Mit Gottes Hilfe: In «Captive» gehen ein Mörder und eine Drogenabhängige eine schwer durchschaubare Beziehung ein. Basierend auf einer wahren Geschichte.
Dank Filmen wie «Die Passion Christi», «Den Himmel gibt’s echt» oder «Gespräche mit Gott» hat sich dem US-amerikanischen Kino eine ganz neue Zielgruppe erschlossen. Die Rede ist vom aktiv seinen christlichen Glauben auslebenden Publikum, das Kirchen-Kitsch ebenso wenig hinterfragt, wie religiöse Propaganda. Der Trailer von «Captive» ließ den potenziellen Zuschauer nicht im Unklaren darüber, dass man es hier mit ebensolchem Stoff zu tun bekommt. Die Frage war nur, wie radikal die Richtung sein würde, die Regisseur Jameson einschlägt. Die Antwort darauf erstaunt ein wenig: Von jedweder Form der christlichen Radikalität sagt sich «Captive» von Anfang an los. Mehr noch: Drehbuchautor Brian Bird («The Ultimate Life») hat in der Vergangenheit zwar schon so einige Drehbücher zu derartigen Glaubensfilmen beigesteuert, seine neueste Arbeit präsentiert sich auf diesem Gebiet allerdings als harmlos. Zwar basiert «Captive» auf den Memoiren der Hauptfigur Ashley Smith, die selbst aktive Christin ist und in ihrem Buch „Der unverhoffte Engel“ von der Geiselnahme berichtet, in die sie im Jahre 2005 verwickelt war. Doch das Skript setzt nur in wenigen Momenten auf die Erwähnung von Ashleys religiös motivierter Taten. Das mag daran liegen, dass die Protagonistin zum Zeitpunkt der Filmereignisse noch gar keinen aktiven Glauben besaß. Stattdessen erwies sich jenes Entführungsszenario als entscheidendes Moment für die einst drogenabhängige Mutter, ihr Leben neu zu ordnen und fortan nach christlichen Werten zu führen.
Mit Anleihen an das Stockholm-Syndrom, in welchem sich ein Entführungsopfer mit der Zeit in seinen Entführer verliebt, spielt «Captive» mit den Erwartungen des Zuschauers. Ohne das Wissen um den Ausgang der Geschichte inszeniert Jameson zwar weitestgehend genrekonform, aber immer auch offen. Worauf genau seine Story hinausläuft, darüber lassen die Macher ihr Publikum lange im Unklaren. Die Inszenierung lässt sowohl ein positives, als auch ein negatives Ende zu, die aufgrund ihrer unterschwelligen Religionsthematik gar Platz für mythische Einschübe böte. Doch Jameson konzentriert sich ganz auf das zwischenmenschliche Drama. Jenes gewinnt vor allem aufgrund der beeindruckenden Leistung von David Oyelowo an Substanz, doch leider ist Kate Mara mit ihrer gelangweilten Attitüde kein ihm ebenbürtiger Gegenspieler. Die Entwicklungen zwischen den beiden Figuren sind zwar interessant, aber Mara kann die emotionalen Fallhöhen ihrer Figur spielerisch nicht untermauern. Interesse an ihrer Figur kommt kaum auf. Stattdessen liegt der Fokus von «Captive» auf dem Bösewicht. Die Grenzen zwischen Pro- und Antagonist gestaltet das Skript fließend. Dass Brian Nichols im richtigen Leben tatsächlich mehrere Menschen ermordet hat, rückt immer mal wieder in den Hintergrund, wenn «Captive» die menschliche Seite der Figur hervorhebt. Da der Film die Taten Nichols‘ nicht beschönigt, erweist sich diese Erzählrichtung als interessant. Insgesamt ist «Captive» jedoch ziemlich ecken- und kantenlos.
Dies liegt vor allem an der trägen Inszenierung. Obwohl das Drehbuch zwei Handlungsschauplätze eröffnet und neben den Geschehnissen in der Wohnung auch die Ermittlungsarbeit der Cops thematisiert, fehlt es «Captive» an der notwendigen Dynamik, um den Zuschauer dauerhaft bei der Stange zu halten. Wenngleich all die Ereignisse auf wahren Gegebenheiten beruhen, so könnte Hollywood die Geschichte doch besser nicht erfinden. In mehreren Szenen legt Jerry Jameson einen verklärenden Blick auf die Realität an den Tag. Die weichgezeichnete Bildsprache (Kamera: Luis David Sansans) und der säuselnde Soundtrack, dessen Abschluss mit seinem Kirchenchoral klischeehafter kaum sein könnte, untermauern die ungenaue Inszenierung, bei der nicht eindeutig ersichtlich wird, ob es Jameson denn tatsächlich darum ging, den Opfern ihr Tribut zu zollen, oder das Verbrechen eben doch nur als Aufhänger einer kirchlichen Selbstbeweihräucherung benutzt. Vermutlich liegt die Antwort irgendwo in der Mitte. Der wichtigste Faktor ist aber: Bei all diesen Kritikpunkten ist «Captive» die meiste Zeit über durchaus sehenswert, woran allen voran David Oyelowos Schauspielleistung Schuld ist. Auf der Kinoleinwand muss das Krimidrama allerdings nicht zwingend genossen werden. Ein Gang in die Videothek reicht bei dieser ungewöhnlichen Produktion allemal. 

• Captive • Den Himmel gibt’s echt • Der Marsianer • Die Passion Christi • Fantastic Four • Gespräche mit Gott • House of Cards • Selma • The Cabin in the Woods • The Ultimate Life • Walker Texas Ranger
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