Am 7. September startet «Utopia» in den USA bei FOX. Etliche Beobachter prophezeien einen Misserfolg des bisher größten Reality-Formats, das Unsummen an Geld verschlingt.
Zweifelsohne hat FOX Unsummen in den Aufbau der kameragespickten Welt gesteckt, die das Reality-Genre noch einmal auf das nächste Level heben wird. Ein entscheidender Nachteil des bald anlaufenden Formats liegt im Marketing. Wie wir es hierzulande bereits ein halbes Jahr vor dem Start der Sat.1-Variante erleben, setzte FOX bis zuletzt nur auf sehr allgemein gehaltene Werbeformen, schließlich musste der Sender darauf warten, dass die 15 Teilnehmer erst einmal in einem Hotel untergebracht werden, bevor die eigentliche Promo-Kampagne begann. Erklärtes Ziel von FOX ist es nämlich, die Kandidaten voneinander getrennt zu halten, bis sie sich das erste Mal in «Utopia» begegnen, daher konnten sie die Teilnehmer nicht schon in ihren Werbespots vorstellen.
Am 29. August bezogen die 15 Utopianer ihren neuen Lebensraum, am gleichen Tag begann auch der Live-Stream auf UtopiaTV.com. Zuschauer können sich online entweder 20 Minuten am Tag gratis zu Gemüte führen oder bei Zahlung von 4,99 Dollar im Monat die unbegrenzte Variante nutzen. Für die Ausstattung der neuen Welt haben sich die Produzenten einiges einfallen lassen. Die Bürger Utopias erwartet unter anderem ein sich selbst filternder Fluss, ein zuvor errichtetes, aber noch unvollständiges Haus sowie eine Scheune, die von zwei Milchkühen und zwölf Hühnern bewohnt wird, welche die Reality-Teilnehmer mit Nahrung versorgen sollen. Strom, Wasser oder Abflusssysteme stehen jedoch nicht zur Verfügung, was das Erlebnis der Teilnehmer umso archaischer machen wird. Pro Tag werden 129 Kameras, die vom Produktionsteam gesteuert werden, schätzungsweise 288 Stunden Filmmaterial aus den Orten in Utopia aufnehmen, in denen sich die Teilnehmer bewegen. Rund um die Uhr sitzt ein Post Production-Team vor den Aufnahmen, das die Kameras kontrolliert, Aufnahmen heraussucht und eine Story für die TV-Ausstrahlung entwickelt. Crew-Mitglieder werden «Utopia» selbst jedoch nicht betreten, außer Notfälle oder Reparaturen an Kameras zwingen sie dazu. Jede Entscheidung der Bewohner muss mit kalifornischem Recht vereinbar sein
Nie wurde ein Reality-Format im Fernsehen größer aufgezogen, selten gab es aber auch mehr Bedenken bezüglich des Erfolgs einer Sendung wie bei «Utopia». Bei einem derartigen finanziellen Aufwand, werden nur den Kosten entsprechende, hohe Zuschauerzahlen FOX zufriedenstellen. Sat.1 sollte derweil das US-amerikanische «Utopia» sowie die Originalvariante aus den Niederlanden aufmerksam beobachten, um eventuelle Fehler schon im Vorfeld zu verhindern. Bereits dieser Tage wirbt der Unterföhringer Sender für sein Reality-Format, das erst im Frühjahr 2015 anlaufen soll und enorm viele Vorkehrungen erfordert. Die Reality-Schiene könnte den Bällchensender wieder zu altem Glanz verhelfen. «Promi Big Brother – Das Experiment» generierte unentwegt gute Marktanteile für den Unterföhringer Sender und hievte Sat.1 im August wieder auf durchschnittlich 10,0 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen.

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