Gegen Ende des zweiten Weltkrieges gelingt es einer Gruppe von Nazis, in riesigen UFOs – den sogenannten Reichsflugscheiben – zum Mond zu fliegen und die dunkle Seite des Erdtrabanten zu besiedeln. Bis 2018 bleibt ihr Existenz unentdeckt, bis eines Tages auf einmal der Afroamerikaner James Washington (Christopher Kirby) auf dem Mond landet, um hier Promotion für die Wiederwahl der amtierenden US-Präsidentin zu machen. Ganz nach dem Motto „Black to the Moon“ versucht diese mit allen Mitteln, auch weiterhin das Amt zu bekleiden, sucht bislang jedoch vergeblich nach einer Strategie, mit welcher ihr dies auch gelingen mag. Während Washington den Werbebanner für die Dame auf dem Mond ausrollt, wird er von Nazis überrascht, anschließend in die hakenkreuz-förmige Zentrale gebracht und dort verhört. Wie sich hier durch einen Zufall herausstellt, ist es ausgerechnet die Rechenleistung von Washingtons Smartphone, welche in der Lage wäre, das Kampfschiff „Götterdämmerung“ in Gang zu setzen und mit Hilfe dessen die Nazis endlich ihren Angriff zur Erde starten könnten.
Einen Film zu drehen, in welchem die Naziideologie und die Umtriebe selbiger die zentrale Hauptrolle übernehmen, kann schnell zu einer Gratwanderung zwischen Kunst und Geschmacklosigkeit werden. Doch wie bereits Quentin Tarantino 2009 mit seiner Uchronie «Inglourious Basterds» eindrucksvoll bewies, kann sich die Zeit des Holocaust nicht nur als Bestandteil von diversen Betroffenheits-Werken und Dramen eignen, sondern mit der richtigen Portion Selbstironie und Augenzwinkern auch hervorragend als Grundlage für abgedrehte Komödien funktionieren. «Iron Sky» schafft es gekonnt, die Idiotie der Naziideologie auf die Spitze zu treiben, indem es den Mythos der Existenz von „Reichsflugscheiben“ aufgreift und die Vorstellung so weit spinnt, wie es nur irgendwie geht. Von dem Stützpunkt „Schwarze Sonne“, der klischeebedingt selbstverständlich in Hakenkreuzoptik erbaut wurde, über die Gehirnwäsche mit Hilfe alter Hitler-Reden, bis hin zur Entwicklung eines Bleichmittels für Dunkelhäutige, wurde in keiner Sekunde an der Vorführung der Nazis gespart. Renate Richter spielt ihre Rolle als Verfechterin der „guten Nazis“ so brillant naiv, dass man ihr das Böse zu keinem Zeitpunkt abnimmt. Dementsprechend wird ihr die Rolle des Protagonisten im Laufe des Films zu Teil, zumal bei ihr auch die stärkste Charakterwandlung während der Handlung festzustellen ist.
Den Gegenpol bietet ihr der „Vorzeige-Extremist“ Klaus Adler, gespielt von Götz Otto, der sich seine Partnerinnen nach Arier-Prozentsatz aussucht und sich bei keiner Gelegenheit den Hitler-Gruß, oder das Genießen der Nazi-Hymne, nehmen lässt. In seiner formvollendeten Arroganz sorgt er zwar nicht gerade für Sympathiebekundungen seitens des Publikums, für seine Rolle allerdings kann man sich kaum eine bessere Besetzung vorstellen. Dadurch wird die zunächst neutrale Rolle des Klaus Adler nach und nach zu einem Antagonisten aufgebaut und entwickelt sich ähnlich intensiv wie die der Renate Richter, wenn auch in die komplett gegensätzliche Richtung. Udo Kier ist als amtierender Führer Wolfgang Kortzfleisch verhältnismäßig selten auf der Leinwand zu sehen, geht allerdings voll und ganz in seiner Rolle auf und schafft es gekonnt, alle negativen Charakterzüge eines Führers zu vereinen und damit sämtliche Antipathien auf sich zu ziehen, wenn auch er sich diese gleichermaßen mit Götz Otto teilen muss. Stephanie Paul brilliert als überdrehte, nicht mit herausragender Intelligenz gesegnete Präsidentin, die nicht nur äußerlich, sondern vor allem in ihrer überspitzen Darstellung stark an Sarah Palin erinnert und damit bereits im Vorfeld der Veröffentlichung für Kontroversen sorgte. • Iron Sky
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