
Dabei ist es nicht nur Ziel des Formats, Menschen mit Behinderungen zu einer aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu motivieren, sondern auch nichtbehinderten Menschen das Leben mit einer Behinderung näher zu bringen. Umgesetzt wird dies unter anderem durch die Kochshow «Dinner for Everyone». Darin begrüßt Gastgeber Volker Westermann, der aufgrund seiner Glasknochenkrankheit im Rollstuhl sitzt, regelmäßig zwei Gäste um gemeinsam zu kochen. Unter anderem waren schon Guildo Horn, Jörg Knör, Bernhard Hoecker, Bettina Tietjen, Alfred Biolek sowie Yared Dibaba dabei und plauderten mit Westermann und einem weiteren nicht-prominenten, behinderten Gast. In lockerer Runde und zwanglosen Gesprächen soll auf diese Weise Integration gelebt und Vorurteile, die oft auf Unwissenheit basieren, abgebaut werden. Der Rahmen einer Kochsendung soll zudem helfen, eine belehrende oder vorführende Darstellung zu verhindern, die in manchen Sendungen mit behinderten Menschen beklagt wird.
Ein interessantes und lobenswertes Konzept, das an dieser Stelle ausdrücklich empfohlen wird, denn leider haben in der medialen Öffentlichkeit und vor allem im Fernsehen Menschen mit Behinderungen noch immer kaum eine relevante Bedeutung. Sicher gab es in der Vergangenheit einige hervorzuhebende Aktionen wie die Talkshow «Guildo und seine Gäste», die Versteckte-Kamera-Variante «Para-Comedy» bei Comedy Central oder regelmäßige Portraits in den Dokureihen «Menschen hautnah» (WDR) und «37 Grad» (ZDF), doch im Verhältnis zum gesamten Programmvolumen ist ihr Anteil lächerlich klein. Hin- und wieder wurden Behinderungen auch in Fernsehfilmen thematisiert, doch oft dienten sie dabei lediglich als Kulisse für zwischenmenschliche Schwierigkeiten der Menschen ohne Behinderungen. Der behinderte Mensch verkam oft zur Requisite und wurde in seinem Wesen nicht ernst genommen. Von der RTL-Produktion «Florian - Liebe aus ganzem Herzen» sei deswegen als Negativbeispiel abgeraten.
Man mag solche Sendungen und Filme als mutig bezeichnen wollen, dabei sollte eine Teilnahme von Menschen mit Behinderungen im medialen Leben der Regelfall sein. Genaugenommen stellen die genannten Formate lediglich einen ersten Schritt in die richtige Richtung dar, denn sie heben noch immer die Behinderungen der Beteiligten deutlich hervor und werden sogar durch sie bestimmt. Echte Integration bedeutet aber nicht, ihnen in gesonderten Reihen etwas Sendezeit zu verschaffen, sondern sie ganz selbstverständlich im gesamten Programmspektrum auftauchen zu lassen, ohne dass dabei ihre Behinderung eine besonders hervorstechende Rolle spielt. Sie sollten als Kandidaten in Quizshows, Teilnehmern beim «Perfekten Dinner» und als Bewerber in Castingshows gleichberechtigt mit Menschen ohne Behinderungen mitmachen. Wieso gibt es (abgesehen von Volker Westermann) keinen TV-Moderator, der im Rollstuhl sitzt? Sicherlich hängt ein Einsatz und der Umfang der Teilnahme sehr stark von der individuellen Schwere der jeweiligen Behinderung ab und sicher wird nicht jeder Mensch für jede Aufgabe geeignet sein, doch es gäbe in der deutschen Fernsehlandschaft für fast jede Facette genügend Raum.• QamS
Manager Creative Productions (m/w/d)
Jungredakteur/Redakteur Casting (w/m/d)
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