Ewan McGregor und Naomie Harris machen in «Verräter wie wir» gemeinsame Sache mit einem finster dreinblickenden Russen. Herausgekommen ist dabei ein interessanter Politthriller der ganz ruhigen Sorte.
Der Oxford-Dozent Perry (Ewan McGregor) verbringt mit seiner Frau, der Anwältin Gail (Naomie Harris), einen romantischen Urlaub unter Palmen in Marrakesch. Dort lernen die beiden den zwielichtigen Russen Dima (Stellan Skarsgård) kennen. Nach einer wilden Party offenbart Dima seinem neuen Freund Perry ein ernsthaftes Problem: Als Geldwäscher der russischen Mafia trachten ihm Killer nach dem Leben. Dima will nach England überlaufen – und der unauffällige Perry ist dafür die perfekte Tarnung. Als der britische Geheimagent Hector (Damian Lewis) auf den Plan tritt, geraten Gail und Perry zwischen die Fronten – und in eine Hetzjagd über Paris und London bis in die Schweizer Alpen, bei der am Ende niemand mehr dem anderen trauen kann.
Was schon Rachel McAdams in «A Most Wanted Man» über sich ergehen lassen musste, müssen nun auch die Figuren von Naomie Harris und Ewan McGregor durchleben. Alsbald werden sie Teil eines mörderischen Komplotts, bei dem die Grenzen zwischen Gut und Böse eigentlich klar auf der Hand liegen. Doch John le Carré ist dafür bekannt, derartige Klarheiten immer wieder als lediglich vermeintlich zu enttarnen. Er entlässt seine Figuren zwischen die Stühle respektive zwischen die ermittelnden Agents und den undurchsichtige Pläne durchführenden Dima. Obwohl das Erzähltempo von «Verräter wie wir» eigentlich recht gediegen daherkommt und auf der Leinwand visuell wenig passiert (selbst eine Verfolgungsjagd in einem Museum lässt die Regisseurin so unspektakulär geschehen, dass «Verräter wie wir» mit einem typisch auf Adrenalinkick getrimmten Hollywoodthriller absolut nichts gemeinsam hat), besticht der Film durch eine angenehme Kurzweil. Der Grund dafür ist simpel: Durch die zu Beginn noch fast ein wenig unnötig anmutende, äußerst intensive Auseinandersetzung mit den Figuren liegt uns sowohl der Verbleib von Dima, als auch der von Perry und Gail am Herzen. Bisweilen gewinnt man fast den Eindruck, sollte hinter Dimas im Kern so freundlicher Attitüde doch ein ausgeklügelter Plan mit Verrat an den Helfern stecken, würden wir es seiner Figur – gerade im Hinblick auf seine dramatische Familiengeschichte – verzeihen. Natürlich sei an dieser Stelle nicht verraten, wer schlussendlich welche Pläne verfolgt. Nur so viel: Wer sich einen klassischen Whodunit-Fall im gängigen Krimi-Stil erhofft, der ist mit «Verräter wie wir» nicht gut bedient. Hier geht es nicht um das „Wer?“, sondern um eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem „Warum?“.
Leider ist «Verräter wie wir» zum Schlussakt hin aber auch erstmalig ein klein wenig zu standardisiert, um einen ähnlich bleibenden Eindruck zu hinterlassen wie zuletzt etwa «A Most Wanted Man». Auch Susanna Whites Film hält gen Ende noch eine ordentliche Überraschung für den Zuschauer bereit. Allerdings lässt sie die Hauptfiguren vorab ein Szenario durchleben, in dessen Rahmen sie auf einige abgestandene Momente setzt, die in so ziemlich jedem klassischen Agententhriller des modernen Kinos auftauchen. Damit geht unter anderem ein ziemlich plötzlicher Charakterwandel von Hauptfigur Perry einher, bei dem es einzig und allein Ewan McGregors feinfühliger Annäherung mit seinem Charakter zu verdanken ist, dass man ihm diesen abkauft. Hier verkauft sich «Verräter wie wir» leicht unter Wert; der Film hat eine derartige Effekthascherei kaum nötig. Funktioniert er in den zwei Stunden davor doch auch ganz hervorragend über die bedrohliche, undurchsichtige und zu jeder Zeit für eine 180-Grad-Wendung bereite Atmosphäre, die von den ruhigen dunklen Bildern von Anthony Dod Mantle («Im Herzen der See») und dem minimalistischen Score von Marcelo Zarvos («Der Dieb der Worte») unterstrichen wird.

• A Most Wanted Man • Age of Ultron • Dame König As Spion • Der Dieb der Worte • Der ewige Gärtner • Die Firma • Die zwei Gesichter des Januars • Drive • Eine zauberhafte Nanny • Im Herzen der See • James Bond 007 • James Bond 007: Spectre • Jane Got a Gun • Kein Ort ohne Dich •
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