Vor Jahren bewunderten wir den US-Serienboom – und ärgerten uns darüber, dass aus Deutschland kaum gutes Serienfernsehen kam. Spätestens in diesem Jahr ist damit Schluss, dank «Charité», «You Are Wanted» und kommenden Produktionen. Die „neue deutsche Serie“ kommt.
Eine kurze Gedankenauffrischung: Diese Serien (und viele andere) stehen für Ideenarmut und Stillstand bei der deutschen Serie. Es waren Jahre ab Mitte der 2000er, die einen deutschen Flop nach dem nächsten hervorbrachten, bis die Sender selbst keine Lust mehr auf neue Stoffe hatten. Man könnte diese Jahre auch als die verlorenen Jahre bezeichnen. Denn als in den USA das Seriengenre durch die Decke ging und die TV-Landschaft nachhaltig veränderte, blieben Entwicklungen in Deutschland zum großen Teil aus. Irgendwann kam dann Sat.1 mit den neuen Publikumslieblingen «Danni Lowinski» und «Der letzte Bulle»; sie brachten Frische ins Genre. Bis zur endgültigen Renaissance der hochqualitativen deutschen Serie sollte es aber noch einige Zeit dauern – jetzt befinden wir uns mittendrin.
Exklusiver Seriencontent ist wichtig, und damit die klassischen Sendervertreter diese Zielgruppe nicht vollends an Streaming-Anbieter verlieren, sind sie selbst ins Geschäft eingestiegen: RTL, ARD, ZDF, Sky und VOX. Amazon und Netflix produzieren ihrerseits Serienstoffe aus deutschen Landen, das erste ist mit «You Are Wanted» erfolgreich angelaufen und wurde bereits verlängert. «Deutschland 86», der Nachfolger des RTL-Formats «Deutschland 83», wird ebenfalls 2018 dort laufen. Netflix stellt zwei deutsche Stoffe her, das gegen Ende des Jahres startende «Dark» sowie eine jüngst angekündigte Cop-Serie namens «Dogs of Berlin».
In ganz so großen Sphären wollen die anderen Sender nicht denken, und manche verschließen sich dem Trend nahezu komplett. Beispielsweise ProSieben und Sat.1, die eine ambivalente deutsche Serienvergangenheit haben. Besonders Sat.1, früher als der Sender für erfolgreiche moderne Krimiserien wie «Wolffs Revier» bekannt, traut sich nur wieder zaghaft ans Genre. Viele Flops haben sich in der Vergangenheit angehäuft, das Anfang des Jahres gezeigte «Einstein» mit Tom Beck gehörte nicht dazu. Eine zweite Staffel ist bestellt. Dennoch bleibt rätselhaft, warum der ehemalige Krimisender Sat.1 dieses Feld vor allem dem ZDF überlässt, das tagtäglich und am Samstagabend hohe Zuschauerzahlen mit der Programmfarbe einfährt. Dass der Erfolg nicht nur mit hochqualitativer und komplexer deutscher Serienkost kommen muss, zeigt auch RTL. Dort gab es gleich mehrere neue Sitcom-Eigenproduktionen, von denen «Magda macht das schon» zum vollen Erfolg wurde und Jochen Busses «Nicht tot zu kriegen» zumindest respektable Zahlen einfuhr. 

• Babylon Berlin • Charité • Club der roten Bänder • Danni Lowinski • Dark • Der letzte Bulle • Deutschland 83 • Deutschland 86 • Die Sitte • Die Sprache der Toten • Dogs of Berlin • Einstein • GSG9 • Klinik am Alex • Magda macht das schon • Nicht tot zu kriegen • Post Mortem • R.I.S. •
Manager Creative Productions (m/w/d)
Jungredakteur/Redakteur Casting (w/m/d)
Pflicht/-Orientierungspraktikant Redaktion (w/m/d)
Redakteur (w/m/d) oder Jungredakteur (w/m/d)
Jungredakteur/Redakteur (w/m/d)
Es gibt 34 Kommentare zum Artikel
04.05.2017 20:56 Uhr 32
Ein anderes Problem ist der fatale Hang zu Zweiteilern, wo der Stoff mehr hergegeben hätte. Man erinnere sich nur an Grzimek-Zweiteiler, der Stoff für mehrere Staffeln bester Fernsehunterhaltung geboten hätte. Was hätte man da alles erzählen können, die Lebensgeschichte von Grzimek, Deutschland nach dem Krieg, Zoogeschichten, Fernsehgeschichte.
Breaking Bad war ja auch nicht von Anfang die Erfolgserien, die hat sich dazu entwickelt, genau wie Games of Throne sich steigerte. Deshalb sehe ich nicht das Ende der Eventserien, weil immer etwas nachkommt, was die Leute entdecken müssen.
Momentan gucke ich eher britische Serien wie Wolfblood, Skins oder Mr. Selfridge.
04.05.2017 22:34 Uhr 33
The Wire ist da in der Tat schon eine ganz andere Nummer.
Der Soko-Vergleich hinkt doch eh von vorne bis hinten. Das ist eben so ein schnöder Krimi, der je nach Crew mal besser und mal schlechter ist, wie eben auch beim Tatort. Ansich ist es aber eben toll, dass man sich mal an etwas ranwagt und auch versucht verschiedene Genres zu bedienen. Dass das nicht immer gelingt, ist aber auch nicht überraschend. Das meiste aus den USA ist doch auch Schrott und teilweise schwappt dieser auch zu uns rüber. Die guten Sachen bekommen wir dann natürlich auch schon schön vorselektiert aufgetischt. Deshalb wohl der super Eindruck.
Auf Babylon Berlin freue ich mich aber auch wahnsinnig. Habe mittlerweile auch so viele Leute kennengelernt, die da mitwirken, das Projekt echt toll fanden und auf deren Meinung man sich auch verlassen kann. Jetzt mal ganz abgesehen vom Regisseur, der Produktion und den Darstellern. Also, eigentlich kann ich jetzt nur noch enttäuscht werden. :mrgreen:
05.05.2017 09:05 Uhr 34
Also Honig im Kopf war wirklich totaler Müll - den hab ich keine halbe Stunde durchgehalten! Aber die James Bond-Reihe ist für mich seit Daniel Craig auch total verhunzt. Casino Royal und Skyfall sind für einen Action-Film derart langweilig, daß ich sie nie bis zum Ende geschafft habe. Danach hatte ich kein Bedürfnis mehr, Spectre auch nur noch eine Chance zu geben.
Eins noch zu Breaking Bad: ich fand es nicht schlecht und habe es komplett gesehen. Trotzdem war es stellenweise schon etwas langatmig und das obwohl ich es gebinged habe und für mich da erfahrungsgemäß eine schwache Episode nicht so ins Gewicht gefällt. Alles in allem keine schlechte Serie aber für mich schon ein Stück weit davon entfernt, das Nonplusultra zu sein.