Ist es ein gutes Zeichen, dass der Regisseur des Originals auch die Serienadaption selbst betreut? Antje Wessels hat «From Dusk Till Dawn» gesehen und weißt die Antwort.
Eines ist sicher: Wer sich vom Kurzgeschichte-Roman-Vergleich abschrecken lässt, weil er befürchtet, im Rahmen einer lang gezogenen Serie würde die Würze innerhalb des Mann-kämpft-gegen-Vampir-Konflikts verloren gehen, der irrt zumindest im Falle von «From Dusk Till Dawn» gewaltig. Es ist nicht nur die Erzählweise aus Rückblenden und linearem Voranschreiten, durch welche schon die erste halbe Stunde der Serie einen hervorragenden, da äußerst kurzweiligen Einstieg in die Handlung bietet. Dadurch, dass man sich dazu entschloss, die bekannte Geschichte nochmal als Serie zu inszenieren, haben Robert Rodriguez und seine Kollegen viel mehr Möglichkeiten, sich mit den Figuren auseinanderzusetzen. Was im Film nur angedeutet wird, erhält im TV-Format ausführliche Betrachtung. Wer sind die beiden Brüder? Was treibt sie an? Was macht sie so gefährlich und was steckt hinter Richards unheimlichen Visionen? D.J. Cotrona («G.I. Joe – Die Abrechnung») und Zane Holtz («Vielleicht lieber morgen») verlassen sich bei ihrer Performance nicht auf das Terrain, das bereits von ihren filmischen Vorgängern George Clooney und Quentin Tarantino abgegrast wurde. Ihre Interpretation ist (zwangsläufig, da viel mehr Zeit mit einer Auseinandersetzung mit den Figuren verbracht werden kann) feiner, detaillierter und dadurch ungemein subtiler. Gewiss: Auch seriell ist «From Dusk Till Dawn» kein Charakterkino. Zur reinen Vampiraction verkommt das Format dann aber doch nicht.
Was die beiden verschiedenen Formate – Film und Serie – dann aber doch gemeinsam haben, ist ein zu Recht mit einer FSK-Freigabe ab 18 belegter Umgang mit körperlicher Gewalt. Ähnlich des Leinwandvorbildes geht es auch in der Serie recht flott zur Sache. Einige ikonische Szenen wie die durchschossene Handfläche eines der Gecko-Brüder wurden gar 1:1 übernommen. Trotzdem macht «From Dusk Till Dawn» 2015 alles in allem einen wesentlich hochwertiger produzierten Eindruck. Der kultig-schäbige Trashlook des Originals geht der Serienadaption vollends ab. Wie sehr das die Fans des Filmes stört, ist an dieser Stelle wohl Geschmackssache. Gleichwohl bleibt festzuhalten, dass es bei einer Neuausrichtung wohl kaum umgänglich war, den technischen Zeitgeist von heute unberücksichtigt zu lassen. «From Dusk Till Dawn» ist für ein TV-Format von heute immer noch erstaunlich dreckig, lässt dabei aber einiges an Authentizität vermissen. Das macht die Serie dafür auf anderer Ebene wieder wett. Die Rede ist von der Interaktion der Gecko-Brüder, die sich auch in der deutschen Synchronfassung noch erstaunlich nah am Original befindet. Die flotten Sprüche und wüsten Beschimpfungen, die Seth und Ritchie vom Stapel lassen, funktionieren sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch hervorragend. Rodriguez macht keine Gefangenen und lässt jeden in «From Dusk Till Dawn» so unverblümt fluchen, wie man es sich mit einem R-Rating in den USA eben erlauben kann. Das gefällt und verleiht der Serie viel von dem kodderschnäuzigen, aber auch schwarzhumorigen Flair des Originals. 

• Die Abrechnung • From Dusk Till Dawn • G.I. Joe • G.I. Joe – Die Abrechnung • Vielleicht lieber morgen
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05.05.2016 18:26 Uhr 1