellt Alexandre hier und da vor Problemen, aus denen der selbstbewusste Mann eigentlich nie welche macht. Erst die Erkenntnis darum, dass all den Dingen, die das junge Paar tut, eine gewisse Form der leichtfüßigen Selbstverständlichkeit fehlt, verleiht der Komödie tragische Facetten.
Trotzdem ist «Mein ziemlich kleiner Freund» über weite Strecken äußerst unterhaltsam geraten. Die Lovestory kommt mit einem richtigen Maß an Drive daher (schon anhand der Eröffnungsszene, in der Diane und Alexandre übers Telefon flirten, legt absolut glaubhaft nahe, weshalb die junge Frau dem Mann Hals über Kopf verfällt) und die zwischendurch eingestreuten Zweifel geben dem Ganzen die notwendige Tiefe. Einige Running Gags wie etwa Alexandres andauernde Konfrontation mit einem ihn mehrmals über den Haufen rennenden Hund wirken derweil nur allzu deplatziert in dem ansonsten so subtil erzählten Film. Darüber hinaus zeigt sich Laurent Tirard auch im effekthascherisch inszenierten Finale nicht mehr mit dem Fingerspitzengefühl ausgestattet, durch welches sein Film vorab punkten konnte. So bleibt am Ende hauptsächlich die Frage stehen, weshalb noch nicht einmal für so einen Film die marketingtaugliche Wirkung nach außen ignoriert werden kann. Sicherlich lässt sich mit einem Jean Dujardin besser werben. Doch gerade die (zugegebenermaßen recht simple) Botschaft, dass es auf die inneren Werte ankommt, führt Tirard mit seiner Wahl eines Hollywoodbeaus in der Rolle eines Kleinwüchsigen doch irgendwie ad absurdum.

• Birnenkuchen mit Lavendel • Der kleine Nick • Der kleine Nick macht Ferien • Mein ziemlich kleiner Freund • The Artist
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