Punktuell macht Sat.1-Chef Joachim Kosack aus seinem Sender derzeit eine Spielwiese: Im Mittagsprogramm um 12 Uhr testet er für jeweils zwei Wochen neue Daily-Talks mit Laiendarstellern – der erste namens «Annica Hansen – Der Talk» ist seit Montag auf Sendung. Und er beweist seinen Zuschauern mit inszenierten Prügeleinen und Krawall-Diskussionen bereits, dass man den eingeschlagenen Weg gescripteter Daytime-Formate eher noch bestärken als verlassen will.
In der für Sat.1 wichtigen werberelevanten Zielgruppe startete die Vorabend-Quizshow mit nur schwachen sieben Prozent Marktanteil, machte aber in den beiden weiteren Tagen zumindest Hoffnung: 8,2 und 9,2 Prozent wurden am Dienstag und Mittwoch gemessen – der Trend zeigte also in die richtige Richtung, zumindest beim jungen Publikum. Insgesamt kam die Show auf 1,22 bis 1,34 Millionen Zuschauer; die Marktanteile von maximal 8,1 Prozent lagen somit weit unter dem Sat.1-Senderschnitt, der zuletzt bei 10,6 Prozent lag.
Festzuhalten bleibt aber, dass das Quiz oft die besten Quoten am derzeitigen Sat.1-Vorabend holt: Die Reality «Pures Leben» kommt meist auf schlechtere Marktanteile; ganz abgeschlagen ist oft das frauenaffine Magazin «push» um 19.15 Uhr, das seit dem Start von «Ab durch die Mitte» nur einmal mehr als sieben Prozent Marktanteil bei den jüngeren Zuschauern erreicht hat. Außerdem schlägt sich die Show zumindest bei diesen bisher leicht besser als ihr Vorgänger auf dem Sendeplatz um 18.30 Uhr: Die Crime-Doku «Lenßen» erreichte im Mittel nur 8,0 Prozent der Werberelevanten und hatte gegen Ende ihrer Staffel teils noch deutlich schlechtere Quoten. Allzu schlecht steht es also nicht um die Raterunden in Sat.1 – was aber auch daran liegt, dass die Vorabend-Programmschiene ohnehin eine einzige Baustelle mit schwachen Zuschauerzahlen ist. Sollte «Ab durch die Mitte» sein Potenzial noch ausschöpfen können, stehen die Chancen für eine Verlängerung gut – Konkurrenz kommt allerdings noch im Sommer, denn Sat.1 hat weitere Vorabend-Tests angekündigt.
Immerhin holt «Annica Hansen» beim Gesamtpublikum Quoten über dem Senderschnitt, näherte sich diesem zuletzt aber bereits an – zudem waren die angesprochenen «Hold»-Wiederholungen um 12 Uhr ohnehin bereits beim Gesamtpublikum ein Erfolg gewesen. Für eine Verlängerung ihres Talks muss Annica Hansen die Quoten in Woche zwei also zwangsweise verbessern, besonders in der Zielgruppe. Dass dies fast augeschlossen ist, zeigt jedoch der deutlich negative Quotentrend, der ein deutliches Zeichen für die Absetzung ist. Sat.1 hofft nun wohl auf Hansens Konkurrent Ernst-Marcus Thomas: Sein – ebenfalls gescripteter – Talk startet am 23. Juli auf dem gleichen Sendeplatz und darf ebenfalls zwei Wochen im Testlauf ran. Und sollten auch dessen Quoten nicht gut genug sein, greift Sat.1 mittelfristig einfach erneut auf Wiederholungen von «Richter Alexander Hold» zurück, die zumindest passabel funktionierten. Am Vorabend ginge eine solche Rechnung nicht so einfach auf – weshalb der Sender dort auch den weiteren Sommer über neue Formate testen will.
• Ab durch die mitte • annica hansen • sat.1
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