Deutschlands meistgehörter Jugend-Radiosender feiert in diesen Tagen sein 20-jähriges Bestehen - und kann dies in der freudigen Gewissheit tun, zuletzt einiges richtig gemacht zu haben. Wir blicken auf Vergangenheit und Zukunft von 1Live.
Im Jahr 2015 kann man mit dem, was die öffentlich-rechtliche Jugendwelle im Westen des Landes erreicht hat, äußerst zufrieden sein: Man hat sich ein beachtliches Standing beim jungen Publikum aufgebaut und schafft es regelmäßig, junge Moderationstalente so zu fördern, dass sie nach oder während ihrer Zeit beim Sender zum Teil sogar eine große Fernsehkarriere vor wesentlich größerer Bühne starten. Dies lässt sich nicht zuletzt auch auf die konzeptionelle Ausrichtung von 1Live zurückführen, auch im vom Mainstream-Gedudel dominierten Tagesprogramm explizit Wert auf eine Bindung zwischen Moderator und Zuschauer zu legen. Die Sendungen der Daytime werden seit dem letzten großen Relaunch im Jahr 2007 nach ihren Ansagern benannt, denen seither auch wieder etwas mehr Raum zur Vermittlung von Informationen ermöglicht wird. Zwischen 18 und 20 Uhr läuft zudem die Call-In-Show «1Live - Sektor».
Immerhin drei Moderations-Urgesteine, die seit 1995 dabei sind, hat der Sender noch vorzuweisen: Mike Litt, der Hörern vor allem als "einsamster DJ der Welt" bekannt ist und durch den Heiligabend führt, darüber hinaus aber auch seit 2000 zusammen mit DJ Larse das «Klubbing» am Freitag leitet. Klaus Fliehe, der vor seiner Zeit als Hörfunkmoderator Teil der Neue-Deutsche-Welle-Band Geier Sturzflug ("Bruttosozialprodukt") war. Und Jürgen Domian mit seinem Ende 2016 endenden Kult-Talk. Seit 2001 dabei und inzwischen auch im Fernsehen oft und gerne gesehen sind Sabine Heinrich und Thorsten Schorn. Seit 2013 ist zudem Jeannine Michaelsen (Foto) zur Crew des Senders hinzugestoßen, nachdem sie zuvor bereits in diverse Radio- und TV-Projekte involviert war. Zu den Moderatoren der ersten 1Live-Jahre gehören ferner u.a. mit Stefan Raab, Arnd Zeigler und Jörg Thadeusz einige weitere sehr bekannte Fernsehgesichter. Auch Jan Böhmermann war bis vor wenigen Jahren regelmäßig zu hören.
Eher als Vertreterin des kommerzialisierten denn des inhatlich ambitionierten Rundfunks gilt derweil Valerie Weber (Foto), die schon im November 2013 zur WDR-Hörfunkdirektorin gewählt wurde. Zwar gelang ihr zuvor bei Antenne Bayern eine signifikante Steigerung der Hörerzahlen, doch dieser Erfolg ging auch mit aggressiven Marketingkampagnen und diversen Gewinnspielen während der Live-Übertragung einher. Das sind nicht gerade die besten Argumente, um das kritische WDR-Personal auf die Seite der Münchenerin zu ziehen. Gleichwohl betonte sie zuletzt in Interviews auch stets den Anspruch der Öffentlich-Rechtlichen, Qualität vor Quote zu stellen. Ob Weber also tatsächlich das Schreckgespenst des substanziellen Radios ist oder ihr schwerer Stand nicht eher daraus resultiert, dass sie anders als ihre Vorgänger einen privaten statt einen öffentlich-rechtlichen Hintergrund vorzuweisen hat, wird sich noch zeigen müssen. Die weitere Entwicklung von «Plan B» als Aushängeschild des Unkonventionellen wird bei der Wahrnehmung der Journalistin - und letztlich auch bei der des WDRs - keine ganz unwichtige Rolle einnehmen.
Doch auch Ausblicke in die Zukunft sind in den kommenden Tagen erwünscht - insbesondere am 2. April, wo der Sektor seine Prognosen für das Jahr 2035 formulieren soll. Einige schon jetzt absehbare Trends sollen zudem von Reportern vorgestellt werden. Weniger absehbar ist, wo der Sender selbst in 20 Jahren stehen wird und ob es ihm auch in Zukunft gelingen wird, als authentisches Sprachrohr der Jugend wahrgenommen zu werden. 1Live-Chef Jochen Rausch betont in diesem Zusammenhang die Nähe zum Publikum, die "auf allen medialen Kanälen künftig noch wichtiger" werde. Doch fernab aller Herausforderungen, mit der Zeit zu gehen und die richtige Balance zwischen Mainstream und Substanz zu finden, darf man den Verantwortlichen für ihre gute Arbeit in den vergangenen beiden Dekaden in diesen Tagen auch einfach einmal gratulieren.• 1Live • 1Live - Sektor • 1Live macht 20 • Bates Motel • Breaking Bad • Klubbing • Plan B • Rockpalast • Sektor • The Walking Dead
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