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Cleo Abram: Mit «Huge If True» gegen den Nachrichtenpessimismus

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Statt Weltuntergangsstimmung setzt Cleo Abram auf wissenschaftlichen Fortschritt und erreicht mit ihrem optimistischen Technikjournalismus ein Millionenpublikum.

Schlechte Nachrichten gibt es im Internet mehr als genug. Klimakrise, Kriege, politische Konflikte und wirtschaftliche Sorgen sorgen dafür, dass sich Nutzer durch einen scheinbar endlosen Strom negativer Schlagzeilen bewegen können. Die amerikanische Videojournalistin Cleo Abram verfolgt einen bewusst anderen Ansatz. Mit ihrer YouTube-Reihe «Huge If True» möchte sie zeigen, welche Technologien gerade entwickelt werden und wie diese die Zukunft verändern könnten. Dabei geht es nicht um blinden Technikoptimismus, sondern vor allem um eine Frage: Was wäre möglich, wenn eine vielversprechende Idee tatsächlich funktioniert?

Für ihre Videos reist Abram dorthin, wo Zukunftstechnologien entwickelt und erforscht werden. Sie beschäftigte sich bereits mit humanoiden Robotern von Boston Dynamics, besuchte die NASA, sprach über Quantencomputer von IBM und blickte auf die Forschung am Large Hadron Collider des CERN. Auch Raumfahrt, Energiegewinnung, künstliche Intelligenz und Verkehr gehören zum Themenspektrum. Dabei müssen es keineswegs immer die ganz großen Menschheitsfragen sein. Selbst hinter Formel 1, Schuhen oder der Frage, warum beim Curling eigentlich vor dem Stein gewischt wird, kann sich genügend Wissenschaft für ein Video verbergen.

Bevor Abram selbst zur Marke wurde, sammelte sie Erfahrungen im klassischen digitalen Journalismus. Die aus Washington D.C. stammende Amerikanerin gründete während ihres Studiums TEDxColumbiaCollege und arbeitete später für Vox. Dort entwickelte sie sich zur Videojournalistin und Produzentin. Unter anderem war sie an «Explained» beteiligt, der gemeinsam von Vox und Netflix produzierten Dokumentationsreihe, die komplexe gesellschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Themen kompakt aufbereitet. Anschließend gehörte sie zum Team des YouTube-Formats «Glad You Asked», das ebenfalls große Fragen aus Wissenschaft und Alltag verständlich erklären wollte.

Anfang 2022 entschied sich Abram schließlich für die Selbstständigkeit. «Huge If True» übernahm einige Elemente ihrer bisherigen journalistischen Arbeit, gab ihnen aber eine deutlich persönlichere Handschrift. Statt lediglich zu erklären, wie etwas funktioniert, interessiert sich Abram besonders dafür, was eine neue Technologie künftig ermöglichen könnte. Der Name des Formats bringt diese Haltung auf den Punkt: Das Versprechen einer Entwicklung kann gewaltig sein – sofern es sich tatsächlich bewahrheitet.

Die regulären Videos sind häufig etwa 15 bis 20 Minuten lang. Abram führt durch Labore, Forschungszentren und Unternehmen, spricht mit Wissenschaftlern und Ingenieuren und probiert Technologien teilweise selbst aus. Daneben veröffentlicht sie längere Gespräche mit Forschern, Unternehmenschefs und anderen Experten. Dadurch kann sie Themen vertiefen, die sich in den kompakteren Hauptvideos nur anreißen lassen.

Ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs ist die visuelle Aufbereitung. Komplexe physikalische oder technische Vorgänge werden mit Grafiken und Animationen zerlegt, während Abram ihre Erklärungen möglichst eng an konkreten Beispielen entlangführt. Statt Zuschauer mit Fachbegriffen allein zu lassen, arbeitet sich «Huge If True» meist von einer leicht verständlichen Ausgangsfrage zu den komplizierteren Zusammenhängen vor. Das erinnert durchaus an moderne Wissenschaftsformate im Fernsehen, ist allerdings konsequent auf die Sehgewohnheiten von YouTube zugeschnitten.

Dieser Ansatz hat Abram innerhalb weniger Jahre ein enormes Publikum eingebracht. Ihr YouTube-Kanal zählt inzwischen mehrere Millionen Abonnenten, hinzu kommt eine große Reichweite auf Plattformen wie TikTok. Bemerkenswert ist dabei, dass Abram diese Zahlen mit Themen erreicht, die zunächst nicht unbedingt nach klassischem Viralstoff klingen. Quantenphysik, neue Energieformen oder Teilchenbeschleuniger müssen schließlich erst einmal so erzählt werden, dass Millionen Menschen freiwillig darauf klicken.



Allerdings besitzt «Huge If True» auch eine klare Perspektive. Abram sucht bewusst nach Entwicklungen, die Anlass für Optimismus geben. Damit unterscheidet sich das Format von einem klassischen Nachrichtenmagazin, das gleichermaßen über Fortschritte, Rückschläge und Konflikte berichten müsste. Die entscheidende Stärke besteht deshalb weniger darin, ein vollständiges Bild des Weltgeschehens abzubilden. Abram möchte vielmehr zeigen, welche Lösungen gerade entstehen und welche Menschen daran arbeiten.

Gerade darin liegt der Wiedererkennungswert ihres Kanals. Während Aufmerksamkeit im Netz häufig über Empörung, Angst und Katastrophenszenarien erzeugt wird, setzt Cleo Abram auf Neugier. «Huge If True» verkauft Zukunft nicht als etwas, vor dem man sich zwangsläufig fürchten muss, sondern als etwas, das Menschen aktiv gestalten können. Dass damit ein Millionenpublikum erreichbar ist, zeigt zugleich, dass sich Nutzer offenbar nicht ausschließlich für die nächste schlechte Nachricht interessieren.

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