Der Showmaster beklagt Innovationsarmut im Unterhaltungsfernsehen und hofft auf ein Format, über das alle am nächsten Tag sprechen - wie einst bei «Wetten, dass..?». Aber ist ein solches Format heute überhaupt noch realistisch?
Frank Elstner, Erfinder und erster Moderator der Wett-Show, war schon immer Pionier deutscher TV-Unterhaltung. In der Branche kennt man ihn als jemanden, der süchtig nach neuen Bildschirm-Ideen ist, der sich weltweit auf die Suche begibt nach neuen Formaten. Seine Worte haben Gewicht. Es ist wenig überraschend, dass ein Interview in der Zeitschrift „Fernsehwoche“ zuletzt so viele Schlagzeilen machte: „Moderator rechnet mit TV-Showbranche ab“ und „TV-Urgestein Frank Elstner klagt über die Showkrise“ waren nur einige der Überschriften, die man lesen konnte. Elstner beklagte vor allem die Risikoarmut der Sender, etwas Neues auszuprobieren: „Um den Nachwuchs an Moderatoren mache ich mir keine Sorgen, aber tatsächlich darüber, dass im Fernsehen die falschen Formate aufgelegt werden.“ In den letzten Jahren sei sehr wenig Überzeugendes auf den Markt gekommen. Shows wie «Let's Dance» oder «The Voice of Germany» hätten zwar Höhepunkte, „aber ein richtig tolles Ding, über das alle Leute am nächsten Tag sprechen, das fehlt“, so Elstner.
Es sprechen mehr Aspekte für das zweite Szenario als für das erste. Zwar gibt es Fernsehmärkte, die gute Konzepte entwickeln, aber in jüngerer Zeit funktionierten groß angekündigte Hits selten überall – anders als damals bei «DSDS». Auch Elstner erwähnt Formate aus Italien, „bei denen ich herzhaft gelacht habe. Ich kann mir vorstellen, dass das eine oder andere auch hier ein Erfolg werden könnte.“ Auch der japanische Markt bietet mehr und mehr massenkompatible Ware: Zum Beispiel eine Fernsehshow namens «Fake Reaction», die bereits nach Großbritannien exportiert wurde oder die bei Syfy untergekommene Gameshow «Exit». Beide wurden jedoch bereits abgesetzt. Ein neuer, großer Hit ist derzeit nicht in Sicht. Selbst das vielerwartete Reality-Projekt «Newtopia» (nur im weitesten Sinne als Show zu bezeichnen) macht in Deutschland mit Negativschlagzeilen und schlechten Quoten von sich reden. In den USA ist es gnadenlos gefloppt. Dort befindet sich übrigens keine einzige klassische Spielshow mehr in der Primetime innerhalb der Hauptseason, die einzigen übriggebliebenen großen Showformate sind dort «American Idol», «The Voice» und «Dancing with the Stars». «The Taste» wird höchstwahrscheinlich nach der jüngsten Staffel abgesetzt.
Eine weitere deutsche Erfolgsgeschichte in jüngerer Zeit schreibt Sky, das Millionen Kunden gewann. Das Senderkonzept kommt ganz ohne klassische Unterhaltungsshows aus, dieses Genre gehört schlicht nicht zum Portfolio. Warum eigentlich? Es scheint jedenfalls niemand zu vermissen. Gleiches gilt für aufstrebende Abo-Dienste wie Netflix. Kurz: Jüngere Generationen brauchen (oder kennen) die traditionelle Show-Unterhaltung am Abend nicht mehr, ihr Entertainment-Konsum verlagert sich. Zu mehr oder weniger anspruchsvoller Fiction, zu YouTube, zu Sky und seinen großen Sport-Events. Vielleicht will das Publikum auch weniger die glattgegeelten Moderatoren, sondern (vermeintlich) authentische Emotionen. Die finden sie zumindest im Reality-Fernsehen, aber auch bei YouTube. Generell gilt: Das Angebot wird größer, der Unterhaltungskonsum damit fragmentierter. Dies zeigt sich auch generell in der Fernsehlandschaft, die immer zielgruppengenauer arbeitet, sprich: Immer mehr Sender entstehen für ein bestimmtes Publikum, das punktgenau angesprochen werden kann. Auch Shows wie «Schlag den Raab» sind hier zumindest teilweise zu nennen, da diese Formate in einer bestimmten Zielgruppe sehr erfolgreich sind und dort auch große Aufmerksamkeit erhalten. Ein Show-Hit, über den jeder spricht, ist mit einer solchen Entwicklung vielleicht nicht unmöglich geworden. Aber er wird immer unwahrscheinlicher. 

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Es gibt 3 Kommentare zum Artikel
28.04.2015 15:04 Uhr 1
Wetten, dass? tourte dazu noch durch die deutsche Provinz, um dieses Gefühl zu unterstreichen. 12 Sendungen aus Saarbrücken, 9 aus Offenburg, 6 aus Böblingen und Hof, da saß der Star ja fast auf dem eigenen Fliesentisch, so nah war man da dran.
Heute schauen sich Leute beim zu Bett gehen noch schnell an, was ihr Star in L.A. gerade frühstückt, wie die letzte Brust O.P. geworden ist und ob sie die Stellung im aktuell "geleakten" Sexvideo auch schon mal probiert haben.
Klar braucht niemand heute noch eine Show um diesen Bedarf zu stillen.
28.04.2015 17:16 Uhr 2
Jepp, solch eine große Familienshow wird es wahrscheinlich nie mehr geben....
28.04.2015 17:59 Uhr 3
Ob eine Show nun 10 Millionen holen muss, sei mal dahin gestellt. Aber 7 bis 8 Millionen wären ja auch schon ganz okay. Das Problem ist, dass zwei der interessantesten neuen Showkonzepte bei VOX angelaufen sind, Sing meinen Song und die Höhle der Löwen. Vox schauen nicht so viele. Man muss schauen, wie sie sich weiterentwickeln. Die Höhle der Löwen traue ich sogar zu, erfolgreicher zu werden, vielleicht schnappt sich RTL es irgendwann mal zu, wenn sie DSDS mit Bohlen in Rente schickt.
Das Problem ist das ZDF mit ihrer Hasenfüssigkeit. Wenn man bei "Das Spiel beginnt" nicht in dieses langweilige Gerüst gezwungen hätte, könnte es eine spektakuläre Show sein. Ein Brettspiel wie Siedler von Catan mit 5 Kandidaten abendfüllend und schön dekoriert um 100 000 könnte doch sehr spannend sein. 1000! halte ich für eine langweilige Idee.
Dalli, Dalli hat ja seine Berechtigung.
Es gab ja mit Cash crash und Mein Mann kann ja zwei an sich nicht so verkehrte Konzepte aus Deutschland. Leider verbrauchen sich Actionshow sehr schnell, weil man da nicht mitraten kann. Ansonsten sind Flops normal, wenn man ausprobiert. Ich fand die Idee der Millionärswahl auch nicht so schlecht, sie wurde bei der Umsetzung versemmelt, weil man nicht darauf gehört hatte, was das Format braucht.