Sonntagsfragen

Peter Kloeppel: 'Der Hype ist für mich nichts Neues'

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Sonntagsfragen: Am Abend moderiert er sein viertes TV-Duell. Warum der Chefredakteur nichts über Stefan Raab sagen und wie er junge Wähler ansprechen will, verrät er im Exklusiv-Interview.

Herr Kloeppel, RTL hat am Montag mit «Guten Morgen Deutschland» sein Morgenformat überarbeitet. Welche Eindrücke konnten Sie von der Sendung bisher gewinnen?
Wir haben erneut gezeigt, dass es uns gelingt, am Morgen eine sehr gute Mischung aus Information, Unterhaltung und Service anzubieten. Es freut mich und das gesamte Team, dass ebendies nun auch in einer verlängerten Version des Frühstücksfernsehens gelingt. Deshalb bin ich auch überzeugt, dass RTL am Morgen weiterhin erfolgreich sein wird.

Sie haben an den beiden vergangenen Sonntagen mit «Meine Wahl – An einem Tisch mit…» zwei politische Sendungen schon um 19.05 Uhr und somit auf neuem Sendeplatz ausgestrahlt. Während Peer Steinbrücks Sendung sehr durchwachsene Zuschauerzahlen holte, lief es mit der Kanzlerin besser. Wie wichtig ist Quote, wie wichtig das Konzept?
Bei einem solchen Format geht es nicht primär um Quoten, sondern darum, unser Publikum auf diesem Vorabend-Sendeplatz für politische Themen zu interessieren. Unser Konzept dabei hat funktioniert: Wir wollten Wähler mit Politikern an einem Tisch diskutieren lassen. Es sollte keine klassische Interview-Situation entstehen, sondern ein Gespräch auf Augenhöhe. Ich denke, in beiden Sendungen gab es gute Gespräche, aus denen politische Inhalte und die Persönlichkeit der Politiker erkennbar wurden. Natürlich hat es uns gefreut, dass wir in beiden Fällen einen hohen Anteil an jungen Zuschauern erreichen konnten.

Kommen wir zum TV-Duell, Herr Kloeppel: Verstehen Sie den großen Hype um Stefan Raab, der erstmals für ProSiebenSat.1 als Moderator agieren wird?
Ich mache das TV-Duell schon seit 2002, es ist also nun mein Viertes. Deshalb ist der Hype um dieses TV-Duell in den Medien für mich insgesamt nichts Neues. Im Duell geht es letztlich nicht um die Moderatoren. Unsere Aufgabe wird sein: Wie können wir die beiden Politiker dazu bringen, ihre Standpunkte klar darzulegen und miteinander zu diskutieren?

Aber die Personalie Stefan Raab hat ja schon für Aufsehen gesorgt. Von den öffentlich-rechtlichen Sendern kamen teils Bedenken, dass Raab das Duell als persönliche Bühne nutzen wird. Wie haben Sie ihn bisher erlebt?
Wir vier Moderatoren haben uns natürlich getroffen und dabei auch gemeinsam festgelegt, dass wir nicht übereinander, sondern miteinander sprechen wollen.

Das akzeptieren wir. Wie wird denn Ihr TV-Duell-Sonntag aussehen?
Das weiß ich noch gar nicht so genau. Ich werde vermutlich nicht allzu viel Zeit haben, an die frische Luft zu gehen. Allgemein sind die 72 Stunden vor einem solchen Duell immer die arbeitsintensivsten. In dieser Zeit legen wir letzte Hand an die Fragen und den Ablauf – gemeinsam mit unserer Redaktion. Wir werden wohl ab dem frühen Nachmittag in Berlin-Adlershof sein, vielleicht noch letzte technische Proben haben, bevor wir um 20.30 Uhr auf Sendung gehen. Letztlich ist es ein Tag sein wie vor jeder größeren TV-Produktion. Man darf sich von dem Wirbel um das TV-Duell nicht zu verrückt machen lassen.

Das TV-Duell besticht durch ein enges Korsett, nicht nur für die Politiker, sondern auch für die Moderatoren. Kann man da als Fragesteller überhaupt punkten?
Es geht nicht darum, dass wir glänzen, sondern dass wir die richtigen Fragen und Nachfragen stellen, damit die Zuschauer eine interessante politische Sendung sehen. Unsere Fragen sollen dazu beitragen, dass die Politiker ihre Positionen klarmachen und miteinander diskutieren. Wichtig ist, dass die Themen, die in den kommenden Jahren von Bedeutung sind, mit Erkenntnisgewinn für die Zuschauer erörtert werden.

Wie erleben Sie das Interesse an dem Wahlkampf und an der Bundestagswahl in diesem Jahr bisher? Ich habe das Gefühl es ist nicht ganz so groß…
Auch vor vier Jahren hatten viele das Gefühl, das Interesse wäre niedriger als sonst. Im TV-Duell standen sich mit Steinmeier und Merkel zwei Politiker gegenüber, die zuvor sogar in einer großen Koalition zusammengearbeitet haben. Das heißt, das Konfrontationspotenzial zwischen den beiden und ihren Parteien war noch niedriger als heute. Gut ist es, wenn man sich als Bürger in diesen Tagen einfach über die Medien schlau macht, mit seinem Umfeld diskutiert und letztlich dann natürlich zur Wahl geht. In allen Medien wird viel und vielfältig über Politik berichtet und geschrieben. Aber ich stimme Ihnen zu: der Wahlkampf beginnt jetzt erst an Fahrt aufzunehmen…

ProSiebenSat.1 hat vergangene Woche seine „Election Weeks“ gestartet, unter anderem mit «Task Force Berlin» - Das Erste hat am Montagabend ein nettes Format namens «Überzeugt uns!» gemacht. Beide waren vor allem für sehr junge Wähler gedacht. Wie sehr sehen Sie das Fernsehen in diesem Punkt gefordert?
Diese Vielfalt an Themen und Formen ist extrem wichtig. Wir müssen die Politik gut vermitteln - egal ob für Jung oder für Alt. Jüngere Menschen informieren sich weniger über klassische Nachrichtensendungen als ältere Bürger, und die jüngeren interessieren sich auch nicht so intensiv für reine Parteipolitik. Es geht ihnen aber natürlich auch um ihre Fragen zum Leben in Deutschland, zu deren Beantwortung die Politik letztlich eine Menge beiträgt. Wir müssen junge Menschen davon überzeugen, dass sie ihre Stimme nutzen – das ist der erste und einfachste Schritt, Politik mitzugestalten.

Vielen Dank für das Gespräch.

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