Deutschlands erster Privatsender Sat.1 blickt auf ein turbulentes Jahrzehnt zurück. Seit den Rekord-Marktanteilen von knapp 15 Prozent sanken diese ab 1995 stetig ab, sodass das neue Millennium mit einem Tiefstwert von 10,2 Prozent begonnen wurde. So einen geringen Marktanteil hatte Sat.1 seit 1990 nicht mehr. Gleichzeitig eröffnete der Sender kurz vor der Jahrtausendwende sein neues Medienzentrum in Berlin, in das nach und nach die gesamte Belegschaft aus allen Teilen Deutschlands zusammengezogen wurde. Doch diese Gemeinschaft sollte nur wenige Jahre anhalten, denn im Jahr 2008 beschloss die Konzernspitze den Umzug des Senders nach Unterföhring.
Mit diesen finanziellen Umschichtungen gingen bei Sat.1 auch zahlreiche personelle Änderungen einher. Kaum ein anderer Sender hatte in den vergangenen Jahren soviele Geschäftsführer. Zur Jahrtausendwende saß Martin Hoffman auf dem Chefsessel, den er 2003 an Roger Schawinski (Foto) abgab. Auch wenn dies nie offiziell bestätigt wurde, soll der Führungswechsel der entscheidende Grund für den Weggang von Harald Schmidt gewesen sein und damit der Verlust einer der konstantesten und erfolgreichsten Säulen im Programm des Senders. Nach rund drei Jahren übernahm der bisherige stellvertretende Geschäftsführer und Verantwortliche für den Bereich Unterhaltung, Matthias Alberti, die Geschäftsführung von Schawinski. Nachdem er die an ihn gestellten Ziele nicht erreichen konnte, wurde ihm Torsten Rossmann, Vorsitzender der Geschäftsführung des Nachrichtensenders N24, zur Seite gestellt. Doch auch die Doppelführung schien nicht die von der Konzernleitung gewünschten Erfolge zu bringen, sodass ab 2009 der bisherige kabel eins-Chef Guido Bolten die Leitung übernahm. Trotz der spektakulären Verpflichtung von Oliver Pocher und Johannes B. Kerner blieb der lang erhoffte Aufstieg aus. Als Konsequenz wurde Bolten nach rund einem Jahr seines Amtes enthoben. Sein Nachfolger wurde ab 2010 der bisherige Chef der German Free TV Holding und ehemalige Geschäftsführer von ProSieben Andreas Bartl.
Mit den Übertragungsrechten der Fußballbundesliga und der Marke «Ran – Sat.1 Fußball» hatte man im Jahr 2000 einen festen Quotengaranten im Programm. Da jedoch Leo Kirch mehr Exklusivität für seine Pay-TV-Plattform Premiere forderte, wurde der Start der Samstagszusammenfassung in Sat.1 ab 2001 auf 20.15 Uhr nach hinten verlegt. Die Folge waren derart vernichtende Quoten, dass die Sendung nur wenige Wochen wieder auf 19.00 Uhr vorverlegt wurde. Die Fußball-Rechte wurden dann im Laufe der Jahre so teuer, dass sie nur noch durch Querfinanzierung innerhalb des Senders möglich waren. Im Jahr 2003 führte dies dazu, dass Sat.1 sie an Das Erste abgeben musste. Damit endete zunächst auch das Engagement des Senders, der sich einst mit Fußball einen großen Namen machte und im Jahr 1998 sogar Spiele der Fußball-WM übertrug.
Ganz verabschiedete man sich jedoch nicht vom Fußball: Sat.1 übernahm die Champions League-Rechte von RTL: Die Spiele der Königsklasse wurden moderiert von Oliver Welke und dem heutigen Manager der Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff. Ab der Saison 2006/2007 zeigte Sat.1 mit Spielen des UEFA-Cups weiterhin Fußball, man verlor die Champions League-Rechte aber an Premiere. Der Pay-TV-Sender kaufte damals auch die Free-TV-Rechte und zeigte ausgewählte Partien im DSF. Ab 2007 präsentierte der Sender wieder Spiele der Champions League, die fortan bis Mitte 2009 von Premiere für Sat.1 hergestellt wurden. Seit 2009 besitzt Sat.1 selbst die Rechte sowohl an den Spielen der «UEFA Europa League» als auch an der «Champions League» und reanimierte für deren Übertragung die 2003 eingestellte Marke «ran» wieder zu neuem Leben.
nicht mehr das Publikum wie noch in den 90ern und verschwanden ab 2004 nach und nach aus dem Programm. Neue Produktionen wie «Sommer und Bolten: Gute Ärzte, keine Engel» (2001), «Die Anstalt» (2002), «Broti & Pacek - irgendwas ist immer» (2002), «Körner und Köter» (2002), «Mit Herz und Handschellen» (2002), «Typisch Sophie!» (2004), «Bis in die Spitzen» (2005) (Foto), «Stadt Land Mord!» (2006) und «Unter den Linden» (2006) suchten vergeblich ein großes Publikum und wurden nur selten für eine zweite Staffel verlängert. Mit «GSG9», «Allein unter Bauern», «Dr. Molly & Karl» und «Plötzlich Papa – Einspruch abgelehnt!» setzte sich dieser Trend auch gegen Ende des ersten Jahrzehnts fort. Von ProSieben übernahm man ab 2001 die Arztserie «Klinikum Berlin-Mitte» für zwei Staffeln mit durchwachsenem Erfolg. Der letzte große Erfolg des Senders war die humoristische Anwaltsserie «Edel & Starck», die ab 2002 immerhin auf vier Staffeln und 52 Episoden kam. • Sat.1
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