„I’m with Coco.“ So lautete der Leitspruch der kleinen, aber medial verfolgten Bewegung für den Late-Night-Comedian Conan O’Brien. Sie gründete sich innerhalb des sogenannten "Late Night War" in den USA, der Anfang 2010 das Genre kräftig durcheinanderwirbelte: Der neue Host Conan holte mit der «Tonight Show» schlechtere Quoten als sein Vorgänger Jay Leno. Dieser wiederum konnte mit seinem Primetime-Format um 22.00 Uhr ebenfalls keine starken Zahlen einfahren, sodass NBC die Rolle rückwärts versuchte und Leno wieder als Moderator der «Tonight Show» installieren wollte. Conan wurde daher gekündigt, erhielt eine Abfindung in Millionenhöhe und steigerte seinen Marktwert als vermeintliches Opfer der großen Senderbosse. Solidarisch zeigten sich Fans und Prominente mit der Kampagne „I’m with Coco“. Am 01. November 2010 kehrte O’Brien schließlich mit einer neuen Late Night auf dem kleinen Sender TBS zurück. Ein halbes Jahr zuvor nahm Leno wieder an seinen alten Schreibtisch der «Tonight Show» Platz, konnte aber bereits damals nicht mehr an die guten Zuschauerzahlen früherer Tage anknüpfen. Wie steht es heute um Conan, Leno und Co.? Blieb von “I’m with Coco” noch etwas übrig? Und wer geht als langfristiger Gewinner aus dem Late-Night-Krieg hervor?
Damit lag O’Brien zwar deutlich hinter den anderen Late-Night-Shows, aber auch klar über dem Vorprogramm bei seinem Sender TBS, wo «Lopez Tonight», ebenfalls eine Late Night, gewöhnlich nur 0,2 Prozent erreichte. Diese Sendung wurde später, im August, aufgrund schlechter Quoten eingestellt. Während TBS mit seinem neuen Star also einigermaßen zufrieden sein konnte, war NBC dies mit Lenos «Tonight Show» sicherlich nicht ganz: Dieser erreichte vor dem Late Night War in den USA 2008 und 2009 Marktanteile von 1,4 bis 1,8 Prozent und war damit unangefochtener Quotenkönig des Spätabends. Erholen konnte er sich vom Kleinkrieg mit Conan nicht: Schon 2010 lagen Lenos Marktanteile um 1,0 bis 1,1 Prozent – in diesem Jahr verschlechtere sich seine Show noch, denn von Januar bis Juli wurden Werte zwischen 0,9 und 1,0 Prozent gemessen. Nur ein Mal, in der Woche des 02. Februar, konnte die «Tonight Show» mit 1,2 Prozent einen besseren Marktanteil einfahren. Gegenüber den Quoten von 2008 und 2009 verringerte sich Jay Lenos Zuschauerzahl um zirka ein Drittel.
Altmeister David Letterman konnte nicht als der vielzitierte lachende Dritte aus dem Dilemma hervorgehen: Seine «Late Show» erreichte – wie in den Jahren zuvor – Marktanteile zwischen 0,8 und 1,0 Prozent und lag damit traditionellerweise hinter Jay Leno, wobei sich der Abstand deutlich verringert hat. Positiv überraschte in der ersten Jahreshälfte ausschließlich Jon Stewart mit seiner «Daily Show» auf Comedy Central, die vereinzelt auf Marktanteile von 0,8 Prozent kam und Letterman damit Paroli bieten konnte. Den besten Wert fuhr der News-Satiriker in der Woche des 06. Mai ein, als ein Rating von 0,9 Prozent gemessen wurde. Damit lag die «Daily Show» gleichauf mit Letterman, nur 0,1 Punkte hinter Leno und ein Drittel über dem Wert von Conan O’Brien.
Auch David Letterman hatte jüngst mit Zuschauerverlusten zu kämpfen: Riss seine «Late Show» die Marke von 0,8 Prozent in diesem Jahr nur ein Mal bis Ende Mai, wurde sie ab Juni zehn Mal unterschritten. Zuletzt stabilisierte sich der Altmeister wieder und konnte im Oktober drei Mal 0,9 Prozent einfahren – dies waren die besten Werte seit Anfang Mai. Konkurrent Jay Leno hatte im Monat August mit Quotenproblemen zu kämpfen, als die «Tonight Show» drei Mal in Folge nur 0,8 Prozent einfuhr und damit neue Rating-Negativrekorde markierte. Auch im Oktober wurde dieser Wert bereits zwei Mal gemessen. Noch beunruhigender ist für das ausstrahlende Network NBC, dass Leno seit Mitte Juli nur ein einziges Mal ein Rating von 1,0 erreichte. Zuletzt überholte Letterman seinen langjährigen Widersacher sogar minimal – der einstige Late-Night-King Jay Leno könnte also, sollte diese Entwicklung langfristig anhalten, endgültig vom Thron stürzen. Dies ist aber weniger auf die Stärke Lettermans, sondern eher auf die Schwäche der «Tonight Show» zurückzuführen. Denn als Gewinner kann sich in diesem Jahr niemand sehen.• Conan
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